Darmreinigung und Dysbiose: Mikrobiom-Regeneration nach der Koloskopie

Die Darmreinigung vor einer Koloskopie ist nicht nur unangenehm, sie kann auch die Darmflora empfindlich stören. Bei der Regeneration könnten gezielte Ernährungsstrategien helfen.

Wie beeinflusst eine Koloskopie das Darmmikrobiom?

  • Abführmittel und Ernährungsumstellung führen zu osmotischem Stress, Schädigung der Schleimschicht und Nährstoffmangel.
  • Luft- bzw. CO2-Insufflation bei der Endoskopie erhöht die Sauerstoffverfügbarkeit im Darm und verdrängt anaerobe Nutzbakterien.
  • Folge ist eine vorübergehende Dysbiose, die sich klinisch in Meteorismus, Bauchschmerzen und Stuhlveränderungen äußert.

Knapp die Hälfte der Patienten entwickelt innerhalb von sieben Tagen nach einer Koloskopie mindestens ein neues gastrointestinales Symptom, am häufigsten Blähungen, Bauchschmerzen und dyspeptische Symptome. In der Regel sind die Beschwerden mild und vorübergehend. Doch vor allem bei Patienten mit vorbestehenden Darmerkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen kann die Symptomatik stärker ausgeprägt sein und über mehrere Wochen anhalten. Auch ältere Menschen könnten anfälliger für eine anhaltende Störung der mikrobiellen Funktion sein.

Leitlinienempfehlung: Abführmittel vor der Koloskopie aufteilen

Die Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Gastrointestinale Endoskopie (ESGE) zur Darmvorbereitung für die Koloskopie empfehlen, die Dosis der Präparate zur Darmreinigung aufzuteilen und sich nur einen Tag vor der Koloskopie ballaststoffarm zu ernähren. Doch auch eine optimale Vorbereitung kann die Beeinträchtigung der Mikrobiota oft nicht verhindern. Umso wichtiger ist die anschließende Regeneration. Zu den möglichen Strategien zählen:

Ballaststoffe sind das wichtigste Fermentationssubstrat für Darmbakterien. Die ballaststoffarme Phase dient rein der Vorbereitung und sollte auf den vorgegebenen Tag beschränkt bleiben. Unmittelbar nach der Untersuchung empfiehlt sich der Wechsel zu einer ballaststoffreichen, mediterranen Ernährung, um den nützlichen Darmbakterien rasch wieder Nährsubstrate zu liefern. Ein weiterer Vorteil sind ihre antioxidativen Eigenschaften und potenziell krebshemmenden Wirkungen.

Probiotika reduzieren Beschwerden nach der Koloskopie

Auch fermentierte Lebensmittel, Prä- und Probiotika können das Wachstum förderlicher Mikroorganismen wie Bifidobakterien und Lactobazillen unterstützen und zur Verbesserung der Gesamtzusammensetzung der Darmmikrobiota beitragen. Studien zufolge reduziert die Einnahme von Probiotika gastrointestinale Symptome deutlich, insbesondere bei Patienten, die bereits vor der Untersuchung unter Bauchschmerzen gelitten haben. Dabei kommt dem Probiotikum Clostridium butyricum eine besondere Bedeutung zu. Im Vergleich zu anderen Bakterien kann es größere Mengen an Buttersäure und anderen kurzkettigen Fettsäuren produzieren, die die Darmbarrierefunktion und die Immunregulation unterstützen.

Fazit

Auch wenn Ansätze wie Probiotika oder die mediterrane Ernährung vielversprechende Strategien zur mikrobiellen Erholung darstellen, ist die Evidenz speziell für die Phase unmittelbar nach einer Koloskopie noch begrenzt. Dennoch gilt in der Praxis: Ein möglichst kurzes Intervall der ballaststoffarmen Vorbereitung und der rasche Wechsel zu einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Kost sind einfache und wirksame Schritte, um dem Mikrobiom wieder auf die Beine zu helfen.

Quelle
  1. Krynicka P et al. Post-Colonoscopy Gut Microbiota Dysbiosis: Mechanisms, Clinical Consequences, and the Role of Diet in Microbiota Recovery. Gastroenterology Insights 2026; 17(2): 27. https://doi.org/10.3390/gastroent17020027 (letzter Zugriff: 26.10.2026).