Plastik schadet der Gesundheit schon bei der Herstellung

Nicht nur Plastikmüll belastet die Gesundheit. Eine aktuelle Modellstudie zeigt: Der Großteil der weltweiten Krankheitslast entsteht bereits bei der petrochemischen Herstellung aus Öl und Gas.

Das Wichtigste zu den Gesundheitsfolgen von Plastik auf einen Blick

  • Der größte Teil des berechneten Gesundheitsschadens durch Plastik entsteht schon bei der Herstellung von neuem Kunststoff aus Öl und Gas.
  • Wenn sich am bisherigen Kurs nichts ändert, steigt die weltweite gesundheitliche Belastung laut Studie von 2,1 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren im Jahr 2016 auf 4,5 Millionen im Jahr 2040.
  • Bessere Entsorgung und mehr Recycling helfen, bringen aber deutlich weniger als Maßnahmen, die die Herstellung von neuem Plastik senken. 

Die Modellrechnung erfasst den Weg des Kunststoffs von der Förderung fossiler Rohstoffe über Produktion, Transport und Recycling bis zur Entsorgung. Nicht berücksichtigt wurden dabei direkte gesundheitliche Folgen von Chemikalien während der Nutzung von Plastikprodukten sowie Effekte von Mikro- und Nanoplastik, weil dafür laut den Autoren keine ausreichenden Daten vorlagen. 

Nicht der Müllberg ist das Hauptproblem

Das wichtigste Ergebnis der Studie ist: Die gesundheitliche Belastung durch Plastik entsteht zu einem großen Teil schon dann, wenn neuer Kunststoff hergestellt wird – also lange bevor daraus Abfall wird. Für das Jahr 2016 rechneten die Autoren insgesamt mit 2,1 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren. Rund 1,8 Millionen davon – also 82 % – entfielen auf die Produktion von neuem Plastik. An zweiter Stelle stand das offene Verbrennen von Plastikabfällen mit 15 %. 

Bleibt es beim bisherigen Kurs, nimmt diese Belastung weiter deutlich zu: Für 2040 rechnet die Studie mit 4,5 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren weltweit. Damit hätte sich die Belastung gegenüber 2016 mehr als verdoppelt.

Warum fallen Produktion und offene Verbrennung so stark ins Gewicht? 

Die Studie erklärt das mit den Emissionen, die schon ganz am Anfang entstehen: bei der Förderung von Öl und Gas, bei der Herstellung chemischer Ausgangsstoffe und bei der Produktion des Kunststoffs selbst. Dabei werden Treibhausgase, Luftschadstoffe und weitere chemische Stoffe freigesetzt. In der Modellrechnung ging ein großer Teil der verlorenen gesunden Lebensjahre schließlich auf Folgen der Erderwärmung (z. B. Überflutungen, Malaria) und auf Luftverschmutzung (kardiopulmonale Erkrankungen und Lungenkrebs durch Feinstaub) zurück. Hinzu kamen Krankheiten, die mit toxischen chemischen Emissionen in Verbindung gebracht wurden, darunter Krebs und andere nicht übertragbare Erkrankungen. Auch das offene Verbrennen von Plastikabfällen fällt deshalb so stark ins Gewicht, weil dabei ebenfalls gesundheitsschädliche Emissionen entstehen.

Mehr Recycling hilft – aber nicht genug

Interessant ist auch der Vergleich der verschiedenen Zukunftsszenarien, die die Forscher einander gegenüberstellten:

  • Bessere Müllsammlung und Entsorgung allein verringerten die gesamte gesundheitliche Belastung in der Modellrechnung bis 2040 nur um 8 %.
  • Mehr Recycling allein brachte 10 %.
  • Selbst bereits angekündigte Maßnahmen von Politik und Industrie kamen nur auf 4 %.
  • Ein geringerer Plastikeinsatz – teilweise durch den Ersatz von Einwegmaterialien und durch Mehrwegsysteme aus Glas – senkte die Gesundheitsfolgen um 17 %.

Deutlich mehr erreichte ein Ansatz, bei dem all diese Punkte kombiniert werden. In diesem Szenario gingen zwischen 2016 und 2040 rund 21 % weniger gesunde Lebensjahre verloren als ohne grundlegenden Kurswechsel. Für das Jahr 2040 allein lag die Belastung sogar um 43 % niedriger.

Weniger neues Plastik bringt am meisten

Doch auch dieses günstigste Szenario beseitigt die Gesundheitsfolgen nicht. Für 2040 blieben in der Modellrechnung 2,6 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre bestehen. Der Hauptgrund ist, dass auch dann weiterhin wohl große Mengen an neuem Kunststoff produziert werden. Die wichtigste Maßnahme für eine bessere Prognose wäre laut der Studie, die Primärproduktion von Kunststoff zu senken, und zwar ohne Materialersatz. Denn auch Ersatzmaterialien wie beschichtetes und unbeschichtetes Papier sowie Polylactide können ihrerseits neue Emissionen und zusätzliche Gesundheitsbelastungen mit sich bringen.

Fazit

Die Botschaft der Studie ist letztlich einfach: Solange immer weiter große Mengen neuen Plastiks produziert werden, bleiben die gesundheitlichen Belastungen hoch. Erforderlich sind deutliche Einschnitte bei der Primärproduktion von Kunststoff, verbunden mit einem vollständigen Blick auf den gesamten Lebensweg des Materials. Nur so lassen sich Gesundheitsfolgen wirksam begrenzen.

Quelle:
  1. Deeney M, Hamelin L, Vialle C, Yan X, Green R, Yates J, Kadiyala S. Global health burdens of plastics: a lifecycle assessment model from 2016 to 2040. Lancet Planet Health. 2026 Jan;10(1):101406. doi: 10.1016/j.lanplh.2025.101406. Epub 2026 Jan 26. PMID: 41610860; PMCID: PMC12867957.