Gehirnerschütterung bei Kleinkindern: Langfristige Beschwerden sind keine Seltenheit

Eine Kohortenstudie liefert neue Daten zu Langzeitfolgen einer Gehirnerschütterung bei Kindern unter sechs Jahren und zeigt, welche Hinweise bereits die Notaufnahme liefert.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Commotio im Kindesalter und Symptompersistenz

  • Einen Monat nach der Gehirnerschütterung hatten 28 % der Kinder weiterhin anhaltende Beschwerden. In der Vergleichsgruppe mit orthopädischer Verletzung waren es 10 %, in der unverletzten Kontrollgruppe 2 %.
  • Auch im weiteren Verlauf blieben bei vielen die Symptome bestehen: Nach drei Monaten waren noch 24 % betroffen, nach zwölf Monaten 16 %.
  • Der einzige unabhängige Prädiktor für die Symptompersistenz war die akute Symptomlast in der Notaufnahme.

In die prospektive Kohortenstudie wurden Kinder im Alter von sechs Monaten bis unter sechs Jahren eingeschlossen, die innerhalb von 48 Stunden nach einer Gehirnerschütterung oder einer orthopädischen Verletzung (z. B. Fraktur oder Verstauchung der Extremitäten) in einer Notaufnahme vorgestellt wurden. Zusätzlich gab es eine unverletzte Kontrollgruppe. Insgesamt nahmen 418 Kinder teil, darunter 235 mit Gehirnerschütterung, 108 mit orthopädischer Verletzung und 75 gesunde Kontrollen. 

Die Eltern wurden in der Notaufnahme sowie nach zehn Tagen, nach einem Monat, nach drei Monaten und nach zwölf Monaten mit einem Beobachtungs- und Symptomfragebogen befragt. Erfasst wurden dabei 17 mögliche Beschwerden und Verhaltensänderungen, darunter etwa Kopfschmerzen, Übelkeit, Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Ängstlichkeit oder regressives Verhalten. Primärer Endpunkt war eine anhaltende Symptomatik nach einem Monat, also eine Zunahme des Symptom-Scores im Vergleich zum Zustand vor der Verletzung.

Wie häufig blieben Beschwerden bestehen?

Die Beschwerden hielten in der Commotio-Gruppe deutlich häufiger an als in den Vergleichsgruppen:

  • Nach zehn Tagen traf das auf 34 % der Kinder mit Gehirnerschütterung zu, verglichen mit 8 % nach orthopädischer Verletzung und 2 % in der Kontrollgruppe.
  • Nach einem Monat lagen die Raten bei 28 % (Vergleichsgruppen 10 % bzw. 2 %).
  • Nach drei Monaten waren noch 24 % der Kinder mit Gehirnerschütterung betroffen (vs. 9 % bzw. 4 %)
  • Nach zwölf Monaten lagen die Werte bei 16 % (gegenüber 13 % bzw. 2 %).

Die Symptompersistenz unterschied sich zwischen Gehirnerschütterung und orthopädischer Verletzung nach einem und drei Monaten signifikant, nach zwölf Monaten dagegen nicht mehr.

Was sagte einen längeren Verlauf voraus?

Zur Vorhersage anhaltender Beschwerden prüften die Autoren mehrere Einflussfaktoren. Dazu gehörten das Alter des Kindes, ob das Kind bereits eine Kita oder Schule besuchte, ein Bewusstseinsverlust, ob in der Notaufnahme eine kraniale Bildgebung durchgeführt wurde, die elterliche Bildung sowie die akute Symptomlast in der Notaufnahme. In der multivariablen Analyse blieb nur ein unabhängiger Prädiktor übrig: die akute Symptomlast in der Notaufnahme. Je stärker die Beschwerden zu Beginn waren, desto höher war das Risiko für eine Symptompersistenz nach einem Monat.

Fazit

Die Studie zeigt, dass anhaltende Beschwerden nach einer Gehirnerschütterung auch bei Kindern unter sechs Jahren häufig sind. Noch nach einem Monat war fast jedes dritte Kind betroffen, nach drei Monaten fast jedes vierte und nach zwölf Monaten noch jedes sechste. Der wichtigste frühe Hinweis auf einen längeren Verlauf war die akute Symptomlast in der Notaufnahme. Für die Praxis bedeutet das: Eltern sollten auch nach der akuten Phase auf anhaltende oder neue Beschwerden achten. Ist die Symptomatik schon akut deutlich ausgeprägt, ist eine engere ärztliche Nachbeobachtung sinnvoll.

Quelle:
  1. Rose SC et al. PERC KOALA Study. Frequency and Predictors of Persisting Symptoms 1 Year After Early Childhood Concussion. Pediatrics. 2026 Feb 1;157(2):e2025072885. doi: 10.1542/peds.2025-072885. PMID: 41581789.