EHEC 2025: Aktuelle Fälle, HUS-Gefahr & ärztliche Praxis

Ein EHEC-Ausbruch mit schweren Verläufen bei Kindern alarmiert Deutschland. Steigende Fallzahlen und hohe HUS-Raten erfordern ein Umdenken in Diagnostik und Therapie.

EHEC-Ausbruch 2025: Steigende Inzidenz und schwere Verläufe erfordern erhöhte Vigilanz

Ein aktueller EHEC-Ausbruch in Mecklenburg-Vorpommern dient als dringliche Mahnung für die ärztliche Gemeinschaft in ganz Deutschland. Mehrere schwerstkranke Kinder, eine hohe Rate an Komplikationen in Form des hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) und Fälle von dialysepflichtigem Nierenversagen verdeutlichen die Virulenz der zirkulierenden Stämme. Da sowohl einheimische als auch Urlaubskinder betroffen sind, ist das Risiko einer überregionalen Ausbreitung real und erfordert Aufmerksamkeit in Klinik und Praxis.

Die epidemiologische Lage in Deutschland zu EHEC

Die Häufung in Mecklenburg-Vorpommern ist keine isolierte Anomalie, sondern fügt sich in ein besorgniserregendes Gesamtbild ein. Mit bereits über 130 gemeldeten EHEC-Fällen in Mecklenburg-Vorpommern bis August 2025, eine dramatische Steigerung gegenüber den 74 Fällen im Gesamtjahr 2024 und nur 30 im Jahr 2023, zeichnet sich ein bundesweiter Trend ab. Bereits 2024 wurde national ein Höchststand an Infektionen registriert. Die aktuelle Entwicklung mit schweren pädiatrischen Verläufen erfordert eine differenzierte Betrachtung. Für die ärztliche Praxis bedeutet dies: Ein Patient mit hämorrhagischer Diarrhoe in Bayern oder NRW kann sich Tage zuvor an der Ostseeküste infiziert haben. Eine detaillierte Reise- und Ernährungsanamnese ist daher unerlässlich.

Konsequenzen für die klinische Praxis

Diese Entwicklung erfordert eine frühere diagnostische Intervention. Bei jeder akuten, insbesondere blutigen Gastroenteritis im Kindesalter ist eine EHEC-Infektion vordringlich abzuklären. Die Indikation zur Stuhldiagnostik ist großzügig zu stellen.

Diagnostik: Der Nachweis der Shigatoxin-Gene (stx1/stx2) mittels PCR bleibt der Goldstandard. Angesichts der schweren Verläufe ist die Differenzierung der Gene klinisch hochrelevant, da stx2-positive Stämme signifikant häufiger mit einem HUS assoziiert sind. Jedes positive Ergebnis unterliegt der namentlichen Meldepflicht gemäß IfSG.

Therapie: Die wichtigste klinische Leitlinie bleibt unverändert und wird durch die aktuellen Fälle unterstrichen: Keine Antibiotika! Die antibiotikainduzierte bakterielle Lyse kann die Toxin-Freisetzung massiv steigern und das HUS-Risiko potenzieren. Die Behandlung beschränkt sich auf eine sorgfältige symptomatische Therapie mit Fokus auf den Volumen- und Elektrolythaushalt. Bei ersten Anzeichen eines HUS (Thrombozytopenie, hämolytische Anämie, steigendes Kreatinin) ist die sofortige Einweisung in eine Klinik mit pädiatrischer-nephrologischer Expertise zwingend erforderlich.