Morbus Crohn: Kann Vollwertkost die Trinknahrung ersetzen?

Über Wochen nur Trinknahrung, für viele Betroffene kaum durchzuhalten. Die TASTI-MM-Studie prüfte bei Kindern und jungen Erwachsenen mit Morbus Crohn, ob eine strenge Vollwertdiät dasselbe leistet.

Das Wichtigste auf einen Blick zur Tasty&Healthy-Diät bei Morbus Crohn

  • Die Tasty&Healthy-Diät (T&H) wurde deutlich besser vertragen: 88 % schlossen die acht Wochen mit guter Adhärenz ab, unter ausschließlicher enteraler Ernährung (EEN) waren es 52 %.
  • Bei klinischer Remission und Entzündungsparametern zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
  • Unter T&H fand sich ein vielfältigeres und günstiger bewertetes Mikrobiom als unter EEN.

In die multizentrische, randomisierte Studie wurden an 17 internationalen Zentren Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 6 bis 25 Jahren eingeschlossen. Alle hatten einen mild bis moderat aktiven, unkomplizierten Morbus Crohn und waren biologikanaiv; die Erkrankungsdauer lag im Median bei einem Monat. Ausgeschlossen wurden unter anderem stenotische oder intern penetrierende Verläufe, vorausgegangene Darmresektionen sowie eine Steroid- oder Ernährungstherapie im Vormonat. Ausgewertet wurden 83 Erkrankte: 41 erhielten T&H, 42 eine EEN. Das mittlere Alter lag bei 14,5 Jahren, 86 % der Teilnehmenden waren jünger als 18 Jahre.

Die Auswertung erfolgte nach einem modifizierten Intention-to-treat-Ansatz, in den alle randomisierten Personen eingingen, die mindestens 24 Stunden der Intervention absolviert hatten. Primärer Endpunkt war die Verträglichkeit, definiert als Abschluss der acht Wochen mit guter Adhärenz. Die Wirksamkeit wurde als wichtiger sekundärer Endpunkt erfasst, über symptomatische Remission, fäkales Calprotectin, C-reaktives Protein, Blutsenkungsgeschwindigkeit und den MINI-Index, einen kombinierten nicht invasiven Entzündungsindex. Zusätzlich wurden Lebensqualität, Gewichtsentwicklung, Zufriedenheit mit der Ernährung, unerwünschte Ereignisse und Veränderungen des Mikrobioms untersucht.

Bessere Verträglichkeit unter der Vollwertkost

Der deutlichste Unterschied zeigte sich beim primären Endpunkt: Unter T&H hielten 88 % der Erkrankten die Ernährungsvorgaben bis Woche 8 ein, unter EEN waren es 52 %. In der EEN-Gruppe wurden 20 von 42 Personen (48 %) als intolerant eingestuft; sie alle brachen die Intervention vorzeitig ab, weil sie diese nicht weiter einhalten konnten oder wollten. In der T&H-Gruppe traf das auf 5 von 41 Personen (12 %) zu, von denen eine die Studie verließ und vier die acht Wochen mit geringer Adhärenz abschlossen.

Auch die Zufriedenheit mit der Ernährung sprach zugunsten der Vollwertkost. Unter denjenigen, die die Intervention abschlossen, berichteten 24 von 35 Personen (69 %) in der T&H-Gruppe eine hohe oder sehr hohe Zufriedenheit, verglichen mit 4 von 17 (24 %) unter EEN.

Ähnliche Effekte auf Remission und Entzündungsaktivität

Bei den Wirksamkeitsendpunkten lagen die Gruppen näher beieinander. Eine symptomatische Remission nach acht Wochen erreichten in der Intention-to-treat-Analyse 56 % unter T&H und 38 % unter EEN; der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Betrachtet man nur diejenigen, die die acht Wochen tatsächlich abschlossen, kehrt sich das Verhältnis um: 66 % unter T&H gegenüber 76 % unter EEN, ebenfalls ohne Signifikanz. Das Studienteam führt das darauf zurück, dass fehlende Werte in der Intention-to-treat-Analyse fortgeschrieben wurden und Abbrüche in der EEN-Gruppe ungleich häufiger waren. Der Vorteil der Vollwertkost liegt damit in der Verträglichkeit, nicht in einer überlegenen Wirksamkeit.

Auch bei den Entzündungsparametern unterschieden sich die Ernährungsformen nicht signifikant. Fäkales Calprotectin, C-reaktives Protein und Blutsenkungsgeschwindigkeit gingen in beiden Gruppen im Verlauf deutlich zurück. Einen Calprotectinwert unter 250 µg/g als Zeichen reduzierter intestinaler Entzündungsaktivität erreichten nach acht Wochen 34 % unter T&H und 33 % unter EEN, einen MINI-Index unter 8 Punkten 44 % beziehungsweise 31 %.

Keine Unterschiede bei Lebensqualität und Gewicht

Die Lebensqualität verbesserte sich in beiden Gruppen, ohne signifikanten Unterschied zwischen den Ernährungsformen. Auch beim Gewichts-z-Score zeigte sich nach acht Wochen kein Unterschied. Drei milde unerwünschte Ereignisse wurden dokumentiert: Übelkeit und Schwindel unter EEN sowie Obstipation unter T&H.

Mikrobiom: größere Vielfalt unter Tasty&Healthy

Unter T&H zeigte sich nach vier und acht Wochen eine höhere mikrobielle Diversität als unter EEN. Zudem unterschied sich die Häufigkeit einzelner Bakterienarten zwischen den Gruppen: Zwei mit Darmentzündung assoziierte Ruminococcus-Spezies, Ruminococcus gnavus und Ruminococcus torques, waren nach der Intervention unter EEN stärker vertreten. Unter T&H fanden sich dagegen höhere Anteile von Faecalibacterium prausnitzii und Bacteroides uniformis, die mit intestinaler Gesundheit beziehungsweise Heilung in Verbindung gebracht werden.

Die Tasty&Healthy-Diät verzichtet unter anderem auf industriell stark verarbeitete Lebensmittel. Dass deren gesundheitliche Bewertung differenzierter ausfällt als häufig angenommen, zeigt eine Übersichtsarbeit zur NOVA-Klassifikation.

Fazit für die Praxis

Bei mildem bis moderatem, unkompliziertem Morbus Crohn wurde die Tasty&Healthy-Diät in der TASTI-MM-Studie deutlich häufiger über acht Wochen eingehalten als eine ausschließliche enterale Ernährung. Bei klinischer Remission und Entzündungsparametern zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.

Diese Wirksamkeitsdaten sind ermutigend, sollten aber nicht als Beweis für Gleichwertigkeit gelesen werden. Die Studie war primär darauf ausgelegt, die Verträglichkeit zu prüfen; für einen formalen Nachweis, dass Tasty&Healthy der ausschließlichen enteralen Ernährung nicht unterlegen ist, wäre eine größere Nichtunterlegenheitsstudie nötig gewesen. Hinzu kommt, dass endoskopische Endpunkte nicht erhoben wurden, eine Mukosaheilung also nicht beurteilt werden kann. Für schwere oder komplizierte Verläufe lässt sich aus den Daten ebenfalls keine Aussage ableiten, da solche Erkrankten nicht eingeschlossen waren.

Quelle
  1. Aharoni-Frutkoff Y, Plotkin L, Pollak D, et al. Whole Food Diet Induces Remission in Children and Young Adults With Mild to Moderate Crohn’s Disease and Is More Tolerable Than Exclusive Enteral Nutrition: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterology. 2025;169(7):1462-1474.e2. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2025.06.011 (letzter Zugriff: 12.09.2026).