Burnout, Angst, Suizidgedanken: Facharztbefragung zeigt hohe Belastung

Haben Sie in den letzten Wochen wegen der Arbeit schlecht geschlafen? In einer Befragung sagten das 64 %, 44 % erwogen den Jobwechsel. Ärztinnen sahen ihr Geschlecht als Karrierehindernis. Die Studie stammt aus Frankreich – die Muster dürften bekannt sein.

Das Wichtigste auf einen Blick

Für die anonyme nationale Befragung wurden alle Pneumologen in Frankreich zwischen Juli 2023 und Februar 2024 kontaktiert. Insgesamt antworteten 586 Personen, entsprechend einer Rücklaufquote von 21 %. Mehr als die Hälfte der Befragten waren Frauen (57 %), das mediane Alter lag bei 38 Jahren.

Hohe Arbeitsbelastung, mäßige Zufriedenheit

Die Auswertung zeigte, dass die Arbeitsbelastung hoch ist: Fast alle Befragten arbeiteten in Vollzeit, knapp die Hälfte gab an, abends oder am Wochenende zu arbeiten. Etwa jede vierte Person berichtete von mehr als 55 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit. Gleichzeitig war die berufliche Zufriedenheit nur moderat: 44 % der Befragten erwogen, innerhalb der kommenden fünf Jahre ihre derzeitige Position zu verlassen. Nur 31 % würden ihren eigenen Kindern raten, Pneumologe oder überhaupt Arzt zu werden.

Psychische Beschwerden und Schlafprobleme häufig

Die gesundheitlichen Belastungen wurden in mehreren Bereichen sichtbar: 52 % der Befragten berichteten arbeitsbedingte Angststörungen, 22 % Burnout, 17 % depressive Symptome und 7 % Suizidgedanken. Auch Schlafprobleme waren weit verbreitet: 64 % berichteten über Schlafdefizit, 46 % über gestörten Schlaf und 27 % über häufige Albträume. Mehr als ein Drittel der Befragten berichtete, im Zusammenhang mit arbeitsbedingter Belastung Medikamente einzunehmen; hierzu zählten Anxiolytika, Hypnotika, Antidepressiva und Betablocker (ohne kardiovaskuläre Grunderkrankung).

Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern:

Passend dazu nahmen Frauen auch häufiger Anxiolytika ein. Insgesamt berichteten 19 % aller Befragten über eine arbeitsbezogene Anwendung dieser Substanzklasse; bei Frauen waren es 23 %, bei Männern 15 %. 

Darüber hinaus sind depressive Symptome und Suizidgedanken leider keine Seltenheit in der Ärzteschaft; ihre Häufigkeit unterschied sich jedoch nicht signifikant zwischen Frauen und Männern: 19 % der Ärztinnen und 15 % der Ärzte berichteten über depressive Symptome; 8 % bzw. 6 % litten unter Suizidgedanken.

Karrierewege nicht gleich erlebt

Neben der gesundheitlichen Belastung untersuchten die Autoren auch, ob das Geschlecht nach Einschätzung der Befragten ihre berufliche Entwicklung beeinflusst hatte: zum einen eigene Karriereentscheidungen, etwa der Verzicht auf eine akademische Laufbahn, zum anderen berufliche Chancen, die den Befragten offenstanden.

Auch hier fielen geschlechtsspezifische Unterschiede auf:

Grenzen der Befragung

Diese Ergebnisse sollten allerdings vorsichtig eingeordnet werden. Es handelt sich um Selbstauskünfte, nicht um klinische Diagnosen. Zudem waren die Teilnehmer jünger, häufiger weiblich und stärker klinisch geprägt als die Gesamtheit der französischen Pneumologen.

Fazit

Die Befragung zeigt eine hohe arbeitsbezogene Belastung unter französischen Pneumologen. Besonders Ärztinnen berichteten häufiger über Angst, Burnout, Schlafprobleme und wahrgenommene Einschränkungen ihrer beruflichen Entwicklung. Konkrete Lösungen für bessere Arbeitsbedingungen oder den Umgang mit diesen Problemen liefert die Studie nicht. Wichtig wäre als nächster Schritt zu untersuchen, welche Maßnahmen die Belastung tatsächlich senken und die berufliche Entwicklung der Ärzteschaft optimieren können.

Quelle
  1. Leloup C, Mesa E, Basille D, Boudoussier A, Maurac A, Grassion L, Rolland-Debord C, Larrouture I, Martin C, Jeny F, Maitre T, Patout M, Sese L, Soumagne T, Gille T, Justeau G, Salvator H, Messika J, Jutant EM, Bironneau V, Le Rouzic O, Duruisseaux M, Baptista BR, Toffart AC, Valentin S, Zysman M. Female pulmonologists experienced poorer health and reduced quality of life related to their professional activities. ERJ Open Res. 2026 Apr 13;12(2):01383-2025. doi: 10.1183/23120541.01383-2025. PMID: 41982871; PMCID: PMC13071592.