Typ-2-Diabetes: Nach erfolgreicher Diät kann auch die Hypertonie verschwinden

Ist die Diagnose eines Typ-2-Diabetes noch nicht zu lange her, lässt sich das Rad noch einmal zurückdrehen, wie in der DiRECT-Studie (Diabetes Remission Clinical Trial) gezeigt werden konnte. Dies gilt nicht nur für den Glukosestoffwechsel, sondern auch für den Hypertonus.

Studie mit adipösen Patienten führt zu deutlicher Verbesserung

Ist die Diagnose eines Typ-2-Diabetes noch nicht zu lange her, lässt sich das Rad noch einmal zurückdrehen, wie in der DiRECT-Studie (Diabetes Remission Clinical Trial) gezeigt werden konnte. Dies gilt offensichtlich nicht nur für den Glukosestoffwechsel, sondern auch für den häufig ebenfalls vorhandenen Hypertonus.

An der in Hausarztpraxen durchgeführten Studie nahmen 298 adipöse Patienten mit Typ-2-Diabetes teil, der im Mittel drei Jahre (höchstens sechs Jahre) zuvor diagnostiziert worden war. In der Interventionsgruppe wurde nach dem "Counterweight-plus"-Gewichtsmanagement verfahren, das von geschulten Diätassistenten oder medizinischen Fachangestellten angeleitet wurde und in einer 12-wöchigen Formuladiät mit einer Tageszufuhr von 830 Kilokalorien und Training bestand. Die Diät war mit einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 10 kg sehr erfolgreich und führte auch zu einer deutlichen Verbesserung der Blutzuckerwerte. Von den Patienten, denen es gelang, ihr reduziertes Gewicht über zwei Jahre zu halten, kamen fast die Hälfte ohne weitere antidiabetische Medikamente aus, sodass der Diabetes als "geheilt" gelten konnte.

Hypertonie ist eine sehr häufige Komorbidität bei Typ-2-Diabetes. Auch in der Interventionsgruppe waren 78 der 143 Teilnehmenden (55%) betroffen und erhielten vor Studienbeginn antihypertensive Medikamente, davon über die Hälfte zwei oder mehr verschiedene Substanzen. Aus Angst vor einer orthostatischen Hypotonie unter der strengen Diät wurden diese Medikamente bei den meisten Patienten bei Beginn der Intervention komplett abgesetzt und sollten dann nach vorher festgelegten Regeln schrittweise wieder angesetzt werden. Innerhalb der ersten zwei Wochen war das bei einem systolischen Blutdruck > 165 mmHg der Fall, danach bei Werten > 140 mmHg. 

Mit schwindenden Pfunden sinkt der Blutdruck

In der gesamten Interventionsgruppe kam es relativ rasch zu einer deutlichen Senkung des Blutdrucks unter den Ausgangswert, was bei einigen mit leichten Schwindelgefühlen aufgrund einer orthostatischen Hypotonie verbunden war. Schon in der ersten Diät-Woche war der Blutdruck signifikant geringer als vor der Intervention – ebenso am Ende der Diät und nach 12 und 24 Monaten.

Bei den 69 Patienten, bei denen die Antihypertensiva komplett abgesetzt worden waren, veränderte sich der Blutdruck in der ersten Woche noch nicht, ging dann aber ab Woche 9 ebenfalls zurück. Exzessive Blutdruckanstiege wurden nicht beobachtet – bei 19 Patienten (27,5%) mussten die Medikamente aber während der Diätphase doch wieder angesetzt werden (meist in den ersten 3–7 Wochen und trotz einer Gewichtsabnahme). Dies betraf vor allem Patienten, die vorher zwei oder mehr verschieden Antihypertensiva eingenommen hatten. Immerhin 28% der 69 Patienten benötigten dagegen auch nach 24 Monaten keine antihypertensive Medikation mehr.

Die Daten zeigen, dass eine strenge Reduktionsdiät bei adipösen Patienten mit Typ-2-Diabetes zu einer deutlichen Senkung des Blutdrucks führt. Es scheint gefahrlos möglich zu sein, unter solch einer Diät die Hypertensiva erst einmal abzusetzen. Es müssen aber regelmäßige Blutdruckkontrollen erfolgen, da mehr als zwei Drittel der Patienten dann im Laufe der Zeit doch wieder Medikamente zur Behandlung der Hypertonie benötigen.

Quelle:
Wilma S. Leslie et al; Antihypertensive medication needs and blood pressure control with weight loss in the Diabetes Remission Clinical Trial (DiRECT); Diabetologia (2021)