Chronischer Husten: leitliniengerechte Therapie auf dem Prüfstand

Eine aktuelle Beobachtungsstudie untersuchte, wie stark sich chronischer Husten unter einer an der ERS-Leitlinie orientierten Therapie bessert – und wie viele Patienten danach weiter Behandlungsbedarf sehen.

Das Wichtigste auf einen Blick zu Therapieeffizienz bei chronischem Husten

Die PROCOUGH-Studie war eine prospektive Beobachtungsstudie. Sie untersuchte die Wirksamkeit einer an der ERS-Leitlinie orientierten Behandlung bei chronischem Husten. Vor Therapiebeginn wurden die Patienten strukturiert abgeklärt; anschließend richtete sich die Behandlung nach der diagnostischen Einordnung.

Für die Studie wurden die Daten von 100 Erwachsenen mit chronischem Husten im Alter von 18 bis 80 Jahren ausgewertet. Das mittlere Alter der Teilnehmer lag bei 58,1 Jahren, 58 % waren Frauen. Auffällig war die lange Krankheitsdauer: Die Beschwerden bestanden im Median seit sieben Jahren.

Diagnostische Einordnung: fast die Hälfte mit Hustenhypersensitivität

Nach der Abklärung zeigte sich ein breites Spektrum an Hustenursachen: 31 % der Patienten litten unter Asthma, 16 % unter nicht-asthmatischer eosinophiler Bronchitis. Eine neutrophile Bronchitis lag bei 2 % vor, gastroösophagealer Reflux und chronische Rhinosinusitis jeweils bei 1 %.

Bei 49 % der Patienten lag dagegen eine Hustenhypersensitivität vor: Dazu zählten Patienten, bei denen sich trotz Abklärung keine klare Ursache fand, ebenso wie Patienten, bei denen trotz früherer leitliniengerechter Therapieversuche keine Symptomkontrolle erreicht wurde.

Zielgerichtete Therapie gemäß Diagnose

Die Behandlung richtete sich nach der diagnostischen Einordnung. Bei identifizierbarer Ursache beziehungsweise behandelbarem Befund (etwa Asthma, nicht-asthmatischer eosinophiler Bronchitis, gastroösophagealem Reflux oder Beschwerden der oberen Atemwege) wurde eine zielgerichtete Therapie begonnen. Als Behandlungsoptionen nennt das Studienteam inhalative Kortikosteroide mit oder ohne langwirksamen Beta-2-Agonisten, Protonenpumpenhemmer, intranasale Kortikosteroide und Azithromycin.

Bei Hustenhypersensitivität kamen neuromodulierende Therapien infrage, darunter niedrig dosiertes Morphin, Pregabalin, Gabapentin oder Amitriptylin. Alternativ wurde eine nicht medikamentöse Cough Control Therapy angeboten: ein strukturiertes Programm mit Physio- und Sprachtherapie, in dem Patienten unter anderem Hustenunterdrückungstechniken erlernten.

Rückgang der Symptome und Ansprechrate

Nach der leitlinienorientierten Behandlung zeigte sich bei allen Patienten insgesamt eine deutliche Besserung: Die objektiv gemessene 24-Stunden-Hustenfrequenz sank um 53,6 %. Auch die patientenberichteten Endpunkte verbesserten sich: Die Hustenschwere nahm auf der visuellen Analogskala um 19,5 mm ab, der Leicester Cough Questionnaire zur hustenbezogenen Lebensqualität stieg um 3,4 Punkte.

Zusätzlich prüfte das Studienteam, wie viele Patienten vordefinierte Ansprechkriterien erreichten. Als Responder galten Patienten mit einer Reduktion der 24-Stunden-Hustenfrequenz um mindestens 30 %, einer Verbesserung der Hustenschwere um mindestens 30 mm oder einem Anstieg des Leicester Cough Questionnaire um mindestens 1,3 Punkte. Je nach Endpunkt fiel das Ansprechen unterschiedlich aus: 56 % der Patienten erreichten das Ziel für die Hustenfrequenz, 36 % das Ziel für die Hustenschwere und 64 % das Ziel für die hustenbezogene Lebensqualität. Alle drei Kriterien gleichzeitig erfüllten jedoch nur 14 % der Teilnehmer.

Viele Betroffene wünschen bessere Symptomkontrolle

Für die Praxis besonders relevant ist die direkte Einschätzung der Patienten. Am Ende der Behandlung gaben nur 29 % an, dass ihr Husten ausreichend gebessert und keine weitere Therapie nötig sei. 71 % sahen weiterhin Behandlungsbedarf. Damit zeigt die Studie zweierlei: Leitlinienbasierte Diagnostik und Therapie können chronischen Husten messbar bessern, erreichen aber bei einem großen Teil der Patienten keine ausreichende Symptomkontrolle.

Unerwünschte Ereignisse bei 31 % der Patienten

Das Studienteam wertete des Weiteren unerwünschte Begleiteffekte bei allen behandelten Patienten aus. Schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht berichtet. Insgesamt meldeten 31 % der Patienten mindestens ein unerwünschtes Ereignis. Die höchsten Raten traten unter Gabapentinoiden und Opioiden auf. Dokumentiert wurden unter anderem Müdigkeit, Schwindel, Gedächtnisprobleme, Gewichtszunahme, Obstipation und Kopfschmerzen.

Fazit

Die Studie stützt einen strukturierten, an der ERS-Leitlinie orientierten Algorithmus bei chronischem Husten: Abklärung möglicher Ursachen, Identifizierung behandelbarer Befunde beziehungsweise einer Hustenhypersensitivität und daran angepasste Therapie. Gleichzeitig zeigt PROCOUGH die Grenzen dieses Vorgehens. Trotz messbarer Verbesserungen blieb bei der Mehrheit der behandelten Patienten weiterer Therapiebedarf bestehen.

Quelle
  1. Wahab M, Kum E, Diab N, et al. Prospective study to evaluate the effectiveness of guideline-based therapy for chronic cough and refractory chronic cough (PROCOUGH). ERJ Open Res. 2026;12(4):00279-2026. https://doi.org/10.1183/23120541.00279-2026 (letzter Zugriff: 21.09.2026).