Blutdrucksenkung als wichtige Strategie zur Prävention des Typ-2-Diabetes

Patient:innen mit Typ-2-Diabetes weisen häufig auch einen erhöhten Blutdruck und damit ein noch größeres Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen auf.

Hypertonie: gesteigertes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes

Patient:innen mit Typ-2-Diabetes weisen häufig auch einen erhöhten Blutdruck und damit ein noch größeres Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen auf. Epidemiologische Studien weisen auf ein gesteigertes Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes bei Patient:innen mit Hypertonie – vollständig gesichert ist dieser Zusammenhang aber nicht. Eine Metaanalyse mit Auswertung der individuellen Rohdaten der Patient:innen sollte jetzt mehr Klarheit in dieser Frage bringen. 

Bei den meisten Betroffenen ist der Typ-2-Diabetes nicht das einzige gesundheitliche Problem – oft bestehen zusätzlich Übergewicht, Hypertonie, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörungen. Kombinierte Daten von Kohortenstudien haben gezeigt, dass mit jedem Anstieg des systolischen Blutdrucks um 20 mmHg das Risiko für einen Typ-2-Diabetes um 77% ansteigt. Die Kausalität dieses Zusammenhangs ist aber aufgrund der vielen möglichen Einflussgrößen und dem Fehlen randomisierter kontrollierter Studien zu dieser Fragestellung unklar – genauso wie ein möglicher präventiver Effekt einzelner Antihypertensiva.  

Da solche randomisierten Studien schon aus ethischen Gründen auch in Zukunft nicht zu erwarten sind, haben sich Milad Nazarzadeh von der Universität Oxford und die "Blood Pressure Lowering Treatment Trialists’ Collaboration" (BPLTTC) Team für eine Metaanalyse auf Grundlage der Patienten-Rohdaten und eine anschließende Mendelsche Randomisierung entschieden.

Blutdrucksenkung reduziert Diabetes-Risiko

In die Metaanalyse wurden 19 Studien aus den Jahren 1973 bis 2008 mit insgesamt 145.939 Teilnehmenden eingeschlossen, in denen der Effekt einer Blutdrucksenkung auf das Neuauftreten eines Typ-2-Diabetes untersucht worden war. Im Beobachtungszeitraum von insgesamt 4,5 Jahren wurden 9.883 neue Fälle von Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Eine erfolgreiche Blutdrucksenkung wirkte sich dabei deutlich positiv aus: Ein Rückgang des systolischen Blutdrucks um 5 mmHg reduzierte das Risiko für einen neu aufgetretenen Typ-2-Diabetes über alle Studien hinweg signifikant um 11% (HR 0,89).   

ACE-Hemmer und Sartane besonders günstig

Von Bedeutung schien dabei zu sein, welche Antihypertensiva zum Einsatz kamen. Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron (RAAS)-Systems wie ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptor-II-Blocker (Sartane) senkten das Risiko um 16% (HR 0,84) – Betablocker und Thiaziddiuretika erhöhten das Risiko für einen Diabetes dagegen eher (HR 1,48 bzw. 1,20). Kalziumantagonisten verhielten sich dagegen neutral in Bezug auf das Diabetesrisiko (HR 1,02).

Bei der mendelschen Randomisierung wurde das Diabetes-Risiko bei Menschen mit einem unterschiedlichen genetischen Risiko für eine Hypertonie miteinander verglichen. Auch hier zeigte sich, dass Personen mit einer genetischen Veranlagung für Hypertonie seltener an Typ-2-Diabetes erkrankten, wenn sie niedrigere Blutdruckwerte aufwiesen. Ein um 5 mmHg geringerer Blutdruck war hier mit einem um 12% vermindertem Risiko für einen Typ-2-Diabetes verbunden (HR 0,88). Dies deutet darauf hin, dass nicht nur der spezifische Effekt bestimmter Antihypertensiva zur Senkung des Diabetes-Risikos führt, sondern auch die niedrigeren Blutdruckwerte per se das Risiko vermindern. 

Fazit:

Die Senkung erhöhter Blutdruckwerte ist offensichtlich eine wichtige Strategie zur Prävention des Typ-2-Diabetes. Bisher ist noch unklar, über welche Mechanismen ACE-Hemmer und Sartane bei vergleichbarer Blutdrucksenkung das Diabetesrisiko in besonderer Weise reduzieren – sie sollten aber vor allem bei Risikogruppen bevorzugt zur Blutdrucksenkung eingesetzt werden. Dazu könnten auch Personen unter einer Statintherapie gehören, da für Statine eine Erhöhung des Diabetesrisikos gezeigt wurde.

Referenzen: Milad Nazarzadeh et al; Blood pressure lowering and risk of new-onset type 2 diabetes: an individual participant data meta-analysis; Lancet (2021); 398 (10313): 1803-1810; DOI:https://doi.org/10.1016/S0140-6736(21)01920-6