Helicobacter pylori: Wann ist ein Screening sinnvoll?

Helicobacter pylori ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für Magenkrebs. In Deutschland spricht dennoch wenig für ein generelles Screening, wohl aber für ein gezieltes Vorgehen bei Risikogruppen.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Helicobacter pylori und Magenkrebs

  • Die Lebenszeitprävalenz für das Magenkarzinom beträgt in Deutschland ca. 1–2 %. 
  • Helicobacter pylori gilt als gesicherter Risikofaktor für die Tumorerkrankung. 
  • Aufgrund der relativ niedrigen Prävalenz spricht wenig für ein generelles Helicobacter-Screening in Deutschland.
  • Vorgeschlagen wird stattdessen ein gezieltes Screening bei Personen mit erhöhtem Risiko, etwa bei erstgradigen Angehörigen von Magenkrebspatienten, nach endoskopisch behandelter Frühneoplasie, bei Risikogastritis sowie bei Menschen aus Hochrisikoregionen oder mit genetischer Prädisposition.

Helicobacter pylori (HP) wird meist schon im Kindesalter erworben und kann über Jahrzehnte im Magen persistieren. Weltweit sind etwa 30 bis 40 % der Bevölkerung infiziert. In Deutschland ist die Prävalenz zwar vergleichsweise niedrig, klinisch relevant bleibt das Bakterium dennoch: Es gilt als wichtigster vermeidbarer Risikofaktor für das Magenkarzinom.

Auch wenn das Magenkarzinom hierzulande seltener geworden ist, bleibt es eine relevante Erkrankung. Die Lebenszeitprävalenz liegt in Deutschland bei etwa 1 bis 2 %. Weltweit zählt es weiterhin zu den häufigen tumorbedingten Todesursachen.

Vom Keim zum Karzinom

Warum HP zur Karzinogenese beitragen kann, zeigt sich vor allem an den typischen histologischen Veränderungen, die eine langfristige Infektion im Magen nach sich ziehen kann: Die bakterielle Besiedlung führt in der Regel zu einer chronischen Gastritis, oft ohne Beschwerden. Bei einem Teil der Betroffenen schreitet die Schleimhautveränderung weiter fort und kann über atrophische Gastritis, intestinale Metaplasie und Dysplasie in ein Adenokarzinom münden.

Dass HP nicht nur mit Magenkrebs assoziiert ist, sondern kausal dazu beiträgt, zeigen Eradikationsstudien: Wird die Infektion behandelt, sinkt das Magenkrebsrisiko signifikant. Damit stellt sich die Frage, für welche Personen eine gezielte Testung sinnvoll ist.

Screening bei Risikopersonen

Ein populationsweites Screening ist hierzulande derzeit nicht empfohlen. Dafür sind Prävalenz und absolutes Risiko in der Gesamtbevölkerung zu niedrig. Plausibler ist ein risikoadaptiertes Vorgehen mit gezielter Testung und Eradikation bei besonders gefährdeten Gruppen.

An ein Screening sollte vor allem bei folgenden Personen gedacht werden:

  • Erstgradige Angehörige von Patienten mit Magenkarzinom: Für diese Gruppe ist eine erhöhte Gefährdung gut belegt.
  • Personen nach früher Magenneoplasie: Nach Frühkarzinom oder Adenom kann eine HP-Eradikation das Risiko metachroner Tumoren senken.
  • Menschen aus Hochrisikoregionen: Dazu zählen etwa Personen aus Ostasien, Russland, der Ukraine, Teilen Südamerikas oder Portugal.
  • „Risikogastritis“: Zu den Befunden mit erhöhter Gefahr zählen vor allem korpusdominante Gastritis, Pangastritis, atrophische Gastritis, multifokale Atrophie sowie OLGA-/OLGIM-Stadien III oder IV. Voraussetzung für diese Einordnung ist eine standardisierte Biopsieentnahme aus Antrum und Korpus sowie eine strukturierte pathologische Bewertung.
  • Personen mit erblichen Tumorsyndromen: Hierzu zählen etwa HDGC, Lynch-Syndrom, FAP, Peutz-Jeghers-Syndrom oder Li-Fraumeni-Syndrom.

Relevant ist auch die familiäre Komponente: Rund 10 % der Magenkarzinome zeigen eine familiäre Häufung, genetisch erklärt ist bislang jedoch nur ein kleinerer Teil. Ein erheblicher Anteil der Risikokonstellationen ist damit biologisch noch nicht ausreichend verstanden.

Wann ist ein endoskopisches Follow-up sinnvoll?

Neben der Frage, welche Personen als Risikogruppe infrage kommen, ging es auch darum, bei welchen histologischen Befunden eine endoskopische Überwachung sinnvoll ist. Denn nicht jede intestinale Metaplasie erfordert automatisch ein Follow-up. Entscheidend sind vielmehr Ausdehnung, Lokalisation und zusätzliche Risikofaktoren. Als Orientierung gilt:

  • keine routinemäßige Überwachung bei auf das Antrum begrenzter intestinaler Metaplasie ohne weitere Risikofaktoren
  • Endoskopie etwa alle drei Jahre bei ausgedehnter Atrophie oder intestinaler Metaplasie beziehungsweise bei OLGA-/OLGIM-Stadium III/IV
  • individuelle Entscheidung bei begrenzter intestinaler Metaplasie und zusätzlichen Risikofaktoren, etwa positiver Familienanamnese, inkompletter Metaplasie oder persistierender HP-Infektion nach erfolgloser Eradikation

Fazit

In Deutschland spricht derzeit wenig für ein generelles Helicobacter-Screening, wohl aber für ein gezieltes, risikoadaptiertes Vorgehen. Entscheidend ist, die Patientengruppen zu identifizieren, die von Testung, Eradikation und strukturierter Nachsorge tatsächlich profitieren. Nötig sind damit vor allem personalisierte Strategien der Magenkrebsprävention. Weitere Forschung ist nötig, um individuelle Risikokonstellationen besser zu verstehen – sowohl genetische Prädispositionen als auch Umweltfaktoren.

Quelle:
  1. Sigal, Michael (Berlin). Vortrag: Helicobacter pylori und Prävention des Magenkarzinoms. Sitzung: Prävention in der Gastroenterologie. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2026, Wiesbaden, 20.04.2026.