Ihr Wegweiser durch das 45. ISICEM 2026 in Brüssel

Wo die Spitze der Intensivmedizin über KI, ECMO-Strategien und Sepsis-Mythen debattiert: Unser Überblick zum Programm des ISICEM 2026 in Brüssel (17.–20.03.).

Die großen Plenarsitzungen

Vom 17. bis 20. März 2026 findet im Square Meeting Centre in Brüssel das weltweite Symposium der Intensiv- und Notfallmedizin statt (International Symposium on Intensive Care and Emergency Medicine, ISICEM). Es bleibt auch in seiner 45. Auflage ein Pflichttermin für alle, die aktuelle Studiendaten und technologische Innovationen direkt erleben und diskutieren wollen. Die Plenarsitzungen im „Salle Henry Le Boeuf“ bilden den Rahmen des Kongresses und blicken auf die großen Weichenstellungen der Fachdisziplin:

  • Rethinking ICU Myths (Dienstag, 17. März, 08:40 Uhr): In dieser Round-Table-Zusammenfassung hinterfragen Experten wie Alexis Turgeon und Marlies Ostermann gängige Mythen und Missverständnisse im ICU-Alltag – ein kritischer Blick auf vermeintlich gesicherte Standards.
  • Max Harry Weil Lecture (Dienstag, 17. März, 09:50 Uhr): Thierry Calandra hält den Keynote-Vortrag zum Thema Host-Response bei Sepsis. Für alle, die die Pathophysiologie des septischen Schocks auf molekularer Ebene verstehen bzw. rekapitulieren wollen.
  • End of Life in the ICU (Mittwoch, 18. März, 11:05 Uhr): In einer emotionalen Plenary Lecture teilt Michael Quintel seine 40-jährige Erfahrung mit ethischen Entscheidungen am Lebensende.

Künstliche Intelligenz in der ICU

Der ISICEM 2026 widmet der Digitalisierung einen größeren Schwerpunkt. Hier wird diskutiert, wie Algorithmen den Klinikalltag bereits heute verändern.

  • AI is already in the ICU (Dienstag, 17. März, 14:00 – 16:45 Uhr): Unter der Moderation von Soojin Park beleuchtet diese Session u. a., wie Large Language Models (LLMs) zu fortgeschrittenen klinischen Assistenten werden (Vitaly Herasevich) und ob Digital Twins bald reale Patientenmodelle ersetzen können (Nathalie Layios).
  • Future of Care (Mittwoch, 18. März, 08:30 Uhr): Paul Elbers diskutiert den Einsatz von KI bei Triage-Entscheidungen sowie beim Therapierückzug – eine Sitzung an der Schnittstelle von Tech und Ethik.

Kontroversen auf dem Prüfstand

Nirgendwo wird leidenschaftlicher gestritten als in Brüssel. Die Pro-Con-Debatten sind das Herzstück für alle, die klinische Evidenz und aktuelle Behandlungsstandards kritisch hinterfragen.

  • Beatmung unter ECMO (Dienstag, 17. März, 17:00 Uhr): Braucht die Lunge unter ECMO absolute Ruhe? Alain Combes (Pro) und Jeremy Beitler (Con) duellieren sich in der Frage der optimalen Beatmung bei ARDS-Patienten unter extrakorporaler Unterstützung.
  • Viskoelastisches Monitoring (Dienstag, 17. März, 17:00 Uhr): Bei schweren Blutungen stellt sich die Frage: Brauchen wir Point-of-Care-Tests für alle? Lars Heubner tritt gegen Michael Reade an.

Deep Dive: Sepsis, Beatmung und Hämodynamik

Für den direkten Transfer in die Behandlungspraxis bieten die fokussierten Sessions State-of-the-Art-Wissen.

  • Sepsis-Phänotypen (Dienstag, 17. März, 13:45 – 16:45 Uhr): Experten wie Mervyn Singer und Carolyn Calfee diskutieren, warum Sepsis nicht gleich Sepsis ist und wie hyperinflammatorische Phänotypen die Mortalität treiben.
  • Prone Position (Dienstag, 17. März, 11:00 – 12:15 Uhr): Alles zur Bauchlagerung – von der "Awake Prone Positioning" (Anatole Harrois) bis zur Frage, ob alle ECMO-Patienten routinemäßig gedreht werden sollten (Giacomo Grasselli).
  • Vasopressor Therapy (Dienstag, 17. März, 14:00 – 17:20 Uhr): Ein umfassendes Update zur Titration von Noradrenalin, dem Stellenwert von Angiotensin II und der Zukunft des Renin-Angiotensin-Systems.

Über den Tellerrand: Menschlichkeit und Teamgeist

Getreu dem interdisziplinären Geist widmet sich der Kongress auch den "weichen" aber essentiellen Faktoren.

  • Family and Friends (Dienstag, 17. März, 11:00 Uhr): Wie gehen wir mit posttraumatischem Stress bei Angehörigen um (Elie Azoulay) und was tun wir, wenn Familien wütend reagieren?
  • Working Together (Mittwoch, 18. März, 13:45 Uhr): Eine Session zu Burnout-Prävention, Geschlechtergerechtigkeit in der Intensivmedizin und der Kommunikation mit chirurgischen Partnern in Stresssituationen.

Dieser Überblick stellt nur eine kleine Auswahl des umfangreichen Programms in Brüssel dar. Ob in den Simulationen der „Demo Boxes“, den Tutorials zu EKG/EEG oder den wissenschaftlichen Poster-Sessions – der ISICEM 2026 verspricht erneut, die aktuellen Themen der Intensivmedizin umfassend, kritisch und hochaktuell zu beleuchten.

Quellen:
  1. https://www.isicem.org/
  2. https://www2.isicem.org/1/scheduleSpeakOnlineModal.asp?EventID=1079190668