Vorhofflimmern: Auch die Nierenfunktion im Blick behalten

Eine große japanische Studie zeigt: Neu aufgetretenes Vorhofflimmern im Erwerbsalter könnte mit einem schnelleren Rückgang der Nierenfunktion verbunden sein.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Vorhofflimmern und Nierenfunktion

  • In die gematchte Analyse gingen 23.510 Personen mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern und 117.550 Personen ohne Vorhofflimmern ein.
  • Nach neu aufgetretenem Vorhofflimmern nahm die eGFR im Verlauf stärker ab als in der Vergleichsgruppe.
  • Auch ein eGFR-Rückgang um mindestens 30 % trat bei Personen mit neuem Vorhofflimmern häufiger auf.
  • War Vorhofflimmern bei einer späteren Untersuchung erneut nachweisbar, fiel der Rückgang der Nierenfunktion ausgeprägter aus.

Die Studie basiert auf Daten der Japan Health Insurance Association, einem großen öffentlichen Krankenversicherer in Japan. Berücksichtigt wurden Erwachsene zwischen 35 und 59 Jahren, die an jährlichen Gesundheitsuntersuchungen teilgenommen hatten.

Neu aufgetretenes Vorhofflimmern wurde entweder im Elektrokardiogramm des nächsten jährlichen Screenings oder anhand einer ambulant dokumentierten Diagnose eines Vorhofflimmerns erfasst. Anschließend wurden Betroffene mit Personen ohne Vorhofflimmern verglichen, die ähnliche Ausgangsmerkmale hatten. Dazu gehörten unter anderem Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Blutdruck, Diabetesstatus, eGFR, Proteinurie, Harnsäure und Raucherstatus.

Insgesamt umfasste die gematchte Kohorte 141.060 Personen. Das mittlere Alter lag bei 49,8 Jahren, rund 82 % waren Männer. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 4,73 Jahre.

Die Nierenfunktion nahm nach Vorhofflimmern schneller ab

Bei Personen mit neu aufgetretenem Vorhofflimmern sank die eGFR im Mittel um 1,23 ml/min/1,73 m² pro Jahr. In der Vergleichsgruppe ohne Vorhofflimmern war der jährliche Rückgang mit 0,94 ml/min/1,73 m² geringer.

Auch der zweite Endpunkt zeigte in dieselbe Richtung: Ein Rückgang der eGFR um mindestens 30 % trat bei Personen mit neuem Vorhofflimmern häufiger auf (HR 2,91; 95%-KI 2,72–3,11; p < 0,001). Nach sieben Jahren betrug die geschätzte Inzidenz 11,0 % in der Gruppe mit Vorhofflimmern und 4,9 % in der Vergleichsgruppe.

Wichtig für die Einordnung: Vor dem Indexzeitpunkt hatte sich die eGFR in beiden Gruppen nahezu gleich entwickelt. Der stärkere Rückgang zeigte sich also erst nach dem neu erkannten Vorhofflimmern. Das untermauert die vermutete Kausalität.

Stärkerer Rückgang bei erneut nachgewiesenem Vorhofflimmern

Die Autoren betrachteten zusätzlich eine Untergruppe, bei der das Vorhofflimmern zunächst im ambulanten Bereich dokumentiert worden war. War Vorhofflimmern bei der nächsten jährlichen Untersuchung erneut im Elektrokardiogramm nachweisbar, nahm die eGFR stärker ab als bei Personen, die wieder im Sinusrhythmus waren. Der jährliche Rückgang lag bei 1,55 gegenüber 1,15 ml/min/1,73 m².

Das ist klinisch interessant, weil es darauf hindeutet, dass nicht nur die Diagnose Vorhofflimmern an sich relevant sein könnte, sondern auch die Persistenz der Arrhythmie. Als mögliche Erklärungen diskutieren die Autoren unter anderem unregelmäßige Druck- und Pulsverhältnisse, eine verminderte Nierendurchblutung, die Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems, venöse Stauung sowie entzündliche Prozesse im Zusammenhang mit späterer Herzinsuffizienz.

Fazit

Die Studie zeigt, dass bei Vorhofflimmern im mittleren Lebensalter auch die Nierenfunktion berücksichtigt werden sollte. Interessant wäre, ob eine frühe Rhythmuskontrolle den Rückgang der Nierenfunktion bremsen könnte. Eine Antwort auf diese Frage kann die vorliegende Studie nicht liefern; sie sollte in künftigen Studien geklärt werden.

Für die Einordnung bleibt wichtig: Es handelt sich um Beobachtungsdaten. Nicht vollständig erfasst wurden unter anderem Blutdruckprofile außerhalb der Untersuchungszeitpunkte, Medikation, Schlafapnoe, die Blutzuckereinstellung bei Personen mit Diabetes und die genaue Dauer des Vorhofflimmerns.

Quelle:
  1. Mori Y, Hirano K, Ikenoue T, Kobayashi A, Yanagita M, Fukuma S. New-Onset Atrial Fibrillation and Accelerated Kidney Function Decline in Working-Age Adults. JAMA Netw Open. 2026;9(5):e2612823. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.12823