Aspirin senkt Sterblichkeit und Komplikationen beim hepatozellulären Karzinom

Eine große US-Kohortenstudie belegt: Patienten mit hepatozellulärem Karzinom, die regelmäßig ASS einnehmen, zeigen eine signifikant niedrigere Sterblichkeit und seltener schwere Komplikationen.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Aspirin beim hepatozellulären Karzinom:

  • Die Sterblichkeit während des Krankenhausaufenthalts war in der ASS-Gruppe nur etwa halb so hoch wie bei HCC-Patienten ohne ASS (ca. 5 % vs. 10 %).
  • Schwere Komplikationen wie akutes Leberversagen, hepatische Enzephalopathie, Aszites oder Sepsis traten unter Aspirin signifikant seltener auf.
  • Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus war kürzer (5,4 vs. 6,4 Tage); die durchschnittlichen Kosten pro Krankheitsfall lagen rund 15 % niedriger.
  • Trotz der gerinnungshemmenden Wirkung kam es unter ASS nicht häufiger zu Blutungen im Gastrointestinaltrakt oder aus Ösophagusvarizen.

Die Analyse basierte auf über 337.000 Krankenhausfällen mit HCC zwischen 2016 und 2022. Bei etwa 8 % der Patientinnen und Patienten war eine ASS-Einnahme dokumentiert. Die Studienautoren schlossen Patienten mit zusätzlicher NSAID-Nutzung konsequent aus und führten ein statistisches Matching mittels Propensity-Score und IPTW durch, um Verzerrungen zu minimieren.

Signifikant niedrigere Sterblichkeit unter ASS

Die vielleicht eindrücklichste Zahl der Studie: Die Mortalität während des stationären Aufenthalts bei HCC-Patienten lag in der Gruppe mit dokumentierter ASS-Einnahme bei 5,2 % – gegenüber 10,1 % in der Vergleichsgruppe ohne Aspirin. Dieser Unterschied blieb auch nach statistischer Adjustierung für zahlreiche klinische und demografische Variablen bestehen (aOR 0,58; 95 %-KI 0,50–0,68; p < 0,001).

Weniger Komplikationen, kürzerer Klinikaufenthalt

Neben der niedrigeren Sterblichkeit war Aspirin auch mit deutlich geringeren Raten schwerer Komplikationen assoziiert. So traten akutes Leberversagen (4 % vs. 7,4 %), hepatische Enzephalopathie (1,2 % vs. 2,6 %), Aszites (28 % vs. 43 %) und spontane bakterielle Peritonitis (1,8 % vs. 4,3 %) unter ASS signifikant seltener auf. Auch das Risiko für Sepsis, Aufnahmen auf der Intensivstation und akutes Nierenversagen war in der Aspirin-Gruppe reduziert.

Entsprechend sank auch der Versorgungsaufwand. Die mittlere Aufenthaltsdauer betrug 5,4 Tage und war damit um fast einen Tag kürzer als bei Patienten ohne ASS. Die mittleren stationären Kosten pro Fall lagen bei rund 80.000 US-Dollar und lagen damit deutlich unter denen der Kontrollgruppe (95.000 US-Dollar).

Kein erhöhtes Blutungsrisiko

Trotz der gerinnungshemmenden Wirkung kam es unter ASS nicht häufiger zu Blutungen im Gastrointestinaltrakt oder aus Ösophagusvarizen. Die Inzidenz war in beiden Gruppen gemäß der Propensity-Score-Matched-Analyse vergleichbar; auch bei der Portalvenenthrombose oder dem obstruktiven Ikterus zeigten sich keine relevanten Unterschiede.

Warum Aspirin bei HCC hilfreich sein könnte

Die günstigen Verläufe in der Aspirin-Gruppe könnten durch antiinflammatorische, antithrombotische und antifibrotische Effekte erklärbar sein:

  • ASS hemmt unter anderem die Cyclooxygenase-2 (COX-2), die in Tumorgewebe vermehrt exprimiert ist und mit Progression und Angiogenese in Verbindung gebracht wird. Über die Blockade dieser Entzündungs- und Proliferationssignale könnte Aspirin das Tumorwachstum indirekt bremsen.
  • Bei chronischen Lebererkrankungen liegt häufig ein hyperkoagulatorischer Zustand vor – trotz erhöhter Blutungsneigung. Dieser geht mit gesteigerter Thrombinbildung, vermehrter Plättchenaktivierung (u. a. über Thromboxan A2, P-Selektin und den von Willebrand-Faktor) sowie Mikrothrombosen einher. Diese Prozesse tragen wesentlich zur portalen Hypertension und zu vaskulären Komplikationen wie Portalvenenthrombosen oder Varizenblutungen bei. Durch die Hemmung dieser Mechanismen könnte Aspirin auch auf systemischer Ebene stabilisierend wirken und so zur besseren Prognose bei HCC beitragen.

Fazit

Die Ergebnisse dieser großen retrospektiven Kohorte zeigen einen konsistenten Zusammenhang zwischen dokumentierter ASS-Einnahme und verbesserten stationären Verläufen bei HCC. Sowohl die Sterblichkeit als auch die Komplikationsraten und die ökonomischen Kennzahlen waren unter Aspirin signifikant günstiger. Besonders bemerkenswert: Das häufig befürchtete erhöhte Blutungsrisiko unter Aspirin zeigte sich nicht.

Trotz aller statistischen Sorgfalt weist die Studie jedoch klare Limitationen auf. So basiert die Analyse auf Daten eines großen Krankenhausregisters. Damit sind die Ergebnisse rein assoziativ – es lässt sich nicht sicher sagen, ob Aspirin ursächlich zur Verbesserung beiträgt. Die Autoren selbst betonen, dass ihre Ergebnisse zwar robust, aber eben nicht kausal interpretierbar sind. Weitere prospektive Studien – idealerweise randomisiert – sind notwendig, um die Rolle von Aspirin in der HCC-Therapie besser zu verstehen.

Quelle:
  1. Ginjupalli M, Bandaru P, Sharma AR, Jayakumar J, Forlemu RNSM, Wakil A, Forlemu A, Reddy M. Influence of Aspirin on Hospital and Clinical Outcomes in Hepatocellular Carcinoma: Insights from National Data. Gastroenterology Insights. 2025; 16(3):33. https://doi.org/10.3390/gastroent16030033