Was bedeutet sportassoziierte Amenorrhoe?
- Die sportassoziierte Amenorrhoe ist eine Form der sekundären, funktionellen Amenorrhoe, bei der die Periode nach zuvor bestehendem Zyklus sistiert. Sie betrifft häufig sportlich hochaktive junge Frauen und ist potenziell reversibel.
- Definitionsgemäß kommt es zum Ausbleiben der Menstruation infolge intensiver körperlicher Aktivität, meist in Verbindung mit negativer Energiebilanz und chronischem Stress.
- In einer Konsenserklärung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) (doi: 10.1136/bjsports-2018-099193) wird die Hormonstörung eingebettet in ein umfassendes Syndrom, das sogenannte RED-S (Relative Energy Deficiency in Sport).
- RED-S umfasst neben einer veränderten Menstruationsfunktion auch Störungen des Stoffwechsels, der Knochengesundheit, des Immunsystems, der Proteinsynthese sowie der Herz-Kreislauf-Gesundheit und kann auch Männer betreffen.
Ursachen und Folgen einer sekundären Amenorrhoe
Eine sekundäre Amenorrhoe kommt vor allem bei Ausdauersportarten mit hoher Leistungsdichte wie z. B. Radsport oder Marathon vor. Auch Sportarten, in denen ein ausgeprägtes Schlankheitsideal vorherrscht – wie etwa Ballett –, begünstigen hormonelle Störungen des weiblichen Zyklus. Sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport werden seit Jahren vermehrt Amenorrhoen bei jungen Frauen festgestellt.
Inzwischen hat man erkannt, welche weitreichenden Folgen diese Störung des Hormonsystems über die Fertilität hinaus für den gesamten Körper hat. Chronischer Östrogenmangel kann zu einer Verringerung der Knochendichte bis hin zur Osteoporose führen und zudem Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System haben. Des Weiteren können sich Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und kognitive Einschränkungen entwickeln.
Zeitnaher kausaler Therapieansatz
Viele junge Frauen stören sich nicht unbedingt an einer ausbleibenden Periode, manchen kommt dies sogar entgegen. Für Dr. med. Imke Mebes, endokrinologikum Kiel, sind daher Aufklärung, eine frühzeitige diagnostische Abklärung sowie eine kausale Therapie entscheidend. Die Gynäkologin und gynäkologische Endokrinologin rät, eine Amenorrhoe spätestens nach drei Monaten abzuklären – bei bestehenden Begleitsymptomen wie Stressfrakturen oder psychischen Auffälligkeiten auch schon früher.
Therapeutisch sollte zunächst das Hormondefizit durch die externe Zufuhr von Östrogenen und Gestagenen ausgeglichen werden. Daran schließt sich eine kausale Therapie an, die darauf abzielt, Trainingsintervalle und -intensität sowie die Kalorienzufuhr anzupassen. Je früher dieser kausale Behandlungsansatz umgesetzt wird, desto schneller stellt sich eine funktionelle GnRH-Pulsatilität mit endogener Hormonproduktion wieder ein.
- Online-Pressekonferenz anlässlich des 69. Deutschen Kongresses für Endokrinologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie e.V. (DGE), 3. März 2026. Online unter https://www.endokrinologie.net/pressekonferenz.php (letzter Aufruf: 17. März 2026).