Typ-1-Diabetes: Vermeidung von Hypo- und Hyperglykämien kann zur Demenzprävention beitragen

Hypo- und Hyperglykämien sind gefürchtete Komplikationen eines Typ-1-Diabetes. Wer deswegen im Verlauf seiner Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden musste, hat nach den Ergebnissen einer US-amerikanischen Kohortenstudie ein deutlich erhöhtes Risiko, im fortgeschrittenen Alter an Demenz zu erkranken.

Viele Patienten mit Krankenhausaufenthalt entwickelten in der Nachbeobachtungszeit eine Demenz

Hypo- und Hyperglykämien sind gefürchtete Komplikationen eines Typ-1-Diabetes. Wer deswegen im Verlauf seiner Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden musste, hat nach den Ergebnissen einer US-amerikanischen Kohortenstudie ein deutlich erhöhtes Risiko, im fortgeschrittenen Alter an Demenz zu erkranken. 

Das Gehirn reagiert bekanntlich besonders empfindlich auf Glukoseschwankungen, da Glukose der wichtigste Energielieferant für die Nervenzellen ist. Steht bei einer schweren Hypoglykämie nicht ausreichend Glukose zur Verfügung, kommt es zu den bekannten Ausfällen von Hirnfunktionen bis hin zum Koma. Aber auch ein Überangebot an Glukose kann sich schädlich auf das Gehirn auswirken, da den Hirnzellen durch die erhöhte Osmolalität Flüssigkeit entzogen wird. In ausgeprägten Fällen kann daraus ein diabetisches Koma resultieren.

Im Rahmen der Kohortenstudie haben die Epidemiologin Rachel Whitmer von der Davis School of Medicine in Sacramento und ihre Arbeitsgruppe die Versicherungsdaten von 2.821 Patienten mit Typ-1-Diabetes (mittleres Alter 56 Jahre) analysiert. 398 Patienten (14%) mussten in den vorausgegangenen 20 Jahren mindestens einmal wegen einer schweren Hypoglykämie im Krankenhaus behandelt werden – 335 Patienten (12%) wurden im gleichen Zeitraum mit einer schweren Hyperglykämie stationär aufgenommen. 87 Patienten (3%) waren mit beiden Formen der Stoffwechselentgleisung stationär behandelt worden. 153 Patienten (5,4%) hatten in der Nachbeobachtungszeit von im Mittel 6,9 Jahren eine Demenz entwickelt.

Deutlich erhöhtes Demenzrisiko bei Stoffwechselkomplikationen

Patienten mit einer schweren Hypoglykämie in der Vorgeschichte hatten im Vergleich zu Typ-1-Diabetikern ohne diese Komplikation ein 66% höheres Risiko an einer Demenz zu erkranken – unabhängig von Faktoren wie Alter, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit. Dies entspricht einer Inzidenz von 26,5 Fällen pro 1.000 Personenjahre im Vergleich zu 13,2 pro 1.000 Personenjahren bei Versicherten mit einem komplikationslosen Typ-1-Diabetes.

Noch stärker gefährdet waren Patienten mit einem stationär behandelten Hyperglykämie-Ereignis – hier war das Demenz-Risiko mehr als doppelt so hoch (HR 2,11) und die Inzidenz lag bei 79,6 pro 1.000 Patientenjahren. Am schlechtesten schnitten Patienten ab, die sowohl mit Hypo- als auch mit Hyperglykämien im Krankenhaus waren. Das Demenzrisiko war hier um das Sechsfache erhöht und die Inzidenz stieg auf 98,5 pro 1.000 Personenjahre.

Fazit: Eine gute Stoffwechseleinstellung bei Typ-1-Diabetes mit Vermeidung von Hypo- und Hyperglykämien kann auch einen wichtigen Beitrag zur Demenzprävention bei dieser Personengruppe leisten.

Quelle:
Rachel A. Whitmer et al: 
Association of Type 1 Diabetes and Hypoglycemic and Hyperglycemic Events and Risk of Dementia; Neurology (2021)