Menopause: Verrät die Symptomlast etwas über die spätere Kognition?

Schlafstörungen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen: Eine kanadische Studie ging der Frage nach, ob das Ausmaß menopausaler Beschwerden mit kognitiven und verhaltensbezogenen Auffälligkeiten im Alter zusammenhängt.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Menopause und mentaler Gesundheit

  • 74 % der befragten Frauen litten während der Wechseljahre unter Beschwerden wie Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafproblemen oder Stimmungsschwankungen.
  • Dabei zählte nicht, wie stark einzelne Probleme ausgeprägt waren, sondern wie viele insgesamt zusammenkamen: Frauen mit einer höheren Belastung in dieser Lebensphase berichteten später häufiger über kognitive Einschränkungen. Auch Veränderungen von Stimmung, Antrieb und Verhalten waren bei ihnen häufiger.
  • Eine Hormontherapie war in der Studie nicht eindeutig mit besseren kognitiven Leistungen verbunden, ging aber mit weniger Verhaltensauffälligkeiten einher.

Für die Analyse nutzten die Autoren Daten aus der kanadischen CAN-PROTECT-Studie, einer online durchgeführten Beobachtungsstudie zur Hirngesundheit im Alter. Eingeschlossen wurden 896 postmenopausale Frauen. Das mittlere Alter lag bei 64 Jahren; der Beginn der Menopause wurde im Durchschnitt mit 49 Jahren angegeben.

Die Studienteilnehmerinnen gaben rückblickend an, ob sie in der Perimenopause bestimmte Beschwerden erlebt hatten. Abgefragt wurden elf mögliche Symptome, darunter Hitzewallungen, Nachtschweiß, Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, vaginale Trockenheit, Gewichtszunahme sowie Aufmerksamkeits- oder Gedächtnisprobleme. Aus diesen Angaben bildeten die Autoren einen Summenwert: Je mehr Beschwerden eine Frau angab, desto höher war ihre menopausale Symptomlast.

Die Kognition wurde mit der Everyday Cognition Scale erhoben. Höhere Werte bedeuten mehr wahrgenommene Einschränkungen im Alltag. Zusätzlich erfassten die Autoren anhaltende Veränderungen von Stimmung, Antrieb und Verhalten mit der Mild Behavioral Impairment Checklist. Solche Veränderungen werden zunehmend als mögliche frühe Hinweise auf ein erhöhtes Demenzrisiko diskutiert.

Mehr Wechseljahresbeschwerden, mehr Probleme später

Rund drei Viertel der Teilnehmerinnen berichteten über Beschwerden in den Wechseljahren. Am häufigsten waren Hitzewallungen und Nachtschweiß. Im Mittel kamen bei den Betroffenen etwa vier verschiedene Beschwerden zusammen. Anschließend untersuchten die Autoren, ob diese frühere Belastung mit der heutigen kognitiven und psychischen Situation der Frauen zusammenhing.

In der Auswertung zeigte sich ein klarer Zusammenhang:

  • Mit jedem zusätzlich angegebenen Symptom stieg der Wert für spätere kognitive Alltagsprobleme um 5,37 %. 
  • Auch bei Stimmung und Verhalten zeigte sich ein ähnliches Muster. Pro weiteres Wechseljahressymptom lag der Wert für spätere Verhaltensauffälligkeiten um 6,09 % höher. 

Hormontherapie: Auswirkung auf Kognition und Verhalten?

Die Hormonersatztherapie ging in der Studie nicht eindeutig mit einer besseren kognitiven Funktion einher. Anders verhielt es sich bei Stimmung und Verhalten: Unter einer Hormontherapie kam es hier zu weniger auffälligen Befunden.

Warum könnten Wechseljahresbeschwerden mit mentaler Gesundheit zusammenhängen?

Estradiol ist im Gehirn unter anderem an Prozessen beteiligt, die Nervenzellen stabilisieren, synaptische Verbindungen unterstützen und möglicherweise vor neurodegenerativen Veränderungen schützen. Wenn dieser hormonelle Einfluss nachlässt, könnten negative Effekte auf die Neuronen die Folge sein.

Ein weiterer Erklärungsansatz ist, dass Frauen unterschiedlich empfindlich auf die hormonelle Umstellung reagieren: Bei manchen bleibt es bei wenigen Beschwerden, andere erleben eine ganze Reihe körperlicher und psychischer Veränderungen. Eine hohe Symptomlast könnte daher ein Hinweis darauf sein, dass Schlaf, Stimmung, Stoffwechsel oder vaskuläre Regulation stärker aus dem Gleichgewicht geraten. Genau diese Faktoren können auch für Gedächtnis und Verhalten im späteren Leben relevant sein. Die Beschwerden wären dann nicht zwingend selbst die Ursache, sondern eher ein klinisches Signal für eine erhöhte Vulnerabilität.

Fazit

Die Ergebnisse sollten vorsichtig interpretiert werden. Die Studie beruht auf retrospektiven Angaben zu Wechseljahresbeschwerden und erlaubt daher keine sicheren Aussagen über Ursache und Wirkung. Zudem fokussierte sich die Analyse primär auf die Anzahl der verschiedenen Symptome und nicht auf die Ausprägung einzelner Beschwerden. Auch Biomarker wie Estradiol, Amyloid oder Tau gingen nicht in die Analyse ein.

Trotzdem ist die Arbeit klinisch interessant. Sie legt nahe, dass eine ausgeprägte Belastung in den Wechseljahren ein Hinweis auf kognitive und verhaltensbezogene Einschränkungen im weiteren Verlauf sein könnte. Warum manche Frauen stärker auf die hormonelle Umstellung reagieren als andere, könnte künftig ein wichtiger Ansatzpunkt sein, um Betroffene mit erhöhter Vulnerabilität früher zu erkennen.

Quelle:
  1. Crockford JFE, Guan DX, Einstein G, Ballard C, Creese B, Corbett A, Pickering E, Bloomfield A, Roach P, Smith EE, Ismail Z. Menopausal symptom burden as a predictor of mid- to late-life cognitive function and mild behavioral impairment symptoms: A CAN-PROTECT study. PLoS One. 2025 Mar 5;20(3):e0301165. doi: 10.1371/journal.pone.0301165. PMID: 40043017; PMCID: PMC11882070.