Schilddrüsenknoten: Wie neue Leitlinien Überdiagnostik in der Hausarztpraxis bremsen

Schilddrüsenknoten gehören längst zum Praxisalltag, doch viele werden überdiagnostiziert. Die auf der DGIM 2026 vorgestellten Leitlinien zeigen Hausärzten, wann Diagnostik wirklich nötig ist.

Prävention von Schilddrüsenknoten in der Hausarztpraxis: Weniger ist mehr

Im klinischen Alltag sollte in der Hausarztpraxis ein generelles Bevölkerungsscreening auf Schilddrüsenknoten mittels Sonographie und/oder Palpation nicht durchgeführt werden, so Schübel. Auch bei Risikogruppen kann auf ein Screening auf Schilddrüsenknoten verzichtet werden.1​

Anamnestisches Vorgehen für das Auffinden maligner Schilddrüsenknoten

Schübel stellte dem Auditorium die wichtigsten Faktoren für das Vorliegen maligner Schilddrüsenknoten vor, bei denen man in der Hausarztpraxis hellhörig werden sollte. Hierzu zählen:

  • Positive Familienanamnese für MEN2 (OR 2,3) oder C-Zellkarzinom
  • Ein Lebensalter < 20 Jahren
  • B-Symptomatik
  • Unklare Heiserkeit seit über 2 Wochen, Dysphagie Husten/Dyspnoe
  • Z.n. Radiatio in halsnahen Bereich und am Hals selbst1

Klinische Red Flags für das Vorhandensein maligner Schilddrüsenknoten

Sollte sich während der klinischen Untersuchung ein sehr harter und fester Schilddrüsenknoten zeigen, ist dies ein Red Flag, so Schübel. Auch eine schlechte Abgrenzbarkeit eines Schilddrüsenknotens sowie eine cervikale Lymphknotenvergrößerung zählen hierzu. Ein fixierter, nicht verschieblicher Befund lässt die Alarmglocken ebenfalls läuten. Sollte einer dieser Punkte zutreffen, sollten weitere diagnostische Schritte eingeleitet werden.1​

Laboruntersuchungen bei Schilddrüsenknoten in der Hausarztpraxis

Wenn sich ein Schilddrüsenknoten zeigt, ist es ratsam, den TSH-Wert einmalig zu bestimmen, um ein dekompensiertes autonomes Adenom auszuschließen. Bei einem normalen TSH-Befund sind keine weiteren Laboruntersuchungen notwendig.1

Sonographie bei Schilddrüsenknoten in der Hausarztpraxis

Die Malignitätskriterien für Schilddrüsenknoten umfassen Solidität, Hypoechogenität, eine irreguläre Begrenzung, eine Mikrolobulierung, Mikrokalzifikationen sowie ein Tiefer-als-Breit-Format. Bei der sonographischen Beurteilung ist es empfehlenswert, die sonographischen Kriterien nach der TI-RADS-Klassifikation im Hinterkopf zu haben.

Hierzu zählen u.a. die K-TIRADS-Kriterien: Diese besagen, dass der Verdacht auf Malignität bei 10-70 % liegt, wenn sich ein solider, hypoechogener Knoten ohne weitere hochverdächtige Merkmale oder partiell zystische oder iso-/hyperechogene Knoten mit mind. 1 hochverdächtigen Merkmal zeigt. Solide, hypoechogene Knoten mit ≥ 1 hochverdächtigem Merkmal weisen hingegen einen hohen Malignitätsverdacht von > 70–90 % auf. Ein geringer Malignitätsverdacht von 1,7–10 % liegt vor, bei partiell zystischem Befund,  solidem Knoten, Isoechogenität, Hyperechogenität ohne folgende Merkmale:

  • Mikrokalzifikationen
  • Tiefer-als-Breit-Format
  • unregelmäßige Begrenzung

Von einem Malignitätsverdacht von unter 3 % spricht man bei Zysten, bei teilweise zystischen Knoten mit Kometenschweif-Artefakten sowie bei Spongiformität. Neben diesen K-TIRADS-Kriterien gehören auch die ACR-TIRADS, die EU-TIRADS, die ATA-Richtlinien sowie die Empfehlungen nach Kwak 2011 und Perros 2014 zu den sonographischen Kriterien nach TI-RADS-Klassifikation.1

Für den klinischen Alltag ist die Kwak-Klassifikation empfehlenswert:

  • Ohne Malignitätsverdacht < 3%: keine suspekten Ultraschall-Merkmale
  • Geringer Malignitätsverdacht 1,7-10 %: 4a: 1 verdächtiges Ultraschall-Merkmal; 4b: 2 verdächtige Ultraschall-Merkmale
  • Erhöhter Malignitätsverdacht 10-70 %: 4c: 3-4 verdächtige Ultraschall-Merkmale
  • Hoher Malignitätsverdacht > 70-90 %: 5 verdächtige Ultraschall-Merkmale

Es gibt auch die Möglichkeit, online das Malignitätsrisiko eines Schilddrüsenknotens mit einem Punktesystem nach ACR-TIRADS berechnen zu lassen, so Schübel.1​

Fazit für die Praxis

  • Problem in der Hausarztpraxis: Überdiagnostik bei Schilddrüsenknoten.
  • Über 90 % der Schilddrüsenknoten sind klinisch unbedeutend.
  • Im klinischen Alltag sollte in der Hausarztpraxis kein generelles Bevölkerungsscreening auf Schilddrüsenknoten mittels Sonographie und/oder Palpation durchgeführt werden.
  • Red flags bei der klinischen Untersuchung beachten für das weitere diagnostische Vorgehen.
  • Initial einmalig TSH-Wert bestimmen bei Schilddrüsenknoten.
  • Bei einem normalen TSH-Befund sind keine weiteren Laboruntersuchungen notwendig.
  • Sonographische Kriterien nach TI-RADS-Klassifikation anwenden – v.a. die Kwak-Klassifikation.