- Johansson T et al. Contemporary menopausal hormone therapy and risk of cardiovascular disease: Swedish nationwide register based emulated target trial. BMJ 2024; 387: e078784.
Seit Veröffentlichung der HERS-Studie (DOI:) und der Women’s Health Initiative-Studie (DOI:), die erstmals die Risiken einer HRT aufzeigten, sind mehr als 20 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich die Behandlung weiterentwickelt und umfasst heute verschiedene Hormonkombinationen in unterschiedlichen Darreichungsformen. Diese modernen Ansätze der HRT wurden nun anhand schwedischer Registerdaten von knapp einer Million Frauen im Alter von 50 bis 58 Jahren auf potenzielle kardiovaskuläre Risiken untersucht. 77.512 der Frauen unterzogen sich einer HRT, u. a. in Form einer oralen fortlaufenden oder sequenziellen Kombinationstherapie, einer Monotherapie mit Östrogen oder einer Tibolonbehandlung. Die übrigen 842.102 Teilnehmer nahmen keine Hormone ein.
Während der Nachbeobachtungszeit von 2 Jahren trat bei gut 10.000 Frauen ein Ereignis im Zusammenhang mit einer ischämischen Herzerkrankung auf, jeweils rund 4.000 erlitten einen Herzinfarkt bzw. Schlaganfall und knapp 10.000 eine venöse Thromboembolie.
Die Einleitung einer oralen kombinierten Dauertherapie oder einer Tibolon-Therapie war mit einem erhöhten Risiko für innerhalb der ersten zwei Jahre nach Beginn verbunden. Konkret führte die orale Kombinationstherapie vermehrt zu ischämischen Herzerkrankungen und venösen Thromboembolien. Auch die Einnahme von Tibolon stand im Vergleich zu keiner HRT mit einem höheren generellen Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse in Verbindung (Hazard Ratio 1,52, 95 %-Konfidenzintervall 1,11–2,08), nicht jedoch mit vermehrten Thromboembolien. Östrogen in Monotherapie wiederum erhöhte die Wahrscheinlichkeit einer Venenthrombose um 57 %. Transdermale Therapien hatten dagegen keinen Einfluss auf das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen.
Die Forscher vermuten jeweils verschiedene biologische Mechanismen hinter den einzelnen Substanzen und Applikationsformen, die die unterschiedlichen Ergebnisse erklären. Während Östrogen bei oraler Einnahme einen First-Pass-Metabolismus in der Leber durchlaufe und dadurch die Produktion von Gerinnungsfaktoren beeinflusse, umgehe transdermales Östrogen den Leberstoffwechsel weitgehend und minimiere diesen Effekt damit.
Das Risikoprofil von Tibolon (erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, keine Risikoerhöhung für venöse Thromboembolien) gehe womöglich auf seine speziellen pharmakologischen Eigenschaften (kombinierte östrogene, gestagene und androgene Eigenschaften) zurück, wobei die genauen Mechanismen noch unklar seien.
Auch wenn weiterhin offene Fragen zur Risikobewertung der HRT bleiben, stimmt eine Beobachtung der Forscher zuversichtlich: ein deutlicher Trend zur vermehrten Verwendung von transdermalen Produkten und oralem in Kombination mit dem Levonorgestrel-Intrauterinsystem sowie ein Rückgang der Verwendung von Tibolon.