Deutlich erhöhte Darmkrebsrate bei Diabetes

Patientinnen und Patienten mit Diabetes scheinen ein deutlich erhöhtes Risiko zu haben, bereits vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine auf schwedischen Registerdaten beruhende große Kohortenstudie.

Risiko ähnlich hoch wie bei positiver Familienanamnese für Darmkrebs

Patienten mit Diabetes scheinen ein deutlich erhöhtes Risiko zu haben, bereits vor dem 50. Lebensjahr an Darmkrebs zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kommt eine auf schwedischen Registerdaten beruhende große Kohortenstudie.

In den letzten Jahren wurde beobachtet, dass zunehmend jüngere Menschen an Darmkrebs erkranken. Auch wenn Diabetes einige Risikofaktoren wie Fettleibigkeit, Bewegungsmangel und metabolische Störungen mit Darmkrebs teilt, galt die Stoffwechselerkrankung bisher noch nicht als anerkannter Risikofaktor für das frühe Auftreten von Darmkrebs.

Dies könnte mit der Studie von WissenschaftlerInnen vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg anders werden. Die Heidelberger Forschenden um Uzair Ali Khan haben zusammen mit WissenschaftlerInnen der Universität Lund die Daten von 12,6 Millionen nach 1931 geborenen schwedischen EinwohnerInnen einschließlich ihrer Eltern ausgewertet. Im Studienzeitraum von 1964 bis 2015 hatten 559.375 der untersuchten Personen Diabetes, davon 18% vor dem 50. Lebensjahr. 162.226 waren an Darmkrebs erkrankt, 21% dieser Fälle waren vor dem 60. Lebensjahr aufgetreten.

Deutlich erhöhtes Risiko für frühen Darmkrebs bei Diabetes

In allen Altersgruppen hatten DiabetikerInnen ein höheres Darmkrebsrisiko. Eine Diabetesdiagnose vor dem 50. Lebensjahr war mit einem 1,9-fach höherem Risiko assoziiert, vor dem 50. Geburtstag auch noch an Darmkrebs zu erkranken und mit einem 1,3-fach erhöhten Risiko für Darmkrebs nach dem 50. Lebensjahr. Das höchste Risiko hatten PatientInnen mit einer Diabetesdiagnose zwischen dem 40. und 49. Lebensjahr.

Hatten früh an Diabetes erkrankte PatientInnen auch noch eine positive Familienanamnese in Bezug auf Darmkrebs, stieg ihr Risiko für Kolonkarzinome vor dem 50. Lebensjahr um das 6,9-fache. Unterm Strich hatten DiabetikerInnen ohne Darmkrebs in der Familie ein ähnlich hohes Lebenszeitrisiko wie Nicht-DiabetikerInnen mit positiver Familienanamnese – in beiden Gruppen war das Darmkrebsrisiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung in etwa verdoppelt.

Risiko vor allem bei Typ-2-Diabetes erhöht

Zwischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes konnte im Register erst nach 1997 unterschieden werden. Wurden nur die Daten von 1997 bis 2015 ausgewertet, hatten PatientInnen mit Typ-2-Diabetes ein 3,5-fach höheres Risiko vor dem 50. Lebensjahr an einem sporadischen Kolonkarzinom zu erkranken – bei Typ-1-DiabetikerInnen entsprach das Risiko der Allgemeinbevölkerung. Eine Hochrisikogruppe waren Typ-2-DiabetikerInnen mit positiver Familienanamnese – hier war das Risiko für ein frühes Kolonkarzinom um den Faktor 18 erhöht.

Während es für PatientInnen mit familiärer Darmkrebs-Belastung entsprechende Screening-Programme gibt, ist das für junge Typ-2-DiabetikerInnen bisher nicht der Fall – trotz vergleichbarer Risikoerhöhung. Aus Sicht der AutorInnen sollten Nutzen, Risiken und Kosteneffizienz solcher Programme bei DiabetikerInnen untersucht werden.

Quelle:
Ali Khan U et al; Personal History of Diabetes as Important as Family History of Colorectal Cancer for Risk of Colorectal Cancer: A Nationwide Cohort Study. Am J Gastroenterol (2020); 115 (7): 1103–09.

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