- Rösler, Alexander (Hamburg). Vortrag: Management des Delirs. Sitzung: Delir. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) 2025, Wiesbaden, 03.05.2025.
Ein zentrales Konzept ist das Zusammenspiel aus Anfälligkeit und Auslösern: Ältere, multimorbide Patienten benötigen oft nur geringe Reize, um ein zu entwickeln. Jüngere hingegen brauchen starke Auslösefaktoren.
Wichtige Risikofaktoren sind neben einem hohen Lebensalter unter anderem:
Mögliche Auslöser sind:
Auch eine Exsikkose, Elektrolytstörungen, Alkoholentzug und Mangelernährung (z. B. Thiamin-, B12-Mangel) oder übersehene Sinnesdefizite (etwa defekte Brille, fehlendes Hörgerät) können ursächlich sein und sollten behoben werden.
Rösler verwies auf die Studie von Inouye et al. (NEJM), in der durch das gezielte Management von sechs Risikofaktoren – kognitive Einschränkung, Schlafentzug, Immobilität, Seh- und Hörstörungen sowie Dehydratation – die Delirhäufigkeit bei älteren stationären Patienten deutlich gesenkt werden konnte.
Auch Kliniken im deutschsprachigen Raum haben funktionierende Programme etabliert, etwa das „AKTIVER“-Konzept (Stuttgart).
Als wirksam haben sich z. B. erwiesen:
Ramelteon, ein Melatoninrezeptor-Agonist, zeigte in Studien eine signifikante Reduktion von Deliren, ist in Europa jedoch nicht zugelassen. Melatonin selbst wird laut Leitlinie zur Delirprävention nicht empfohlen – trotz einzelner positiver Ergebnisse.
Einige Substanzen werden derzeit als potenzielle Optionen in der Delirprävention diskutiert – auch wenn belastbare Leitlinienempfehlungen bislang fehlen:
Keine belastbare Evidenz gibt es hingegen für den Einsatz von Acetylcholinesterase-Hemmern (z. B. Pyridostigmin) oder niedrig dosierten Antipsychotika.
Im Akutfall gilt die pharmakologische Behandlung als Mittel der Wahl. Die DGN S1-Leitlinie (Stand 2025) empfiehlt je nach Alter und Symptomatik folgende Optionen:
In schweren Fällen mit Indikation zur Zwangsmedikation kann Haloperidol s.c. (0,2–1 mg, max. 4 mg/Tag) wirksam sein.
Nicht empfohlen sind:
Delir ist keine Randerscheinung – sondern tägliche Realität im Klinikalltag. Rösler machte deutlich, dass die wirksamste „Therapie“ eine konsequente Prävention ist – mit einfachen, aber konsequent umgesetzten Mitteln. Ursachen sollten frühzeitig identifiziert und behoben werden. Im Akutfall gilt: Medikamente sparsam und symptomorientiert einsetzen.