EBV-Reaktivierung könnte für Long-Covid-Symptomatik eine Rolle spielen

Etliche Studien deuten mittlerweile darauf hin, dass viele Long-COVID-Symptome auf eine durch COVID-19 verursachte EBV-Reaktivierung zurückzuführen sein könnten.

Studien regen Test auf Epstein-Barr-Virus bei Long-COVID-Patienten an

Signifikante Häufung von EBV-Reaktivierungen bei Betroffenen mit Long-COVID

Eine der ersten Pilotstudien, über die die DGN (Deutsche Gesellschaft für Neurologie) berichtete, hatte bei 66,7% der von Long-COVID Betroffenen serologische Nachweise einer EBV-Reaktivierung gefunden, das heißt positive Titer für EBV EA-D (early antigen-diffuse)-IgG oder EBV VCA (virales Capsid-Antigen). In der Kontrollkohorte (zurückliegende Coronainfektion, aber kein Long-COVID) waren es dagegen nur 10%.1,2 

Bei Betroffenen mit EBV-Reaktivierung gaben 58,6% Fatigue, 48,3% Schlaflosigkeit, je 44,8% Kopfschmerzen oder Myalgien, 41,4% Verwirrtheit oder "brain fog", 37,9% Schwäche, 31% Hautausschläge, je 24,1% Halsentzündungen, Bauchschmerzen oder Tinnitus, je 13,8% Fieber oder zervikale Lymphknotenschwellungen und 6,9% einen milden bis moderaten Hörverlust an.1,2

EBV-Reaktivierung muss nicht immer mit Virämie einhergehen

Studien an gut definierten post-akuten Kohorten mit COVID-19 über einen längeren Zeitraum sind noch immer begrenzt, aber seit der eben genannten kleineren Arbeit aus dem letzten Jahr konnten weitere Studien diese Häufung bestätigen.

Eine aktuell im Preprint befindliche Untersuchung der Universität San Francisco liefert noch wichtige Ergänzungen.3 In einer Kohorte von 280 Erwachsenen mit vorausgegangener SARS-CoV-2-Infektion waren Long-COVID-Symptome, wie Fatigue und neurokognitive Störungen, vier Monate nach Erstdiagnose unabhängig voneinander mit serologischen Markern einer kürzlichen EBV-Reaktivierung (frühe Antigen-D [EA-D] IgG-Positivität) oder hohen nuklearen Antigen-IgG-Spiegeln assoziiert, nicht aber mit einer anhaltenden EBV-Virämie. Die stärkste Assoziation bestand zwischen EBV-Reaktivierung (EA-D IgG) und Fatigue (OR 2,12). 

Dass eine EBV-Reaktivierung im Gewebe in manchen Fällen ohne nachweisbare zirkulierende DNA im Blut auftritt, ist vorbeschrieben.4 Die fehlende Nachweisbarkeit von EBV selbst im Blut deutet darauf hin, dass eine Reaktivierung wahrscheinlich nur transient ist und während der akuten COVID-19-Erkrankung stattfindet, auch wenn Immunmarker noch länger auffällig sein können.5

In Teil 2 beschäftigen wir uns mit Studiendaten zum Einfluss chronischer CMV-Infektionen auf (Long-)COVID.

Quellen

  1. Long-COVID-Symptome als Folge einer EBV-Reaktivierung? - Deutsche Gesellschaft für Neurologie e. V. Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
  2. Gold, J. E., Okyay, R. A., Licht, W. E. & Hurley, D. J. Investigation of Long COVID Prevalence and Its Relationship to Epstein-Barr Virus Reactivation. Pathogens 10, 763 (2021).
  3. Peluso, M. J. et al. Impact of Pre-Existing Chronic Viral Infection and Reactivation on the Development of Long COVID. 2022.06.21.22276660 Preprint.
  4. Guo, X. et al. Intermittent abortive reactivation of Epstein-Barr virus during the progression of nasopharyngeal cancer as indicated by elevated antibody levels. Oral Oncol 93, 85–90 (2019).
  5. Lapid, N. Epstein-Barr may play a role in some long COVID; coronavirus can impair blood sugar processing by organs. Reuters (2022).

    letzter Zugriff auf Websites: 20.08.22