Nüchtern ins neue Jahr: Die überraschenden Effekte des „Dry January“

Der „Dry January“ wurde 2013/2014 von „Alcohol Change UK“ initiiert und hat sich zu einer weltweiten Gesundheitsbewegung entwickelt. Studien belegen die gesundheitlichen Vorteile des temporären Alkoholverzichts.

Woher stammt die „Dry January”- Bewegung?

Ziel der Kampagne „Dry January“ war es, eine gesellschaftliche Diskussion über Alkoholkonsum anzustoßen und Menschen dazu zu bewegen, ihr Trinkverhalten zu reflektieren. Die einmonatige Abstinenz sollte zugleich Impulse für eine nachhaltige Verhaltensänderung geben.1

Positive Ergebnisse des „Dry January” aus London

Teilnehmer der „Dry January”-Bewegung berichteten in Untersuchungen des Royal Free Hospital in London von gleich mehreren positiven Effekten: Die Vorteile des „Dry January” reichten von erholsamem Schlaf, mehr Energie bis hin zu einem verbesserten Erscheinungsbild von und Haaren. Zudem spielt die finanzielle Ersparnis eine Rolle. Die am Royal Free Hospital in London durchgeführte Studie an moderaten Trinkern (empfohlene Grenzwerte wurden beim Alkoholkonsum eingehalten) ging noch mit weiteren positiven physiologischen Auswirkungen des „Dry January“ einher: 

Seitdem erfreut sich die Alkoholabstinenz-Challenge „Dry January“ in Großbritannien weiterhin wachsender Beliebtheit.8

Wachsendes Bewusstsein über das eigene Trinkverhalten 

In den letzten Jahren seit dem Start der „Dry January“-Kampagne sind verschiedene Studien zum gesundheitlichen Benefit des „Dry January“ durchgeführt worden. Im Jahr 2020 wurde eine prospektive Kohortenstudie mit insgesamt 1192 Teilnehmern des „Dry January“ veröffentlicht, bei denen mittels Online-Fragebögen verschiedene Parameter erfasst wurden. Hierzu zählten:

Verbesserung alkoholbezogener Probleme moderater Trinker durch den „Dry January“  

Die Ergebnisse der Teilnehmer des „Dry January“ wurden mit 1549 erwachsenen Trinkern verglichen, die im Januar nicht versucht hatten, auf zu verzichten. Bei den Teilnehmern des „Dry January” zeigten sich positiven Veränderungen in Bezug auf Gesundheit, WEMWBS, DRSE und AUDIT-C. Diese traten bei den erwachsenen Trinkern, die nicht am „Dry January” teilgenommen hatten nicht auf. Im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung wiesen die Teilnehmer des „Dry January” einen höheren sozioökonomischen Status, ein schlechteres Wohlbefinden, höhere AUDIT-C-Werte sowie weniger Kontrolle über ihren Alkoholkonsum auf.8

Wie bekannt ist der „Dry January” in der französischen Bevölkerung?

Zwischen dem 8. und 17. Januar 2024 wurde eine repräsentative Online-Querschnittsbefragung unter 5.000 französischsprachigen Erwachsenen durchgeführt. Von den 4.075 Personen, die im vergangenen Jahr Alkohol konsumiert hatten, kannten 61 % die Kampagne „Dry January“. Insgesamt nahmen 12 % der Alkoholkonsumierenden dieser Stichprobe am „Dry January“ teil.

Die Ergebnisse zeigen, dass Kampagnen zur zeitlich begrenzten Alkoholabstinenz vor allem Risikotrinker sowie Personen ansprechen, die bereits über alkoholbedingte negative Folgen berichtet hatten. Der Bekanntheitsgrad des „Dry January“ war zwischen Geschlechtern und Altersgruppen vergleichbar. Besonders Personen mit höherem beruflichem Status kannten die Kampagne häufiger und stuften ihren Alkoholkonsum zudem eher als risikoreich ein.9

„Dry January” ermöglicht eine Ablehnung von Alkohol bei länger abstinenten Trinkern

Ein aktuelles Review aus dem Jahr 2025 stellte die bis dato wichtigsten Ergebnisse der „Dry January”-Studien vor. Hierzu wurden 90 Publikationen gesichtet und 16 überprüft. Die Forschungsgruppe kam zu folgenden Ergebnissen. Im Vergleich zu Trinkern aus der Allgemeinbevölkerung zeigten sich bei den Teilnehmern des „Dry January“:

Interessanterweise gaben diejenigen Teilnehmer, die leichte bis moderate Mengen Alkohol konsumierten häufiger an, erfolgreich abstinent zu sein – verglichen mit den stärkeren Trinkern. Bei den Personen, die für einen längeren Zeitraum erfolgreich abstinent waren konnten kurz- und mittelfristig anhaltende Verringerungen des selbst angegebenen Alkoholkonsums sowie verbesserte biologische Ergebnisse, Wohlbefinden und Selbstwirksamkeit bei der Ablehnung von Alkohol beobachtet werden.10

Fazit für die Praxis