- Kavanagh ME et al., Ultraprocessed Food Consumption and Behavioral Outcomes in Canadian Children. JAMA Netw Open 2026; 9(3): e260434. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.0434 (letzter Zugriff: 27.10.2026).
Die Zahl ist alarmierend: Fast die Hälfte der Energiezufuhr bei Vorschulkindern in Kanada stammt aus UPF. Hierzulande sieht es nicht viel besser aus: Die EsKiMo-II-Studie des Robert-Koch-Instituts zeigte, dass der Konsum hochverarbeiteter Lebensmittel wie Wurstwaren, Süßigkeiten, Limonaden und Knabbereien bei Kindern in Deutschland deutlich zu hoch ist.
Wie sich diese Form der Ernährung auf die Verhaltens- und emotionale Entwicklung in der frühen Kindheit auswirkt, haben Forscher der Universität von Toronto in einer prospektiven, bevölkerungsbasierten Kohortenstudie mit mehr als 2.000 kanadischen Kindern untersucht.
Im Alter von 3 Jahren wurde die UPF-Aufnahme anhand eines semiquantitativen 112-Punkte-Fragebogens bewertet, der sich am NOVA-System orientiert. Bei der Untersuchung im Alter von 5 Jahren wurden Verhalten und Emotionen anhand der validierten Vorschulversion der „Child Behavior Checklist“ (CBCL) bewertet. Die Gesamtverhaltensskala umfasst Fragen zu Internalisierungsverhalten (nach innen gerichtet, z. B. Angst, Furcht und Depression) und Externalisierungsverhalten (nach außen gerichtet, z. B. Aggression, Hyperaktivität). Je höher die Punktzahl (0 bis 100), umso mehr Verhaltensprobleme wurden berichtet. Dabei wurden zahlreiche Kovariaten wie pränatale und frühkindliche Störfaktoren berücksichtigt.
Im Alter von 3 Jahren machten UPF durchschnittlich 45,5 % der gesamten Energiezufuhr aus. Im Alter von 5 Jahren betrugen die mittleren CBCL-Werte:
Vor allem der Konsum von Fertiggerichten, aber auch von Brot und Getreideprodukten war mit höheren Internalisierungswerten assoziiert. Zudem beeinflussten künstlich gesüßte und zuckerhaltige Getränke das Gesamtverhalten negativ.
Jeder Anstieg der Energiezufuhr aus UPF um 10 % war mit jeweils höheren CBCL-Werten verbunden. Umgekehrt ging der Ersatz von 10 % der Energie aus UPF durch MPF (minimal verarbeitete Lebensmittel) mit niedrigeren Werten einher.
Trotz insgesamt moderater Effektstärken sehen die Autoren angesichts der hohen Prävalenz des UPF-Konsums bedeutsame Auswirkungen auf Bevölkerungsebene. Dabei sei nicht nur die psychosoziale Entwicklung von Kindern gefährdet; frühe Ernährungsgewohnheiten stünden auch mit späteren kardiovaskulären Risikofaktoren in Zusammenhang.
Daher fordern sie, das Vorschulalter als entscheidendes Zeitfenster für folgende Interventionen zu nutzen: