Orale Eisensubstitution bei Kindern mit Nierenerkrankung: Welches Präparat überzeugt?

Liposomales Eisen oder Eisen-Polymaltose? Eine aktuelle Studie bei pädiatrischen CKD-Patienten offenbart überraschende Unterschiede im direkten Duell von Wirksamkeit und gastrointestinaler Verträglichkeit.

Das Wichtigste auf einen Blick zur oralen Eisensubstitution bei Kindern mit chronischer Nierenerkrankung

  • An der Crossover-Studie nahmen 33 Kinder mit chronischer Nierenerkrankung und Eisenmangelanämie teil. Sowohl liposomales Eisen als auch Eisen-Polymaltose verbesserten Blutbild und Eisenparameter.
  • Einen Hämoglobinanstieg um mindestens 1 g/dl erreichten 48 % unter liposomalem Eisen und 51,5 % unter Eisen-Polymaltose.
  • Eisen-Polymaltose zeigte im statistischen Gesamtmodell Vorteile bei Hämoglobin, Transferrinsättigung und löslichem Transferrinrezeptor, verursachte jedoch mehr Nebenwirkungen als liposomales Eisen.

In die Studie gingen 33 Kinder im Alter von 1 bis 15 Jahren ein. Alle hatten eine chronische Nierenerkrankung im Stadium 2 bis 5 und erhielten keine Nierenersatztherapie. Eine Eisenmangelanämie war definiert durch einen altersentsprechend erniedrigten Hämoglobinwert, eine Transferrinsättigung von unter 20 % und einen Ferritinwert von unter 100 ng/ml. Erythropoese-stimulierende Substanzen wurden während der Studie nicht eingesetzt.

Die Kinder erhielten zunächst für drei Monate entweder liposomales Eisen oder Eisen-Polymaltose. Nach einer achtwöchigen Behandlungspause wechselten sie zum jeweils anderen Präparat. Dadurch konnten beide Behandlungen bei denselben Patienten untersucht werden. Bestimmt wurden das Blutbild und Parameter des Eisenhaushalts zu Studienbeginn sowie nach jedem dreimonatigen Behandlungsabschnitt. Zusätzlich erhoben die Autoren Calcium, Phosphat und 25-Hydroxyvitamin D3, um mögliche Veränderungen des Mineralstoffwechsels unter den beiden Eisenpräparaten zu erfassen.

Beide Präparate verbesserten Blutbild und Eisenstatus

Betrachtete man jedes Präparat für sich, stiegen sowohl unter liposomalem Eisen als auch unter Eisen-Polymaltose der Hämoglobinwert, das mittlere Erythrozytenvolumen und der mittlere korpuskuläre Hämoglobingehalt. Auch Serumeisen und Transferrinsättigung nahmen zu. Der lösliche Transferrinrezeptor als Marker des zellulären Eisenbedarfs ging zurück. Ein Anstieg des Hämoglobins um mindestens 1 g/dl zeigte sich unter liposomalem Eisen bei 48 % und unter Eisen-Polymaltose bei 51,5 % der Behandlungen. Die Autoren berichten zudem, dass alle Teilnehmer eine Transferrinsättigung von mehr als 25 % erreichten, unabhängig vom verwendeten Präparat. Verglich man anschließend die Stärke der prozentualen Veränderungen von Hämoglobin, Serumeisen, Transferrinsättigung und löslichem Transferrinrezeptor, zeigte sich zwischen den beiden Präparaten kein signifikanter Unterschied (p > 0,05).

Adjustierte Analyse zeigt Vorteile für Eisen-Polymaltose

Da jedes Kind beide Präparate nacheinander erhielt, werteten die Autoren die Ergebnisse zusätzlich in einem statistischen Gesamtmodell aus. Damit prüften sie, ob die Behandlungsreihenfolge, der Zeitpunkt der Behandlung oder fortbestehende Effekte nach der Auswaschphase die Ergebnisse beeinflussten. Hierbei zeigte sich für keinen dieser Faktoren ein klarer Einfluss. Anschließend verglichen die Autoren die Wirkung der beiden Präparate unter Berücksichtigung dieser möglichen Störfaktoren. Dabei waren der Hämoglobinwert und die Transferrinsättigung unter Eisen-Polymaltose höher als unter liposomalem Eisen. Der lösliche Transferrinrezeptor war niedriger. Beim Serumeisen zeigte sich kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Präparaten. Die Autoren bewerten das Ansprechen unter Eisen-Polymaltose daher als überlegen. Dieser Vorteil zeigte sich allerdings nur im statistischen Gesamtmodell. Bei den direkt verglichenen prozentualen Veränderungen der Eisenparameter bestand dagegen, wie bereits erwähnt, kein deutlicher Unterschied.

Kaum Einfluss auf Mineralstoffwechsel

Zusätzlich untersuchten die Autoren Calcium, Phosphat und 25-Hydroxyvitamin D3 vor und nach den jeweiligen Behandlungsphasen. Calcium und 25-Hydroxyvitamin D3 veränderten sich unter keinem der beiden Präparate. Unter Eisen-Polymaltose sank der mittlere Serum-Phosphatwert in beiden Behandlungssequenzen geringfügig, aber statistisch signifikant. Unter liposomalem Eisen zeigte sich keine klare Veränderung. Ob dieser Unterschied klinisch relevant ist, lässt sich aus der Studie nicht ableiten.

Liposomales Eisen besser verträglich

Auch wenn die Wirksamkeitsanalyse Vorteile für Eisen-Polymaltose zeigte, schnitt liposomales Eisen bei der Verträglichkeit besser ab. Nebenwirkungen traten unter Eisen-Polymaltose deutlich häufiger auf als unter liposomalem Eisen (36 % vs. 9 %). Unter Eisen-Polymaltose wurden vor allem metallischer Geschmack, Obstipation, Sodbrennen, Bauchschmerzen und Erbrechen berichtet. Unter liposomalem Eisen beschränkten sich die Beschwerden auf Sodbrennen und Bauchschmerzen. Alle Nebenwirkungen waren mild und führten nicht zu einem Therapieabbruch.

Fazit

Beide oralen Eisenpräparate verbesserten Blutbild und Eisenstatus bei Kindern mit chronischer Nierenerkrankung und Eisenmangelanämie. Während die Alternative im statistischen Modell leichte Vorteile bei den Laborwerten zeigte, punktete liposomales Eisen dagegen mit deutlich weniger Nebenwirkungen. Die Aussagekraft der Studie ist durch die kleine Teilnehmerzahl, die fehlende Verblindung und die Behandlungsdauer von jeweils drei Monaten begrenzt. Aussagen zur Langzeitwirkung oder zu seltenen Nebenwirkungen sind deshalb nicht möglich.

Quelle
  1. Sawires H, Abd Alazem EA, Atia F et al. Oral liposomal iron vs. oral iron polymaltose in children with chronic kidney disease iron deficiency anemia: a cross-over study. Pediatr Nephrol 41, 1803–1810 (2026). https://doi.org/10.1007/s00467-025-07138-w (letzter Zugriff: 26.10.2026).