Lipidsenkung: neuer Leitfaden veröffentlicht

Wann sollte bei Patienten mit lipidsenkender Medikation die Therapie intensiviert werden und welche neuen Arzneimittel gibt es? Hier kommt die neue Leitlinie der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft ins Spiel.

Statintherapie: Kombinationen und neue Ansätze im Fokus

Wer profitiert von einer Cholesterinsenkung?

Eine Statintherapie wird meist durchgeführt, um das kardiovaskuläre Risiko, welches mit erhöhten Blutfettwerten einhergeht, zu reduzieren. Studien haben auch nachgewiesen, dass dies für die meisten Menschen zutrifft. Dabei gilt: je höher das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, desto größer der Nutzen. Im Schnitt können Betroffene eine Risikoreduktion um 30% erwarten.

Dabei wird in den meisten Fällen – inklusive derjenigen, die ein erhöhtes kardiovaskuläres Risikoprofil aufweisen, von einer zielwertgerichteten oder intensivierten Dosis abgeraten. Eine erhöhte Statindosierung reduziert die Wahrscheinlichkeit für ein kardiovaskuläres Ereignis nur geringfügig, geht jedoch mit vermehrten Nebenwirkungen wie einem neu auftretendem Diabetes Typ 2 oder auch Muskelbeschwerden einher. 

Ezetimib: ja oder nein?

Die Kombination von Ezetimib und Statinen kann das Risiko für nichttödliche Myokardinfarkte senken – jedoch auch nur geringfügig. Studien haben gezeigt, dass vor allem Menschen über 75 Jahre und Diabetiker von dieser Kombination profitieren. Dabei wird jedoch die insgesamte Sterblichkeit nicht beeinflusst. Eine individuelle Risikoabschätzung ist daher empfehlenswert. 

Wie steht es um PCSK9-Hemmer?

Erkrankte mit symptomatischen kardiovaskulären Erkrankungen profitieren am ehesten aus der Kombination der Inhibitoren und Statinen. Dennoch gilt auch hier: der Vorteil ist eher gering. Am ehesten ist die gleichzeitige Gabe von PCSK9-Hemmern und Statinen nach einem akuten Koronarsyndrom mit vorteilhaften Outcomes vergesellschaftet. Dennoch legen Studien nahe, dass die Hemmer bei Menschen in Europa und denjenigen mit LDL-Werten unter 100 mg/dl weniger ausgeprägt wirken, so die Experten. Bisher ist darüber hinaus nicht abschließend geklärt, ob PCSK9-Hemmer einen Vorteil bezüglich der Sterblichkeit haben. 

Vorteil durch Bempedoinsäure?

Ob eine Gabe von Bempedoinsäure das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse reduziert, war bei Veröffentlichung der Leitlinie noch unklar. Was jedoch nachgewiesen wurde, ist, dass das die Kombination aus Bempedoinsäure und Statinen das LDL-Cholesterin um bis zu 23% senkt. Doch ist das Arzneimittel kein Wundermittel: Das Risiko für Gicht und renale Erkrankungen sowie Muskelbeschwerden ist hier deutlich erhöht. 

Individuelle Risikoeinschätzung und gezielte Therapieentscheidungen

Dass eine Cholesterinsenkung mit einer Reduktion des kardiovaskulären Risikos einhergeht, ist unumstritten. In den meisten Fällen ist die Standarddosierung ähnlich wirksam wie eine intensivierte Therapie. Die Kombination von Arzneimitteln wie PCSK9-Hemmern, Bempedoinsäure oder auch Ezetimib kann in manchen Fällen sinnvoll sein. In jedem Fall sollte vor Beginn der Therapie eine individualisierte Risikoeinschätzung erfolgen und die Betroffenen entsprechend aufgeklärt werden.
 

Quellen: