Das Wichtigste auf einen Blick zu Kurzvideos:
- Je intensiver Kurzvideos genutzt wurden, desto schlechter war im Mittel die kognitive Leistung. Am deutlichsten zeigte sich das bei Aufmerksamkeit und Impulskontrolle.
- Auch die psychische Gesundheit war betroffen: Insgesamt waren höhere Nutzungswerte mit mehr Stress und mehr Angst assoziiert.
- Für Körperbildwahrnehmung und Selbstwertgefühl fand die Meta-Analyse keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Kurzvideo-Nutzung.
Es wurden 71 Studien mit 98.299 Teilnehmern ausgewertet. Die Forscher prüften, welche Aspekte der Kognition und psychischen Gesundheit (z. B. Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Depression, Angst oder Körperbildwahrnehmung) besonders konsistent mit einem hohen Kurzvideo-Konsum assoziiert sind. Zudem wurde der Frage nachgegangen, ob die Messungsart der Kurzvideo-Nutzung, Plattform (TikTok vs. allgemeine Nutzung) oder das Alter der Studienteilnehmer die Effektstärke beeinflussen.
Kognitive Leistung: reduzierte Aufmerksamkeit und Inhibitionskontrolle bei häufiger Kurzvideo-Betrachtung
Über alle Endpunkte hinweg zeigte sich eine moderate negative Assoziation zwischen starker Kurzvideo-Nutzung und kognitiver Leistung (r = −0,34). Dies weist darauf hin, dass eine häufige Betrachtung dieser Video-Formate mit schlechterer kognitiver Leistung assoziiert ist.
Insbesondere die Faktoren Aufmerksamkeit (r = −0,38; 95 % KI −0,52 bis −0,22) und Inhibitionskontrolle (r = −0,41; 95 % KI −0,46 bis −0,36) waren am stärksten mit höherer Kurzvideo-Nutzung verknüpft. Für schlussfolgerndes Denken (Reasoning) zeigte sich hingegen keine signifikante Assoziation (r = −0,13; p = 0,281).
Psychische Gesundheit: mehr Stress und Angst bei Vielnutzern
Insgesamt war eine höhere Kurzvideo-Nutzung mit schlechteren psychischen Gesundheitswerten assoziiert (r = −0,21).
- Vielnutzer litten im Mittel häufiger unter Stress (r = −0,34; 95 % KI −0,40 bis −0,29) und Angst (r = −0,33; 95 % KI −0,39 bis −0,26).
- Zudem waren depressive Symptome, negativer Affekt, Einsamkeit, schlechtere Schlafqualität und geringeres Wohlbefinden jeweils negativ assoziiert.
Für Körperbildwahrnehmung und Selbstwertgefühl fanden die Autoren dagegen keine signifikanten Zusammenhänge.
Relevanz von Messungsart, Plattform und Personenalter
Nachdem Kognition und psychische Gesundheit jeweils als Gesamtbild betrachtet wurden, stellt sich die naheliegende Frage: Wovon hängt es ab, ob die beobachteten Zusammenhänge stärker oder schwächer ausfallen? Die Forscher haben dafür eine Analyse des Alters der Probanden, der Messungsart des Nutzungsverhaltens und der Video-Plattform durchgeführt – und kommen zu folgenden Erkenntnissen:
- Die Zusammenhänge von Kurzvideo-Nutzung und Kognition bzw. mentaler Gesundheit fielen bei Jugendlichen und Erwachsenen ähnlich aus.
- Am stärksten waren die Assoziationen, wenn Kurzvideo-Nutzung über Sucht-Skalen erfasst wurde und wenn allgemeine Kurzvideo-Nutzung (statt ausschließlich TikTok-spezifischer Nutzung) untersucht wurde.
Fazit
Diese systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse zeigt: Wer Short-Form-Videos häufiger nutzt, schneidet im Mittel bei mehreren kognitiven Funktionen schlechter ab – darunter Aufmerksamkeit, Inhibitionskontrolle, Sprache, Gedächtnis und Arbeitsgedächtnis. Gleichzeitig ist eine höhere Nutzung mit ungünstigeren Werten bei vielen psychischen Gesundheitsindikatoren verbunden, etwa Angst und Stress. Für Körperbild und Selbstwert ergab sich dagegen kein statistisch gesicherter Zusammenhang.
Gleichzeitig betonen die Autoren die Grenzen der Evidenz: Viele der ausgewerteten Arbeiten sind Querschnittsstudien, sodass sich daraus keine kausalen Schlüsse ziehen lassen. Sie plädieren daher für mehr Längsschnitt- und experimentelle Studien, um die Richtung und Mechanismen der beobachteten Zusammenhänge zwischen Kurzvideo-Nutzung, Kognition und psychischer Gesundheit besser zu klären.
- Nguyen L, Walters J, Paul S, Monreal Ijurco S, Rainey GE, Parekh N, Blair G, Darrah M. Feeds, feelings, and focus: A systematic review and meta-analysis examining the cognitive and mental health correlates of short-form video use. Psychol Bull. 2025 Sep;151(9):1125-1146. doi: 10.1037/bul0000498. PMID: 41231585.