Leitlinien-Update COPD: Früher erkennen, gezielter behandeln

Die neue COPD-Leitlinie rückt die frühere Erkennung der Erkrankung und eine gezieltere Behandlung in den Mittelpunkt. Für die Praxis ergeben sich mehrere wichtige Änderungen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Bei Verdacht auf COPD reicht die Spirometrie in der fachärztlichen Diagnostik nicht aus; empfohlen wird eine erweiterte Lungenfunktionsdiagnostik.
  • Die CT des Thorax hat einen höheren Stellenwert, vor allem bei Diskrepanz zwischen Beschwerden und Lungenfunktion, bei häufigen Exazerbationen und bei chronischer Sputumproduktion.
  • Alle Patienten mit gesicherter COPD sollten einmalig auf Alpha-1-Antitrypsinmangel getestet werden; auch ein Differentialblutbild gehört zur Abklärung.
  • Therapeutisch wird die duale Bronchodilatation früher eingesetzt. ICS/LABA allein wird bei COPD nicht mehr empfohlen und schon eine Exazerbation unter laufender inhalativer Therapie sollte Anlass sein, die Behandlung neu zu bewerten.

Diagnostik: Erweiterte Lungenfunktionstestung und CT

Eine zentrale Änderung betrifft die Diagnostik. Bei Verdacht auf COPD reicht die Spirometrie in der fachärztlichen Abklärung nicht aus. Die Leitlinie empfiehlt grundsätzlich eine erweiterte Lungenfunktionsdiagnostik mit Ganzkörperplethysmographie, Bronchodilatationstest und Bestimmung der Diffusionskapazität. Damit greift sie ein bekanntes Problem auf, das aus dem Alltag gut bekannt ist: Beschwerden und Spirometrie weisen nicht immer in dieselbe diagnostische Richtung.

Auch die Computertomographie (CT) bekommt in der neuen Leitlinie einen höheren Stellenwert. Gerade bei häufigen Exazerbationen, chronischer Sputumproduktion oder bei einer Diskrepanz zwischen Beschwerden und Lungenfunktion kann sie differenzialdiagnostisch wertvolle Hinweise liefern. Hinzu kommt: Bei Patienten mit entsprechender Screening-Indikation soll die Low-Dose-CT auch für die Lungenkrebsfrüherkennung genutzt werden.

Alpha-1-Testung und Eosinophilie

Die Leitlinie empfiehlt außerdem ausdrücklich, alle Patienten mit gesicherter COPD einmalig auf einen Alpha-1-Antitrypsinmangel zu testen. Für die Praxis ist das relevant, da ein hereditärer Alpha-1-Antitrypsinmangel als Ursache der COPD häufig übersehen wird.

Ein Differentialblutbild gehört ebenfalls zur Abklärung bei Verdacht auf COPD. Relevant ist das vor allem wegen der Eosinophilenzahl im Blut, einem bedeutenden Biomarker bei COPD. Erhöhte Werte können helfen, das Risiko weiterer Exazerbationen besser einzuordnen und über den Einsatz einer inhalativen Kortikosteroid-haltigen Therapie zu entscheiden. 

So spricht die Leitlinie bei fortbestehenden Exazerbationen unter dualer Bronchodilatation ab 100 Bluteosinophilen/µl für eine Eskalation auf eine Triple-Therapie (langwirksame Muskarinrezeptor-Antagonisten (LAMA), langwirksame Beta-2-Agonisten (LABA) und inhalatives Kortikosteroid (ICS)). 

Bei therapienaiven Patienten mit schwerer oder mindestens einer mittelgradigen Exazerbation in der Vorgeschichte kann eine Triple-Therapie bei 300 Eosinophilen/µl oder mehr auch direkt erwogen werden. 

Änderungen in der Therapie

Auch in der medikamentösen Therapie gibt es wichtige Änderungen. Für Patienten der GOLD-Gruppe B empfiehlt die Leitlinie in der Initialtherapie eine duale Bronchodilatation mit LAMA/LABA. Auch bei therapienaiven Patienten mit mindestens einer mittelgradigen Exazerbation soll eine duale Bronchodilatation eingeleitet werden. Eine Kombination aus ICS und LABA ohne LAMA wird bei COPD dagegen nicht mehr empfohlen. Wenn verfügbar, sollen außerdem bevorzugt Fixkombinationspräparate eingesetzt werden. 

Auch der Umgang mit Exazerbationen ist entscheidend. Schon eine einzelne Exazerbation unter laufender inhalativer Therapie soll Anlass sein, die bisherige Behandlung neu zu bewerten. Im Vordergrund stehen die Prüfung der Inhalationstechnik und der Adhärenz sowie die Frage, ob die aktuelle Therapie noch zur klinischen Situation passt. Treten trotz Triple-Therapie weiterhin Exazerbationen auf, empfiehlt die Leitlinie eine weiterführende fachärztliche Abklärung, gegebenenfalls ergänzt durch eine thorakale Bildgebung. Auf Basis der Befunde lässt sich prüfen, ob Optionen wie Azithromycin, Roflumilast oder Biologika infrage kommen. Zu den festen Bestandteilen der Versorgung gehören außerdem Impfungen, Tabakentwöhnung, körperliches Training und pneumologische Rehabilitation. 

Begleiterkrankungen nicht übersehen

Neben pulmonalen Komorbiditäten sollen auch nicht-pulmonale Begleiterkrankungen erfasst und in die Behandlung einbezogen werden. Dazu gehören vor allem kardiovaskuläre Erkrankungen, da COPD ein Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall ist. Auch metabolische Störungen, Niereninsuffizienz, Osteoporose, psychische und neurologische Erkrankungen sowie schlafbezogene Atmungsstörungen sind zu berücksichtigen. 

Quellen
  1. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. Aktualisierte S2k-Leitlinie COPD veröffentlicht: Neue Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie für bessere Patientenversorgung. Pressemitteilung vom 27.02.2026. Verfügbar unter: pneumologie.de/aktuelles-service/presse/pressemitteilungen/aktualisierte-s2k-leitlinie-copd-veroeffentlicht-neue-empfehlungen-zu-diagnostik-und-therapie-fuer-bessere-patientenversorgung. Abgerufen am 30.03.2026.
  2. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. S2k-Leitlinie Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) 2026. Auflage Februar 2026, Version 5.2. AWMF-Register-Nr. 020-006. Verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/020-006. Abgerufen am 30.03.2026.