- Weninger J et al., Isolierte γ-GT-Erhöhung – mehr als nur Alkoholkonsum. Gastroenterologie 2025; 20: 138–148.
In der klinischen Praxis dient die γ-GT vor allem als Labormarker für Leberschäden und chronischen Alkoholmissbrauch. Zwar geht eine isolierte Erhöhung tatsächlich am häufigsten mit Leber- und Gallenerkrankungen einher, findet sich jedoch in 22–30 % der Fälle auch bei Personen ohne primäre Leber- oder Gallenwegserkrankung.
Daneben kann der Biomarker auch ein Indikator für kardiovaskuläre und metabolische Erkrankungen sein. So gibt es etwa Hinweise darauf, dass erhöhte Werte das Risiko für ein koronares Ereignis ebenso wie für einen Typ-2-Diabetes verdreifachen. Ein metabolisches Syndrom liegt bei einer γ-GT-Erhöhung sogar viermal häufiger vor.
Seltenere Ursachen sind Mutationen, biochemische Varianten (sogenannte Makro-γ-GT) und Malignome wie Leber-, Nieren-, Prostata-, Pankreas- und Mammakarzinome.
Dieses breite Spektrum an Differenzialdiagnosen erfordert laut der Labormedizinerin Jasmin Weninger, Knappschaft Kliniken, Universitätsklinikum Bochum, einen diagnostischen Algorithmus, der die gesamte Befundkonstellation berücksichtigt.
Dazu gehören insbesondere:
Wichtig auch: Die Enzymaktivität der γ-GT ist alters- und geschlechtsabhängig und muss daher entsprechend differenziert interpretiert werden. Die Referenzbereiche unterliegen außerdem Einflussfaktoren wie Schwangerschaft, ethnischer Zugehörigkeit, Einnahme oraler Kontrazeptiva und Rauchen. Zu guter Letzt können Normwerte von Labor zu Labor variieren.
Richtig interpretiert und eingeordnet besitzt die γ-GT ein hohes diagnostisches Potenzial. Hinsichtlich kardiometabolischer Erkrankungen kann sie sogar ein Indikator für die Gesamtmorbidität und -mortalität in der Allgemeinbevölkerung sein. Der Routine-Biomarker kann somit weit mehr als nur einen erhöhten Alkoholkonsum anzeigen.