Die moderne Onkologie befindet sich in einem rasanten Wandel. Mit innovativen Therapieansätzen wie Immuncheckpoint-Inhibitoren, gezielten Therapien und verbesserten Strahlentherapieverfahren haben sich auch die Nebenwirkungsprofile grundlegend verändert. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur Supportiven Therapie trägt dieser Entwicklung Rechnung und bietet neue, evidenzbasierte Handlungsempfehlungen für das Management therapiebedingter Komplikationen.
Die supportive Therapie hat sich zu einem unverzichtbaren Bestandteil der onkologischen Behandlung entwickelt. Angesichts der veränderten Therapielandschaft war eine Überarbeitung der bestehenden Leitlinien unumgänglich.
Unter Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie und der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie arbeiteten insgesamt 46 Fachgesellschaften und Organisationen an der Aktualisierung mit.
Die neuen Leitlinienempfehlungen berücksichtigen:
Ein zentraler Aspekt der neuen Leitlinie ist zudem die Betonung interdisziplinärer Ansätze. Das heutige Nebenwirkungsmanagement erfordert die enge Zusammenarbeit zwischen Onkologen, Kardiologen, Dermatologen, Neurologen und anderen Fachrichtungen.
Immuncheckpoint-Inhibitoren haben die Behandlung zahlreicher Tumorentitäten revolutioniert. Doch ihr Einsatz bringt spezifische Herausforderungen mit sich: immunvermittelte Nebenwirkungen (irAEs), die durch autoimmune Prozesse entstehen und praktisch jedes Organsystem betreffen können. "Um das Risiko schwerwiegender Komplikationen zu minimieren, ist es entscheidend, patientenindividuelle und therapiebezogene Risiken zu kennen, zu bewerten und eine risikoadaptierte Therapie mit entsprechendem Monitoring zu etablieren", erklärt Professorin Karin Jordan vom Klinikum Ernst von Bergmann, Co-Koordinatorin der Leitlinie.
Die kardiovaskulären Langzeitfolgen onkologischer Therapien rücken zunehmend in den Fokus, da immer mehr Patienten ihre Krebserkrankung überleben. Die aktualisierte Leitlinie bietet erstmals umfassende Empfehlungen zur Kardiotoxizität verschiedener Tumortherapeutika.
"Das Risiko zur Kardiotoxizität hängt sowohl von den Arzneimitteln als auch von den Vorerkrankungen der Betroffenen ab. Vulnerable Patienten müssen frühzeitig identifiziert werden", betont Dr. Franziska Jahn vom Universitätsklinikum Halle/Saale.
Ein völlig neues Kapitel widmet sich der zentralen Neurotoxizität – einem bisher oft übersehenen Komplikationsbereich. Neurologische Nebenwirkungen können sich als Hörschäden, Sehstörungen oder Bewusstseinsstörungen manifestieren und werden oft mit anderen Erkrankungen verwechselt.
"Das Erscheinungsbild ähnelt häufig anderen schweren Erkrankungen wie einer Hirnhautentzündung. Auch wenn die Datenlage noch begrenzt ist, ist die frühzeitige Erkennung entscheidend", erläutert Dr. Jahn.
Die Dermatotoxizität wurde um wichtige Aspekte erweitert. Neben den bereits bekannten Nebenwirkungen wie akneformen Exanthemen und Hand-Fuß-Syndrom werden nun auch Arzneimittelexantheme (AME) ausführlich behandelt.
Bei schweren Formen wie der toxischen dermalen Nekrolyse ist ein sofortiger Therapiestopp erforderlich, während bei milderen Verlaufsformen auch Therapiepausen möglich sind. Die enge Zusammenarbeit mit Dermatologen wird als essentiell hervorgehoben.
Ein weiterer Neuzugang ist das Kapitel zu urogenitalen Nebenwirkungen der Strahlentherapie. Bestrahlungen im Beckenbereich können zu persistierenden Problemen wie Inkontinenz und sexuellen Funktionsstörungen führen – Themen, die Patienten stark belasten.
Die Leitlinie spricht Empfehlungen zur Prophylaxe urogenitaler Strahlenschäden, Behandlung manifester Komplikationen sowie sexualmedizinischen Betreuung aus.
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