GLP-1-Agonisten bei adipösen Jugendlichen: Studie zeigt weniger Asthmaanfälle und Notaufnahmen

GLP-1-Agonisten können bei adipösen Jugendlichen mit Asthma nicht nur das Gewicht senken, sondern auch Exazerbationen und Notaufnahmen reduzieren, wie eine große Studie zeigt.

GLP-1-RA zur Gewichtsreduktion bei Kindern und Jugendlichen:

In den Fachinformationen zu Semaglutid und Liraglutid sucht man vergeblich nach Hinweisen zum respiratorischen System und entsprechenden Endpunktstudien. Dabei ist mit der Zulassungserweiterung für Kinder und Jugendliche eine in dieser Hinsicht vulnerable Patientengruppe hinzugekommen: Hierzulande leiden etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen an Asthma bronchiale. Es ist davon auszugehen, dass ein nennenswerter Anteil von ihnen zusätzlich übergewichtig oder adipös ist.

Weniger Asthmaexazerbationen und Notfallmedikamente unter GLP-1-RA 

Für die retrospektive Kohortenstudie griffen die Forscher auf Daten aus dem globalen Gesundheitsforschungsnetzwerk TriNetX zurück und schlossen mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche (Durchschnittsalter 15,8 Jahre) mit einer gleichzeitigen Diagnose von Asthma und Übergewicht oder Adipositas (mit oder ohne Diabetes) ein. Die Teilnehmer erhielten entweder GLP-1-RA oder nichtpharmakologische Interventionen zur Gewichtsreduktion (Kontrollgruppe) und wurden hinsichtlich Body-Mass-Index (BMI), Asthma-Schweregrad und Asthma-/Diabetesmedikation abgeglichen. 

Der primäre Endpunkt war die Inzidenz akuter Asthmaexazerbationen; zu den sekundären Endpunkten gehörten Verschreibungen von systemischen Kortikosteroiden und Notaufnahmen wegen Asthma.

Während der zwölfmonatigen Nachbeobachtungszeit waren in der GLP-1-RA-Gruppe Asthmaexazerbationen und Notaufnahmen signifikant seltener als in der Kontrollgruppe. Auch Kortikosteroide und Beta-2-Agonisten wurden seltener verschrieben.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • akute Asthmaexazerbationen: 5,4 vs. 10,7 %, relatives Risiko [RR] 0,51 
  • asthmabedingte Notaufnahmen: 1,5 vs. 3,6 %, RR 0,42 
  • systemische Kortikosteroide: 20,7 vs. 31,4 %, RR 0,66 
  • inhalative kurzwirksame Beta-2-Agonisten: 32,3 vs. 44,7 %, RR 0,72 

GLP-1-RA als zukünftige Asthmamedikation?

„Die Ergebnisse deuten auf einen potenziellen doppelten Nutzen für diese Population hin, bei der eine einzige Medikamentenklasse sowohl die Gewichtsregulierung als auch das Risiko für Asthmaexazerbationen adressieren könnte“, so die Schlussfolgerung der Autoren.

Ob der beobachtete Zusammenhang allein auf den Gewichtsverlust und die damit einhergehenden metabolischen Veränderungen zurückzuführen ist oder ob dabei spezifische, gewichtsunabhängige Wirkungen von GLP-1-RA (z. B. antiinflammatorisch) eine Rolle spielen, ließe sich mit dem retrospektiven Design freilich nicht beantworten. 

Die Idee einer potenziellen Zusatztherapie bei übergewichtigen oder adipösen Jugendlichen mit Asthma ist es allerdings definitiv wert, weiter untersucht zu werden. 

Quelle:
  1. Huang YC et al., Glucagonlike Peptide-1 Receptor Agonists and Asthma Risk in Adolescents With Obesity. JAMA Network Open 2025; 8(12): e2551611.