- Gray SL, Yu O, Gatto NM, et al. Angiotensin II–Stimulating Antihypertensive Medications and Dementia-Related Neuropathology. JAMA Netw Open. 2025;8(2):e2559113. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.59113.
Untersucht wurden Daten von 756 älteren Probanden, bei denen zu Lebzeiten Blutdruckwerte und Daten zur Blutdruckbehandlung vorlagen. Bei ihnen wurde das Gehirn mittels Bildgebung analysiert. Zudem wurden bei 137 Teilnehmenden, die im Verlauf verstarben, Gewebeproben nach dem Tod untersucht. Von der ersten dokumentierten Behandlung bis zum Studienende vergingen im Mittel gut 22 Jahre. Die Frage war, ob die beiden Medikamentengruppen mit unterschiedlichen Hirnveränderungen assoziiert waren – unabhängig davon, wie gut der Blutdruck kontrolliert war.
Dabei ging es nicht nur um Alzheimer-typische Veränderungen, sondern auch um Gefäßschäden im Gehirn und weitere demenzrelevante Befunde wie etwa Lewy-Körperchen. In einem Teil der Proben wurden zusätzlich die Alzheimer-relevanten Biomarker Amyloid-β42 und phosphoryliertes Tau quantitativ bestimmt.
Der deutlichste Unterschied zwischen den beiden Gruppen zeigte sich bei der Arteriolosklerose kleiner Hirngefäße. Hier waren die angiotensin-II-stimulierenden Blutdrucksenker mit einem geringeren Risiko assoziiert als die hemmenden:
Für andere Gefäßschäden im Gehirn ergaben sich dagegen keine klaren Unterschiede. Das galt für größere und kleinere Hirninfarkte ebenso wie für atherosklerotische Veränderungen größerer Hirngefäße. Auch bei Alzheimer-typischen Veränderungen wie Ausmaß und Verteilung von Amyloidablagerungen, Plaques und Neurofibrillen zeigte sich zwar eine Tendenz zugunsten der stimulierenden Medikamente, statistisch signifikant war sie aber nicht. Gleiches galt für andere demenzrelevante Befunde wie Lewy-Körperchen und LATE, eine altersassoziierte TDP-43-Erkrankung.
Auch bei einem zweiten Aspekt unterschieden sich die beiden Gruppen: Unter den angiotensin-II-stimulierenden Blutdrucksenkern fand sich in mehreren Hirnregionen weniger phosphoryliertes Tau, unter anderem im Temporallappen, im Hippocampus und im transentorhinalen Kortex. Beim Amyloid-β42 zeigten sich dagegen keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Die Studie spricht dafür, dass Sartane und Dihydropyridin-Calciumantagonisten im Vergleich zu ACE-Inhibitoren, Betablockern und Nicht-Dihydropyridin-Calciumantagonisten mit günstigeren demenzrelevanten Hirnveränderungen assoziiert sein könnten. Für die Praxis reicht dies aber noch nicht aus, um bestimmte Wirkstoffklassen gezielt zu bevorzugen oder zu meiden. Dafür braucht es weitere Daten. Denn die Arbeit liefert zwar wertvolle Hinweise, hat aber klare Grenzen: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, viele Teilnehmer hatten im Verlauf beide Medikamentengruppen erhalten, und zudem wurde bei den zahlreichen Endpunkten keine Korrektur für multiples Testen vorgenommen. Kausale Schlüsse lassen sich daraus daher nicht ableiten.