Zahlreiche Studien dokumentieren signifikante Veränderungen des Gesichtsskeletts und der Zahnentwicklung bei Mundatmern, wie in eines Jungen zu sehen, der früher normal durch die Nase atmete und nach dem Wechsel auf Mundatmung typische Veränderungen im Gesicht entwickelte. Die Mundatmung führt zu einer asymmetrischen Ausbildung der Oberkieferknochen sowie zu einer Funktionsstörung der gesamten intra- und perioralen Muskulatur.1 Die Kinder entwickeln ein langes, schmales Gesicht mit kleinem Mund, hohe Gaumenbögen, ein fliehendes Kinn, Zahnfehlstellungen, ein zahnfleischiges Lächeln und kleinere Atemwege, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Infolgedessen ist die schlechte (Mund-)Atemgewohnheit irgendwann selbsterhaltend, was lebenslange Gesundheitsprobleme bedingen kann.2
„[Betroffene] Kinder schlafen nachts aufgrund ihrer Atemwegsverengungen schlecht; dieser Schlafmangel kann sich negativ auf ihr Wachstum und ihre schulischen Leistungen auswirken. Viele dieser Kinder werden fälschlicherweise mit Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADHS) und Hyperaktivität diagnostiziert“, erklärt Dr. Yosh Jefferson, ehemaliger Präsident des Internationalen Verbands für Kieferorthopädie (IAO) und der NJ Akademie für Allgemeine Zahnmedizin, in einer Publikation.3,4
Nur durch eine ruhige, geregelte Nasenatmung kann die Luft von Staubpartikeln, potenziellen Allergenen und Bakterien gereinigt, ausreichend befeuchtet und erwärmt werden. Ein häufig offener Mund bedeutet zudem eine Störung der oralen Flora und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Karies.
Entscheidend ist außerdem, dass bei der Mundatmung das Atemvolumen zu groß ist. Betroffene atmen also chronisch zu viel. Aufgrund der damit verbundenen vermehrten Abatmung von Kohlendioxid und des Bohr-Effektes kommt es zu einer Linksverschiebung der Sauerstoffbindungskurve: Die Sauerstoffträger geben den Sauerstoff in den Geweben schwerer wieder ab, die Oxygenierung der Gewebe wird also schlechter.
Studien konnten zeigen, dass die Sauerstoffversorgung des Gehirns bei Mundatmern oft insuffizient ist, was sich langfristig in den kognitiven Leistungen, dem Lernvermögen und dem Verhalten widerspiegelt.3
Eltern sollten das Atemmuster ihres Kindes beobachten, wenn es gerade auf etwas anderes konzentriert ist, etwa Hausaufgaben macht, Fernsehen schaut oder schläft. Ist der Mund mehr als 40 % der Zeit offen, besteht Handlungsbedarf. Außerdem sollten Hinweise auf eine schlafbezogene Atemstörung, einschließlich obstruktiver Schlafapnoe, erfragt werden, z.B.: Schläft Ihr Kind mit offenem Mund? Wälzt es sich nachts hin und her und wacht morgens mit verhedderten Bettdecken auf? Schnarcht es oder treten während des Schlafs Atempausen auf? Ist seine Atmung während des Schlafs hörbar? Ist sein Schlaf gestört? Hat es Albträume, wacht es auf, um auf die Toilette zu gehen, oder macht es nachts ins Bett? Wacht es müde auf, mit trockenem Mund oder verstopfter Nase?2,3
Die ist ein sanftes Atemtrainingsprogramm, das entwickelt wurde, um ungesunde Atemmuster wieder zu verlernen. Es ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen geeignet. Da sie sich in Studien als effektiv gezeigt hat, ist die Methode unter anderem von der 'British Medical Thoracic Society' als Standardoption in der ärztlichen Behandlung von Asthma anerkannt.
Im Internet sind bereits viele kostenlose Übungen für Kinder veröffentlicht, etwa auf der .
Weiterführende Bücher mit Übungen:
Auch der Lippenschluss, die Zungenlage und das Schlucken sind bei vielen Kindern mit diesen Problemen korrekturbedürftig und beeinflussen die Entwicklung der anatomischen Gegebenheiten und der Zähne. Mehr und mehr Zahnärzte und Kieferorthopäden sprechen sich für frühzeitige Interventionen aus, die zwar aktive Mitarbeit erfordern, aber immer noch einfacher sind, als erst tätig zu werden, wenn Fehlstellungen in einem ausgewachsenen Kiefer bestehen.5,6
Es ist wichtig, dass alle Ärzte (einschließlich Allgemein- und Kinderzahnärzte) Erwachsene und Kinder ab 5 Jahren auf Mundatmung untersuchen, da ihre negativen Auswirkungen auf die Gesichts- und Zahnentwicklung sowie die damit verbundenen medizinischen und sozialen Probleme bei frühzeitiger Korrektur oft vermieden werden können, resümiert Jefferson.3,4