Mykoplasmen-Pneumonie: Was Ärzte wissen sollten

Mycoplasma pneumoniae verursacht Atemwegsinfektionen, von denen in aktuellen Ausbruchswellen auch zunehmend Säuglinge und jüngere Kinder betroffen sind.

Das Wichtigste zur Mykoplasmen-Pneumonie für die Praxis

Aktuelle Ausbruchswellen: veränderte Epidemiologie

In den vergangenen Jahren wurden in mehreren Ländern ausgeprägte Ausbruchswellen von M.-pneumoniae-Infektionen beobachtet – insbesondere in der Zeit nach der COVID-19-Pandemie. Als Erklärung wurde eine größere Immunitätslücke nach der Pandemie diskutiert, wodurch Infektionen gehäuft auftraten. Dabei zeigte sich eine veränderte Altersverteilung: Neben Schulkindern waren vermehrt auch Säuglinge und Kinder im Vorschulalter betroffen. 

Vor diesem Hintergrund gewinnt die differenzierte Einordnung von Symptomen, Diagnostik und Therapie insbesondere in der pädiatrischen Versorgung an Bedeutung.

Symptomatik: Atemwege, ZNS und weitere Organsysteme

Mykoplasmen sind bakterielle Erreger ohne Zellwand. Sie kommen überwiegend extrazellulär vor, können jedoch auch intrazellulär nachgewiesen werden. An der Pathogenese einer Mykoplasmen-Infektion sind sowohl direkte zellvermittelte Effekte des Erregers als auch immunvermittelte Mechanismen beteiligt; beide Prozesse können parallel ablaufen.

Klinisch zeigt sich eine Infektion mit M. pneumoniae am häufigsten als Pneumonie. Darüber hinaus sind extrapulmonale Manifestationen beschrieben. Diese können unter anderem das zentrale Nervensystem, Gelenke, Herz oder Augen betreffen. Mögliche Krankheitsbilder sind Enzephalitis, Meningitis, Guillain-Barré-Syndrom, Arthritis, Myalgien, Perikarditis sowie Konjunktivitis oder retinale Blutungen.

Ein direkter Erregernachweis, etwa im Liquor, gelingt bei diesen Manifestationen häufig nicht. Der Nachweis erfolgt meist über PCR des Atemwegssekrets oder serologisch.

MIRM als Folge immunvermittelter Prozesse

Im Rahmen immunologisch vermittelter Verläufe kann sich die Mykoplasmen-Infektion systemisch manifestieren. Dieses Krankheitsbild wird als Mycoplasma-induced rash and mucositis (MIRM) bezeichnet.

Typische Zeichen sind:

  • Hautveränderungen
  • Schleimhautveränderungen an Augen, Mund und Genitalbereich

Beschränken sich die Symptome ausschließlich auf die Schleimhäute, spricht man von MIRM ohne Hautausschlag.

Mykoplasmen-Infektion: Diagnostik häufig schwierig

Zur Diagnostik einer M.-pneumoniae-Infektion stehen bildgebende Verfahren, kultureller Nachweis, PCR und Serologie zur Verfügung. Aber: Kein einzelnes Verfahren erlaubt einen schnellen und zugleich zuverlässigen Nachweis einer akuten Infektion.

PCR und Serologie (Nachweis von IgA-, IgM- und IgG-Antikörpern mittels EIA) erreichen eine vergleichsweise gute Sensitivität und Spezifität. Problematisch ist jedoch, dass M. pneumoniae die Atemwege auch kolonisieren kann, ohne eine Erkrankung auszulösen. Ein positiver Nachweis – insbesondere aus den oberen Atemwegen – ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Vergleichbares gilt für die Serologie, da Antikörper sowohl bei asymptomatischen als auch bei symptomatischen Personen nachweisbar sein können.

Daraus folgt, dass ein routinemäßiger Test auf M. pneumoniae bei Atemwegsinfektionen oder ambulant erworbener Pneumonie nicht empfohlen wird. Bei spezifischer Fragestellung oder Therapieversagen unter einem Betalaktamantibiotikum kann jedoch eine möglichst gut validierte PCR aus Rachen- oder Nasopharyngealabstrich erwogen werden. Alternativ ist ein IgM-Nachweis im Serum möglich; am aussagekräftigsten erscheint die Kombination beider Verfahren.

Therapie: begrenzte Evidenz für einen klinischen Nutzen

Die Datenlage zur gezielten antibiotischen Therapie der ambulant erworbenen Pneumonie durch Mykoplasmen ist begrenzt und zeigt keinen eindeutigen klinischen Vorteil. Der Referent empfiehlt, die AWMF-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie als Grundlage der Therapieplanung bei Kindern und Jugendlichen heranzuziehen.

Demnach gilt:

  • Bei nicht schwerer ambulant erworbener Pneumonie mit Verdacht auf M. pneumoniae (z. B. Alter über 5 Jahre, normale oder nur leicht erhöhte Entzündungswerte, fehlendes Ansprechen auf Aminopenicilline) kann zunächst zugewartet und klinisch kontrolliert werden.
  • Bei schwerer ambulant erworbener Pneumonie mit Verdacht auf M. pneumoniae sollten Makrolide oder ab einem Alter von 8 Jahren alternativ Tetrazykline eingesetzt werden.

Konsequenzen für die klinische Versorgung

Vor dem Hintergrund aktueller Ausbruchswellen mit zunehmender Betroffenheit jüngerer Kinder sollte bei passenden klinischen Konstellationen eine Infektion mit M. pneumoniae in die differenzialdiagnostische Überlegung einbezogen werden.
Dabei bleibt die Diagnostik herausfordernd, da kein Verfahren einen sicheren Nachweis einer akuten Mykoplasmen-Pneumonie erlaubt. Wichtig ist die Interpretation der diagnostischen Befunde im klinischen Zusammenhang.

Therapeutisch orientiert sich das Vorgehen weiterhin an der AWMF-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie; abhängig von Alter und Schweregrad kann ein abwartendes Vorgehen oder eine antibiotische Behandlung mit Aminopenicillinen, Makroliden oder – bei älteren Kindern – Tetrazyklinen erfolgen.

Quelle:
  1. Tenenbaum, Tobias (Gießen). Vortrag: Mykoplasmen – ein spätes Comeback. Sitzung: Atemwegsinfektionen. Kongress für Kinder- und Jugendmedizin 2025, Leipzig, 26.09.2025.