Das Wichtigste auf einen Blick zu Sport gegen Chemobrain
- Geprüft wurde ein 6-wöchiges Bewegungsprogramm während der Chemotherapie: tägliches Gehen plus Übungen mit Widerstandsbändern.
- Das Sportprogramm konnte die Zunahme kognitiver Beschwerden und mentaler Fatigue während der Chemotherapie abschwächen.
- Der deutlichste Effekt zeigte sich bei Patientinnen und Patienten mit 2-wöchigem Chemotherapiezyklus.
Die randomisierte, multizentrische Phase-III-Studie prüfte das Programm „Exercise for Cancer Patients“ (EXCAP) im Vergleich zur Standardversorgung ohne zusätzliche körperliche Betätigung. Eingeschlossen wurden 687 erwachsene, chemotherapienaive Krebspatienten aus 20 onkologischen Zentren in den USA. Die meisten waren Frauen, der Großteil hatte ein Mammakarzinom.
Kognitive Beschwerden wurden über Selbstauskünfte der Teilnehmenden mit dem FACT-Cog erfasst, mentale Fatigue mit der entsprechenden Subskala des Multidimensional Fatigue Symptom Inventory.
Sportprogramm: Regelmäßiges Gehen und Kraftübungen
Die Intervention begann am Tag der ersten Chemotherapie. Die Patienten der EXCAP-Gruppe sollten über 6 Wochen täglich ein individuell festgelegtes Gehziel erreichen und zusätzlich Übungen mit Widerstandsbändern durchführen. Die Schrittziele orientierten sich an der vor Studienbeginn gemessenen Ausgangsschrittzahl und wurden wöchentlich gesteigert. Auch das Krafttraining startete mit niedriger bis moderater Belastung und wurde im Verlauf schrittweise angepasst – zunächst über mehr Wiederholungen und Sätze, später über stärkere Widerstandsbänder.
Kognition: Vorteil vor allem bei 2-Wochen-Zyklen
Obwohl sich die kognitiven Werte aller Gruppen während der Chemotherapie insgesamt verschlechterten, zeigte sich in einer Subgruppe ein signifikanter Vorteil des Bewegungsprogramms: Patienten mit 2-wöchigem Chemotherapiezyklus schnitten nach 6 Interventionswochen im EXCAP-Arm besser ab als unter üblicher Versorgung. Dies betraf den Gesamtwert der kognitiven Funktion (mittlere Differenz 7,0 Punkte auf einer 132-Punkte-Skala; p = 0,04), die subjektiv wahrgenommenen kognitiven Beschwerden (mittlere Differenz 4,1; p = 0,05) sowie die von anderen Personen bemerkten kognitiven Schwierigkeiten (mittlere Differenz 0,6; p = 0,02). Bei 3- oder 4-wöchigen Chemotherapiezyklen ließ sich kein signifikanter Vorteil des Bewegungsprogramms nachweisen.
Mentale Fatigue nahm unter dem Bewegungsprogramm weniger zu
Zu Beginn der Chemotherapie bestand bereits eine gewisse mentale Erschöpfung bei den Teilnehmern. Über die gesamte Studienpopulation hinweg nahm diese im Verlauf der 6 Wochen zu, allerdings unter dem Bewegungsprogramm weniger stark als unter der Standardversorgung: Im EXCAP-Arm stieg der Wert um 0,6 Punkte, in der Kontrollgruppe um 1,3 Punkte.
Besonders deutlich zeigte sich der Effekt erneut bei Patienten mit 2-wöchigem Chemotherapiezyklus. In dieser Subgruppe blieb die mentale Fatigue unter dem Bewegungsprogramm im Wesentlichen auf dem Ausgangsniveau, während sie in der Kontrollgruppe deutlich zunahm. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen betrug am Studienende −1,6 Punkte und war signifikant.
Warum gerade Patienten mit 2-wöchigem Chemotherapiezyklus sowohl bei der kognitiven Symptomatik als auch bei mentaler Fatigue stärker profitierten, bleibt offen. Die Autoren vermuten unter anderem, dass Betroffene mit längeren Chemotherapiezyklen andere Toxizitätsmuster aufweisen oder die längeren Pausen zwischen den Behandlungen dazu führten, dass die Trainingsvorgaben im Alltag weniger konsequent umgesetzt wurden.
Alltagsaktivität blieb erhalten – Akzeptanz war hoch
Bemerkenswert ist zudem die Aktivitätsentwicklung nach dem 6-wöchigen Programm: Nach 6 Wochen hatten die Teilnehmenden im EXCAP-Arm ihre tägliche Schrittzahl im Wesentlichen gehalten. In der Kontrollgruppe sank sie dagegen um 53 %.
Das Feedback der Teilnehmenden spricht zudem für eine hohe Akzeptanz: 92 % der Sport-Gruppe gaben nach Studienende an, Bewegung nun positiver zu bewerten. 97 % würden das Programm anderen Patienten während einer Chemotherapie empfehlen, um kognitive Beschwerden im Zusammenhang mit der Krebserkrankung zu reduzieren.
Fazit
Die Studie spricht dafür, Bewegung früh in die supportive Onkologie einzubinden – nicht erst nach Abschluss der Therapie. Geeignet scheint vor allem eine Kombination aus Gehen und Widerstandsübungen in moderater Intensität.
Die Ergebnisse sollten dennoch nicht überinterpretiert werden. Die kognitive Funktion wurde mittels Selbstauskunft erhoben, objektive neuropsychologische Tests fehlten. Zudem war die Studienpopulation überwiegend weiblich und vor allem durch Patientinnen mit Mammakarzinom geprägt, sodass die Übertragbarkeit auf andere onkologische Kollektive begrenzt ist.
- Janelsins MC, Mustian KM, et al. Effects of the Exercise for Cancer Patients (EXCAP) program on cancer-related cognitive impairment: A URCC NCORP multicenter randomized phase III clinical trial. University of Rochester Clinical Trials / URCC NCORP Research Base.