Typ-2-Diabetes: Demenzprävention durch GLP-1-RA?

Eine große Kohortenstudie zeigt: Bei Personen mit Typ-2-Diabetes ist unter GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) das Risiko für Alzheimer-Demenz und andere nicht-vaskuläre Demenzen deutlich niedriger als unter Metformin.

Das Wichtigste auf einen Blick 

Neuroprotektive Ansätze beider Wirkstoffklassen

Sowohl GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) als auch Metformin – beides gängige Antidiabetika – wurden bereits im Hinblick auf mögliche neuroprotektive Effekte untersucht:

Direkte Vergleichsstudien zur Wirksamkeit dieser Therapien in der Demenzprävention fehlten bisher. Vor diesem Hintergrund hat die vorliegende Studie das Demenzrisiko unter Erstlinientherapie mit GLP-1-RA gegenüber Metformin analysiert.

Studiendesign und Methodik

Die Analyse basierte auf Daten des globalen TriNetX-Forschungsnetzwerks (Erhebung von 2004 bis 2024). Eingeschlossen wurden Erwachsene mit T2DM, die erstmals mit GLP-1-RA oder in Monotherapie behandelt wurden. Patienten mit früherer Exposition gegenüber der jeweils anderen Substanz oder mit bereits bestehender Demenz wurden ausgeschlossen. Der primäre Endpunkt war die Inzidenz von Demenz insgesamt; sekundär wurden Demenz-Subtypen sowie die Gesamtmortalität betrachtet. Das Kollektiv bestand aus jeweils 87.229 Patienten pro Kohorte. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug mehrere Jahre (Datenbank-Follow-up bis 2024).

Ergebnisse zur Demenzinzidenz

Die Forscher kamen zu folgenden Ergebnissen:

Subgruppenanalyse: Alter, Geschlecht, Ethnie und Medikation

Die Risikosenkung unter GLP-1-RA zeigte sich über verschiedene Patientengruppen hinweg weitgehend konsistent. Insbesondere ältere Patienten profitierten deutlich: In der Altersgruppe 60–79 Jahre lag die aHR für Demenz bei 0,85, bei Personen ≥80 Jahren bei 0,80 (jeweils im Vergleich zu Metformin). Beide Geschlechter wiesen unter GLP-1-RA eine niedrigere Demenzinzidenz auf, wobei der Effekt bei Frauen etwas ausgeprägter war (aHR 0,83) als bei Männern (aHR 0,90).

Bei Betrachtung einzelner Demenztypen ergaben sich folgende Ergebnisse:

Reduktion der Gesamtmortalität

Neben den kognitiven Endpunkten wurde auch die Gesamtsterblichkeit erfasst. GLP-1-RA waren hier mit einer signifikant niedrigeren Mortalität verbunden als Metformin (4,8 % vs. 8,8 %; aHR 0,89; 95 % KI 0,81–0,95).

Beobachtete Risikosenkung weiter zu prüfen

Die Studie zeigt in einem großen Vergleichskollektiv niedrigere Demenzraten unter GLP-1-RA im Vergleich zu Metformin – insbesondere bei Alzheimer- und nicht-vaskulären Demenzen. Als mögliche Erklärungen werden neuroprotektive Mechanismen wie Beta-Amyloid-Clearance oder ein verbesserter zerebraler diskutiert. Aufgrund des retrospektiven Studiendesigns ist ein kausaler Zusammenhang jedoch nicht klar belegbar. Die Autoren betonen, dass randomisierte kontrollierte Studien erforderlich sind, um die Effekte von GLP-1-RA auf kognitive Endpunkte bei Typ-2-Diabetes zu bestätigen.

Quelle:
  1. Sun M, Wang X, Lu Z, et al. Evaluating GLP-1 receptor agonists versus metformin as first-line therapy for reducing dementia risk in type 2 diabetes. BMJ Open Diabetes Res Care. 2025;13(4):e004902. doi: 10.1136/bmjdrc-2025-004902.