Tasty & Healthy-Diät: Alternative zur enteralen Ernährung bei Morbus Crohn?

Hochkonzentrierte Trinknahrung ohne feste Kost über mehrere Wochen hinweg: So sieht das aktuell empfohlene Therapieregime bei Kindern und Jugendlichen mit Morbus Crohn aus. Doch es könnte auch schmackhafter gehen.

Tasty & Healthy zur Therapie bei Morbus Crohn:

  • Tasty & Healthy (T&H) ist eine Vollwertkost-Diät, die speziell für Patienten mit Morbus Crohn entwickelt und erstmals 2019 in einem Kochbuch veröffentlicht wurde.
  • Die Diät enthält entzündungshemmende Nahrungsmittel, die zugleich schmackhaft sind, und lässt sich gut in den Alltag integrieren.
  • T&H besteht vorwiegend aus frischen Obst- und Gemüsesorten, fettreichem Fisch und Vollkornprodukten. Stark verarbeitete Produkte, Gluten, rotes Fleisch und Milchprodukte sollen vermieden werden.
  • Im Gegensatz zu anderen Diäten bei Morbus Crohn erfordert T&H weder eine Formel noch obligatorische Komponenten und bietet damit eine größere Flexibilität bei der Ernährung.

Exklusive enterale Ernährung: wirksam, aber wenig attraktiv

Exklusive enterale Ernährung (EEN) ist zwar wirksam, aber bei jungen Patienten mit Morbus Crohn dennoch nicht besonders beliebt. Das liegt vor allem an der Formulierung als reine Trink- oder Sondennahrung sowie an der geringen Schmackhaftigkeit. Mehrere Wochen ohne feste Nahrung stellt die Therapietreue auf eine harte Probe; entsprechend hoch ist die Abbruchquote.

Forscher der Hebrew University of Jerusalem haben nun untersucht, ob es eine attraktivere Alternative dazu geben könnte, die vergleichbar gut wirkt. In ihre prospektive, randomisiert-kontrollierte Studie nahmen sie 83 Patienten aus 17 internationalen Zentren mit leichtem bis mittelschwerem Morbus Crohn im Alter von 6 bis 25 Jahren auf. Sie wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und entweder der T&H- oder der EEN-Gruppe zugewiesen.

Während der achtwöchigen Behandlung wurde die Verträglichkeit anhand von Interviews, Fragebögen und Ernährungstagebüchern bewertet. Die Remission wurde sowohl klinisch als auch laborchemisch bestimmt. Schließlich wurde das fäkale Mikrobiom in regelmäßigen Abständen mittels Metagenomik analysiert.

T&H besser verträglich als EEN

Ein Großteil der Patienten, die T&H erhielten, vertrug die Diät. Mit 88 % waren es sogar deutlich mehr als bei der EEN, die nur 52 % der Teilnehmer vertrugen. Leichte Nebenwirkungen, die möglicherweise mit der Intervention in Zusammenhang standen, wurden nur von drei Studienteilnehmern angegeben: Zwei aus der EEN-Gruppe berichteten über Schwindel und Übelkeit, einer aus der T&H-Gruppe klagte über Verstopfung.

Auch hinsichtlich der klinischen Wirksamkeit war die Vollwertkost-Diät überlegen: Eine symptomatische Remission wurde bei 56 % der T&H-Gruppe gegenüber 38 % der EEN-Gruppe erreicht. Die Laborparameter Calprotectin, C-reaktives Protein und Blutsenkungsgeschwindigkeit nahmen in beiden Gruppen signifikant ab, ohne nennenswerte Unterschiede.

Die Diversität des Mikrobioms verbesserte sich in der T&H-Gruppe. Zudem nahmen Arten, die mit Darmentzündungen in Verbindung stehen, ab. Im Gegensatz dazu sank die Vielfalt an förderlichen Mikroorganismen in der EEN-Gruppe, schädliche Spezies nahmen hingegen zu.

Präventives Potenzial von T&H

Die Autoren betonen, dass die Kohorte ausschließlich Patienten mit leichter bis mäßiger Krankheitsaktivität umfasste. Schwere oder komplizierte Erkrankungen sollten daher weiterhin mit EEN behandelt werden, wenn eine Ernährungsbehandlung in Betracht gezogen wird.

Für alle anderen betroffenen Kinder und Jugendlichen mit Morbus Crohn könnte die Tasty & Healthy-Diät allerdings eine praktikable Alternative zur ungeliebten EEN sein. Ob T&H auch zur Prävention von Morbus Crohn bei Risikopersonen dienen könnte, untersucht eine derzeit laufende Studie (ClinicalTrials.gov, Nummer: NCT05211518).