Die Daten, veröffentlicht im Deutschen Ärzteblatt, sind eindeutig: Im Vergleich zur Vorsaison 2023/24 sank die Inzidenz laborbestätigter RSV-Infektionen bei Säuglingen unter einem Jahr um 54 %. Noch relevanter für die Praxis ist der Rückgang der RSV-assoziierten Hospitalisierungen in dieser vulnerablen Altersgruppe um 55 %. Die Zahl der intensivpflichtigen Säuglinge hat sich mehr als halbiert.
Für die Praxis bedeutet dies eine spürbare Entlastung. Die charakteristische saisonale Überlastung der Notaufnahmen und pädiatrischen Stationen durch RSV-assoziierte Bronchiolitiden und Pneumonien zeigt einen deutlichen Rückgang. Trotz anfänglicher Herausforderungen bei Lieferfähigkeit und Kostenübernahme scheint die STIKO-Empfehlung bereits in der ersten Saison eine breite Umsetzung und einen signifikanten Public-Health-Effekt erzielt zu haben.
Während die Krankheitslast bei Säuglingen drastisch sinkt, zeigen die RKI-Daten einen Anstieg der gemeldeten RSV-Fälle bei Erwachsenen. Diese Entwicklung ist wahrscheinlich weniger auf eine tatsächliche Zunahme der Infektionen als auf eine gesteigerte Aufmerksamkeit und eine konsequentere Testung zurückzuführen. Die erfolgreiche Prävention in der Pädiatrie schärft den Blick für die Relevanz des RSV in anderen Altersgruppen.
Dies hat direkte Konsequenzen für die hausärztliche und internistische Praxis. Bei geriatrischen Patienten (>60 Jahre) und Patienten mit kardialen oder pulmonalen Komorbiditäten sowie bei Immunsupprimierten kann eine RSV-Infektion zu schweren Komplikationen wie Pneumonien oder zur Exazerbation der Grunderkrankung führen. Die Differentialdiagnose bei respiratorischen Infekten im Winter sollte bei diesen Risikogruppen das RS-Virus explizit einschließen. Parallel zur passiven Immunisierung der Säuglinge etabliert sich die seit August 2024 ebenfalls von der STIKO empfohlene aktive RSV-Impfung für Personen ab 60 Jahren mit erhöhtem Risiko und generell für alle ab 75 Jahren als wichtige präventive Maßnahme.
Die epidemiologische Landschaft der RSV-Infektionen verändert sich. Die passive Immunisierung hat das Potenzial, schwere RSV-Erkrankungen bei Säuglingen deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig erfordert die wachsende Erkenntnis über die Krankheitslast bei Erwachsenen eine Anpassung der diagnostischen und präventiven Strategien in der Allgemein- und Inneren Medizin. Die RSV-Saison wird uns weiterhin beschäftigen – jedoch mit einem veränderten klinischen Schwerpunkt.