Im klinischen Alltag sollte in der Hausarztpraxis ein generelles Bevölkerungsscreening auf Schilddrüsenknoten mittels Sonographie und/oder Palpation nicht durchgeführt werden, so Schübel. Auch bei Risikogruppen kann auf ein Screening auf Schilddrüsenknoten verzichtet werden.1
Schübel stellte dem Auditorium die wichtigsten Faktoren für das Vorliegen maligner Schilddrüsenknoten vor, bei denen man in der Hausarztpraxis hellhörig werden sollte. Hierzu zählen:
Sollte sich während der klinischen Untersuchung ein sehr harter und fester Schilddrüsenknoten zeigen, ist dies ein Red Flag, so Schübel. Auch eine schlechte Abgrenzbarkeit eines Schilddrüsenknotens sowie eine cervikale Lymphknotenvergrößerung zählen hierzu. Ein fixierter, nicht verschieblicher Befund lässt die Alarmglocken ebenfalls läuten. Sollte einer dieser Punkte zutreffen, sollten weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden.1
Wenn sich ein Schilddrüsenknoten zeigt, ist es ratsam, den TSH-Wert einmalig zu bestimmen, um ein dekompensiertes autonomes Adenom auszuschließen. Bei einem normalen TSH-Befund sind keine weiteren Laboruntersuchungen notwendig.1
Die Malignitätskriterien für Schilddrüsenknoten umfassen Solidität, Hypoechogenität, eine irreguläre Begrenzung, eine Mikrolobulierung, Mikrokalzifikationen sowie ein Tiefer-als-Breit-Format. Bei der sonographischen Beurteilung ist es empfehlenswert, die sonographischen Kriterien nach der TI-RADS-Klassifikation im Hinterkopf zu haben.
Hierzu zählen u.a. die K-TIRADS-Kriterien: Diese besagen, dass der Verdacht auf Malignität bei 10-70 % liegt, wenn sich ein solider, hypoechogener Knoten ohne weitere hochverdächtige Merkmale oder partiell zystische oder iso-/hyperechogene Knoten mit mind. 1 hochverdächtigen Merkmal zeigt. Solide, hypoechogene Knoten mit ≥ 1 hochverdächtigem Merkmal weisen hingegen einen hohen Malignitätsverdacht von > 70–90 % auf. Ein geringer Malignitätsverdacht von 1,7–10 % liegt vor, bei partiell zystischem Befund, solidem Knoten, Isoechogenität, Hyperechogenität ohne folgende Merkmale:
Von einem Malignitätsverdacht von unter 3 % spricht man bei Zysten, bei teilweise zystischen Knoten mit Kometenschweif-Artefakten sowie bei Spongiformität. Neben diesen K-TIRADS-Kriterien gehören auch die ACR-TIRADS, die EU-TIRADS, die ATA-Richtlinien sowie die Empfehlungen nach Kwak 2011 und Perros 2014 zu den sonographischen Kriterien nach TI-RADS-Klassifikation.1
Für den klinischen Alltag ist die Kwak-Klassifikation empfehlenswert:
Es gibt auch die Möglichkeit, online das Malignitätsrisiko eines Schilddrüsenknotens mit einem Punktesystem nach ACR-TIRADS berechnen zu lassen, so Schübel.1