Feuchte Makuladegeneration: Wirkstoffwechsel ohne erneute Aufsättigung möglich

Bei unzureichendem Ansprechen auf eine Anti-VEGF-Therapie kann ein Wechsel auf Brolucizumab oder Faricimab auch ohne erneute monatliche Aufsättigungsphase stabile Ergebnisse liefern.

Das Wichtigste auf einen Blick zum Wirkstoffwechsel bei feuchter Makuladegeneration:

Die Autoren analysierten retrospektiv 66 Augen von 66 Patienten (je ein Auge pro Person) mit feuchter Makuladegeneration, bei denen trotz häufiger Vorbehandlung weiterhin Flüssigkeit in oder unter der Netzhaut nachweisbar war. Als unzureichendes Ansprechen galt eine persistierende Flüssigkeit trotz mindestens drei Anti-VEGF-Injektionen in Abständen von höchstens sechs Wochen. Die Patienten waren also bereits intensiv vorbehandelt: Vor dem Wechsel hatten sie im Mittel rund 22 bis 26 Injektionen erhalten, meist Aflibercept, zuletzt in Intervallen von etwa 4 bis 5 Wochen. 41 Augen wurden auf Brolucizumab, 25 auf Faricimab umgestellt. 

Nach dem Wechsel erfolgte keine erneute Serie monatlicher Initialinjektionen. Stattdessen wurde direkt in einem Treat-and-Extend-Schema weiterbehandelt. Blieb die Krankheitsaktivität unter Kontrolle, wurde das Intervall bis zur nächsten Injektion verlängert. Bei erneuter Aktivität wurde es wieder verkürzt. 

Nach 12 Wochen: weniger Netzhautflüssigkeit unter Brolucizumab

Kurzfristig verbesserten sich die anatomischen Befunde in beiden Gruppen, ohne dass sich ein Unterschied bei der Sehschärfe zeigte. Die zentrale Netzhautdicke ging unter Brolucizumab stärker zurück als unter Faricimab (243 vs. 280 µm; p=0,04). Das spricht für eine raschere Flüssigkeitsreduktion. Die Zahl der Injektionen und die erreichten Behandlungsintervalle unterschieden sich in dieser frühen Phase dagegen nicht wesentlich. Intraokulare Entzündungen wurden in den ersten 12 Wochen in keiner Gruppe beobachtet.

Was zeigt sich nach 48 Wochen?

Zum Ende der Studie nach 48 Wochen lagen für 88 % der behandelten Augen Verlaufsdaten vor. Die Sehschärfe blieb in beiden Gruppen insgesamt stabil. Unter Faricimab war der Visus numerisch günstiger, der Unterschied war aber statistisch nicht signifikant. Auch bei der zentralen Netzhautdicke zeigte sich zu diesem Zeitpunkt kein relevanter Unterschied mehr zwischen beiden Wirkstoffen (259 vs. 260 µm; p=0,50).

Anders sah es bei der Pigmentepithelabhebung aus: Hier wurde unter Faricimab eine stärkere absolute Rückbildung als unter Brolucizumab erreicht (110 vs. 160 µm; p=0,022). Unter Brolucizumab waren über 48 Wochen dagegen weniger Injektionen erforderlich als unter Faricimab (6,3 vs.7,2; p=0,009). Die am Studienende erreichten Behandlungsintervalle unterschieden sich nicht wesentlich (9,4 vs. 9,9 Wochen).

Unterschiede bei intraokularen Entzündungen

Auch beim Sicherheitsprofil zeigten sich Unterschiede:

  • Unter Brolucizumab traten bei zwei Augen milde intraokulare Entzündungen auf, die sich unter topischen Steroiden zurückbildeten und nicht zu einem Visusverlust führten.
  • In der Faricimab-Gruppe wurden keine entsprechenden Ereignisse beobachtet. 

Wie belastbar sind die Ergebnisse? 

Die Ergebnisse sollten aber zurückhaltend interpretiert werden: Es handelte sich um eine retrospektive Single-Center-Studie mit kleinen, ungleichen Gruppen. Zudem war die Sehschärfe in der Faricimab-Gruppe zu Beginn etwas besser, was die numerisch günstigeren funktionellen Ergebnisse mit beeinflusst haben könnte. Außerdem war die Nachbeobachtung auf 48 Wochen begrenzt.

Fazit

Die Studie zeigt, dass ein Wechsel auf Brolucizumab oder Faricimab bei unzureichendem Ansprechen auf eine laufende Anti-VEGF-Therapie auch ohne erneute monatliche Aufsättigungsphase praktikabel sein kann. Beide Substanzen führten über 48 Wochen zu stabilen Ergebnissen, unterschieden sich jedoch in ihren Stärken: Brolucizumab war mit einer stärkeren frühen Flüssigkeitsreduktion und weniger Injektionen verbunden, Faricimab mit einer stärkeren Rückbildung der Pigmentepithelabhebung; unter Faricimab wurden in dieser Studie zudem keine intraokularen Entzündungen beobachtet.

Für den Praxisalltag spricht das eher für eine individuelle Auswahl je nach morphologischem Befund und Sicherheitsaspekten als für eine generelle Bevorzugung eines Wirkstoffs.

Quelle:
  1. Kilani, A., Vogt, D., Moysidi, V. et al. VEGF-inhibitor switch trial in poor-responsive neovascular age-related macular degeneration: assessing brolucizumab vs. faricimab: VISTA study. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol (2026). https://doi.org/10.1007/s00417-025-07091-2