Multiple Sklerose bei Frauen im gebärfähigen Alter: Fallzahlen steigen, Krankheitslast sinkt

Eine Studie hat untersucht, wie sich die MS bei 15- bis 49-Jährigen seit 1990 weltweit entwickelt hat. Im Fokus standen nicht nur Fallzahlen, sondern auch Erkrankungsbeginn, regionale Unterschiede und die Prognose bis 2040.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Multipler Sklerose bei Frauen von 15 bis 49 Jahren

Für die Analyse nutzte das Studienteam Daten aus 204 Ländern und Regionen. Ausgewertet wurden Inzidenz, Prävalenz, Mortalität und die Zahl verlorener gesunder Lebensjahre. Neben den absoluten Zahlen berechnete das Studienteam altersstandardisierte Raten, um Länder und Zeiträume besser vergleichen zu können. Außerdem wertete es die Daten nach Altersgruppen, Regionen, Ländern und soziodemografischem Index aus. Der soziodemografische Index, kurz SDI, fasst Einkommen, Bildungsstand und Geburtenrate eines Landes zusammen.

Mehr Multiple-Sklerose-Fälle seit 1990

Zunächst betrachtete das Studienteam die absoluten Zahlen innerhalb der untersuchten Gruppe. Dabei zeigte sich bei drei von vier Kennzahlen ein Anstieg: Weltweit stieg die geschätzte Zahl neuer MS-Fälle bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren von 1990 bis 2021 um 48 %. Die Zahl der Frauen, die mit MS lebten, nahm im selben Zeitraum um 66 % zu. Auch die geschätzten Todesfälle stiegen um 17 %. Bei den verlorenen gesunden Lebensjahren zeigte sich dagegen ein Rückgang um 7 %.

Auch die altersstandardisierten Werte für Mortalität und verlorene gesunde Lebensjahre gingen zurück. Das Studienteam wertet dies als Hinweis auf Verbesserungen in der Versorgung und im Krankheitsmanagement. Inzidenz und Prävalenz veränderten sich altersstandardisiert dagegen nur wenig.

Unterschiede nach Alter und Geburtsjahrgang

Auch innerhalb der Gruppe der 15- bis 49-Jährigen gab es Unterschiede. Das Studienteam teilte die Frauen in Fünfjahresgruppen ein und verglich die einzelnen Altersgruppen miteinander. Die höchste Inzidenz zeigte sich bei den 30- bis 34-Jährigen. Prävalenz, Sterblichkeit und verlorene gesunde Lebensjahre waren dagegen bei den 45- bis 49-Jährigen am höchsten. Damit lagen neue Erkrankungen und die größte Krankheitslast nicht in derselben Altersgruppe.

Zusätzlich untersuchte das Studienteam, ob sich Prävalenz und verlorene gesunde Lebensjahre zwischen verschiedenen Geburtsjahrgängen verändert haben. Bei der Prävalenz zeigte sich in jüngeren Kohorten insgesamt ein rückläufiger Verlauf. Bei den verlorenen gesunden Lebensjahren fielen die jüngere Geburtskohorte (2002 bis 2006) sowie die Gruppe der 20- bis 25-Jährigen durch unerwartet hohe Werte auf, was auf einen früheren Beginn oder aggressivere Verläufe bei jungen Frauen hindeuten könnte.

Deutliche regionale Unterschiede

Die Krankheitslast unterschied sich deutlich zwischen den Regionen und je nach Entwicklungsstand. In Ländern und Regionen mit hohem SDI lagen Inzidenz, Prävalenz, Sterblichkeit und verlorene gesunde Lebensjahre insgesamt höher als in Regionen mit niedrigem SDI. Im Vergleich der Weltregionen zeigte Nordamerika 2021 die höchsten Werte, Ozeanien die niedrigsten.

In Ländern mit einem SDI unter 0,4 wurden kaum MS-Fälle registriert. Ab einem SDI von etwa 0,4 stiegen die erfassten Werte deutlich an. Das liegt vor allem daran, dass in entwickelteren Gesundheitssystemen besser diagnostiziert wird. Das Studienteam weist aber darauf hin, dass solche Unterschiede vorsichtig eingeordnet werden müssen: In Ländern mit weniger vollständiger Diagnostik und Erfassung kann die tatsächliche MS-Last höher sein, als es die Daten vermuten lassen. Niedrigere Zahlen bedeuten deshalb nicht automatisch, dass die tatsächliche Belastung dort entsprechend niedriger ist.

Was bis 2040 zu erwarten ist

Für die Entwicklung bis 2040 berechnete das Studienteam Prognosen auf Basis der Daten von 1990 bis 2021: Die altersstandardisierte Rate verlorener gesunder Lebensjahre ging in den Berechnungen weiter zurück. Für Inzidenz und Sterblichkeit zeigten die Modelle eher stabile bis leicht rückläufige Verläufe. Die altersstandardisierte Prävalenz blieb weitgehend stabil; in einem Modell erreichte sie nach 2030 ein Plateau.

Fazit

Die Analyse zeigt: Bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren nimmt die Zahl der geschätzten MS-Fälle weltweit seit 1990 zu. Gleichzeitig sinken die altersstandardisierte Sterblichkeit und die Rate verlorener gesunder Lebensjahre. Einige Altersgruppen fielen besonders auf: Bei den 30- bis 34-Jährigen wurde die höchste Inzidenz nachgewiesen, bei den 45- bis 49-Jährigen die höchste Krankheitslast.

Das Studienteam nennt mehrere Limitationen. Viele Ergebnisse beruhen auf Modellschätzungen, die durch Datenlücken und Annahmen der Modelle beeinflusst sein können. In Ländern mit unvollständigen Gesundheitsdaten kann die tatsächliche MS-Last unterschätzt werden. Auch die Prognosen bis 2040 sind deshalb mit Unsicherheit verbunden, denn künftige Entwicklungen wie neue Therapien oder wirtschaftliche Veränderungen lassen sich in solchen Modellen nicht sicher vorhersagen.

Quelle
  1. Cai Z, Dong F, Fan J, Chang Y, Ma J, Wang D, Yi W, Cai Z and Cao L. The epidemiological trends of multiple sclerosis among women of child-bearing age: a global analysis from 1990 to 2021 and forecasts to 2040. Front Immunol. 2026;17:1677178. https://doi.org/10.3389/fimmu.2026.1677178 (letzter Zugriff: 21.09.2026).