Ernährung im Alter: Das Wichtigste aus der neuen S3-Leitlinie

Malnutrition bei jedem zweiten geriatrischen Patienten, Dehydratation bei einem Drittel: Die aktualisierte DGEM-Leitlinie gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Diagnostik und Therapie – erstmals auch zur Hydrierung.

Ernährungsprobleme im Alter:

An diesen vier grundlegenden Ernährungsproblemen, die bei älteren Menschen häufig auftreten, orientiert sich die aktualisierte S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. Insgesamt 69 Empfehlungen haben die Experten ausgesprochen.

Richtwerte für Energie-, Protein- und Flüssigkeitszufuhr

Vorangestellt ist ein Abschnitt zu den Grundprinzipien klinischer Ernährung im Alter, in dem Richtwerte für die Energie-, Protein- und Flüssigkeitszufuhr angegeben werden. Je nach Ernährungszustand, , klinischer Situation und Toleranz sollen sie individuell angepasst werden. So steigt etwa der Proteinbedarf bei Entzündungen und Infektionen an.

Erstmals mit aufgenommen wurden Empfehlungen zur Hydratation, die bereits in die europäischen ESPEN (European Society for Clinical Nutrition and Metabolism)-Guidelines von 2019 Einzug gehalten haben. Demnach soll die Gesamtflüssigkeitszufuhr älterer Personen in der Regel 30 ml/kg Körpergewicht und Tag betragen.

Dehydratation – oder auch Exsikkose – ist auf eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme und/oder übermäßige Flüssigkeitsverluste zurückzuführen. Bei älteren Menschen ist die sogenannte hypertone Dehydratation  am häufigsten, gekennzeichnet durch einen reinen Wassermangel ohne Elektrolytverlust, der zu einer Abnahme der intra- und extrazellulären Flüssigkeit führt. Bei Verdacht auf Dehydratation sollte die Diagnose anhand der Serum-Osmolalität in Zusammenschau mit dem klinischen Gesamtbild geprüft werden. Einzelne diagnostische Zeichen wie Hautturgor und sind als alleiniges Kriterium dagegen nicht ausreichend. 

Therapeutisch sollte primär die orale Flüssigkeitsaufnahme erhöht werden. Nur bei Patienten, die hierzu nicht in der Lage sind, sowie bei schwerer Dehydratation sollte eine intravenöse oder subkutane Flüssigkeitszufuhr erfolgen. Zugleich sollte eine mögliche diuretische Therapie überprüft und ggf. angepasst werden.

Routinescreening auf Malnutrition 

Den größten Raum nehmen Empfehlungen zur Mangelernährung ein. Die Leitlinie empfiehlt ausdrücklich ein Routinescreening für alle älteren Personen (Expertenkonsens, 100 % Zustimmung). Die Diagnose erfolgt anhand der 2019 global verabschiedeten Konsensusdefinition für Malnutrition (Cederholm et al. Clin Nutr 2019; 38(1): 1-9):

  • niedriger Body-Mass-Index (BMI) / Gewichtsverlust / geringe Muskelmasse,
  • geringe Nahrungsaufnahme oder -verwertung / Inflammation.

Basis der Therapie bilden die Beseitigung der Ursachen sowie unterstützende Maßnahmen. Die orale lässt sich durch verschiedene Maßnahmen verbessern: eine angenehme Mahlzeitenumgebung, individuelle Unterstützung und geeignete Hilfsmittel.

Zu den möglichen Ursachen einer Malnutrition gehören einschränkende Diätvorgaben wie eine salz- oder cholesterinarme Kost, die bei geriatrischen Patienten grundsätzlich zu hinterfragen sind, da der Nutzen im Alter gering ist.

Vorrang der oralen Ernährung 

Wenn möglich, sollte die orale Ernährung bevorzugt werden, da sie auch wichtige psychologische und soziale Funktionen erfüllt und für Genuss und sorgen kann. Trinknahrung sollte nur dann zum Einsatz kommen, wenn die übliche Ernährung trotz unterstützender Maßnahmen und Ernährungsberatung nicht ausreicht. Eine enterale oder parenterale Ernährung bleibt älteren Personen vorbehalten, die über mehrere Tage keine bzw. unzureichend Nahrung zu sich nehmen können und bei denen die Prognose insgesamt positiv ist. In der Endphase des Lebens sollte dagegen auf eine enterale oder parenterale Ernährung verzichtet und bedürfnisgerecht orale Nahrung angeboten werden. 

Insgesamt sollten älteren Personen mit Mangelernährung oder Risikofaktoren „individualisierte Ernährungsinterventionen“ angeboten werden (Empfehlungsgrad A, 100 % Zustimmung), wie es bereits die sogenannte EFFORT-Studie nahelegte (doi: 10.1016/S0140-6736(18)32776-4). Hier führte eine angepasste Ernährungsversorgung durch qualifizierte Fachkräfte zu besseren klinischen Ergebnissen einschließlich Lebensqualität.

Quellen:
  1. Volkert, Dorothee (Nürnberg): Ernährung im Alter – die wichtigsten Leitlinien-Empfehlungen. Session „Ernährung im Alter – was ist wichtig?“. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, Wiesbaden, 03.–06.05.2025.
  2. Volkert D et al. S3-Leitlinie Klinische Ernährung und Hydrierung im Alter. Aktuel Ernahrungsmed 2025; 50: 220–283.