Von Alkohol bis Malignom: Was eine isolierte γ-GT-Erhöhung verrät

Eine erhöhte γ-GT lässt sofort an Alkohol denken. Doch dahinter verbergen sich weit mehr Ursachen, von Medikamenten über eine Cholestase bis zum Malignom. Die Differenzialdiagnostik eines Routine-Biomarkers aus der täglichen Praxis.

Physiologische Funktionen der γ-GT im Überblick 

  • Die γ-Glutamyltransferase (γ-GT) ist an der Regulierung von oxidativem Stress und dem Abbau freier Radikale beteiligt.
  • Das Enzym spaltet das Antioxidans Glutathion und macht das darin enthaltene Cystein für die Zellen verfügbar.
  • Darüber hinaus sorgt es für die Ausschleusung von Fremdstoffen, die in der Zelle von Glutathion gebunden wurden.
  • Zudem ist die γ-GT am Metabolismus von Leukotrienen, Karzinogenen und toxischen Substanzen beteiligt und kann auch prooxidativ und proinflammatorisch wirken.
  • Die im Blut befindliche γ-GT stammt hauptsächlich aus der Leber und tritt bei einer Beeinträchtigung der Zellfunktionen vermehrt ins Blut über.

Die wichtigsten Ursachen einer isolierten γ-GT-Erhöhung

In der klinischen Praxis dient die γ-GT vor allem als Labormarker für Leberschäden und chronischen Alkoholmissbrauch. Zwar geht eine isolierte Erhöhung tatsächlich am häufigsten mit Leber- und Gallenerkrankungen einher, findet sich jedoch in 22–30 % der Fälle auch bei Personen ohne primäre Leber- oder Gallenwegserkrankung. 

Die häufigsten Ursachen einer isolierten γ-GT-Erhöhung sind:

  • Medikamenteneinnahme
  • Alkoholkonsum
  • Cholestase
  • metabolisch dysfunktionsassoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)

Daneben kann der Biomarker auch ein Indikator für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen sein. So gibt es etwa Hinweise darauf, dass erhöhte Werte das Risiko für ein koronares Ereignis ebenso wie für einen Typ-2-Diabetes verdreifachen. Ein metabolisches Syndrom liegt bei einer γ-GT-Erhöhung sogar viermal häufiger vor.

Seltenere Ursachen sind Mutationen, biochemische Varianten (sogenannte Makro-γ-GT) und Malignome wie Leber-, Nieren-, Prostata-, Pankreas- und Mammakarzinome.

Diagnostischer Algorithmus zur Abklärung einer γ-GT-Erhöhung

Dieses breite Spektrum an Differenzialdiagnosen erfordert laut der Labormedizinerin Jasmin Weninger, Knappschaft Kliniken, Universitätsklinikum Bochum, einen diagnostischen Algorithmus, der die gesamte Befundkonstellation berücksichtigt.

Dazu gehören insbesondere:

  • strukturierte Anamnese (Alkohol, Medikamente, Begleiterkrankungen)
  • körperliche Untersuchung (Leberhautzeichen, abnorme Fettverteilung, Hinweise auf endokrine Störungen)
  • Sonographie (Beurteilung der Leberstruktur und Gallenwege, potenzielle Raumforderungen wie Tumoren oder Metastasen)
  • Laborbefunde: neben der γ-GT, Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT), Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT), alkalische Phosphatase (AP), Bilirubin, Cholinesterase (ChE), Albumin, Quick / International Normalized Ratio (INR) und kleines Blutbild als Basislabor.

Wichtig auch: Die Enzymaktivität der γ-GT ist alters- und geschlechtsabhängig und muss daher entsprechend differenziert interpretiert werden. Die Referenzbereiche unterliegen außerdem Einflussfaktoren wie Schwangerschaft, ethnischer Zugehörigkeit, Einnahme oraler Kontrazeptiva und Rauchen. Zu guter Letzt können Normwerte von Labor zu Labor variieren. 

Richtig interpretiert und eingeordnet besitzt die γ-GT ein hohes diagnostisches Potenzial. Hinsichtlich kardiometabolischer Erkrankungen kann sie sogar ein Indikator für die Gesamtmorbidität und -mortalität in der Allgemeinbevölkerung sein. Der Routine-Biomarker kann somit weit mehr als nur einen erhöhten Alkoholkonsum anzeigen.

Quelle:
  1. Weninger J et al., Isolierte γ-GT-Erhöhung – mehr als nur Alkoholkonsum. Gastroenterologie 2025; 20: 138–148.