Können Apps die Rheuma-Versorgung verbessern? Neue Tools für PsO und PsA

DiGA statt Arzt? So weit darf und wird es nicht kommen. Doch digitale Tools könnten die Versorgung von Rheumapatienten sinnvoll ergänzen.

Warum Apps für Psoriasis und Psoriasisarthritis?

  • Psoriasis (PsO) und Psoriasisarthritis (PsA) sind chronische Erkrankungen mit fluktuierendem Verlauf und hoher Krankheitslast.
  • Die Behandlung erfordert eine hohe Compliance, nicht jeder Patient bleibt über viele Jahre hinweg adhärent.
  • Bei Patienten mit PsO und PsA treten Stress und psychische Komorbiditäten besonders häufig auf.
  • Durch den zunehmenden Mangel an Fachärzten drohen Engpässe bei der komplexen Versorgung von Rheumapatienten.
  • Das Potenzial digitaler Tools in der Rheumatologie liegt vor allem in den Bereichen Symptom-Monitoring, Edukation und psychologische Unterstützung.

Ein Team der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, Universitätsklinikum Mannheim, hat derzeit verfügbare Apps für PsO und PsA im deutschsprachigen Raum identifiziert und analysiert. Dabei fanden sie drei unterschiedliche Schwerpunkte bei den digitalen Anwendungen: 

  • Apps mit dermatologischem Fokus,
  • Apps mit rheumatologischem Fokus,
  • edukative und therapiebegleitende Tools.

Monitoring, Chatfunktion und personalisierte Empfehlungen

Ein Beispiel für eine App mit dermatologischem Schwerpunkt ist Sorea, die in Kooperation mit dem Deutschen Psoriasis Bund entwickelt wurde. Sie bietet ein digitales Symptom-Monitoring, ein Tagebuch zur Auslösererkennung sowie edukative Inhalte. Über eine integrierte Chatfunktion können Nutzer darüber hinaus Kontakt zu Fachpersonal aufnehmen.

Eine formale wissenschaftliche Evaluation liegt derzeit noch nicht vor. Allerdings wurde Sorea in einem Review (doi: 10.2196/34017) zur Bewertung von Psoriasis-Apps eine hohe Funktionalität, Ästhetik und Informationsqualität bescheinigt.

Zu den digitalen Tools mit rheumatischem Schwerpunkt gehört die Milda Rheuma App, die sich u. a. an Patienten mit PsA richtet und vor allem bei komplexen Verläufen Unterstützung bietet. Dabei werden KI-generierte personalisierte Empfehlungen ausgesprochen, basierend auf Symptomen und Medikationsverlauf. 

In einer prospektiven Pilotstudie (doi: 10.1007/s00296-022-05175-4) mit kleiner Fallzahl (n = 17 Patienten) zeigte sich nach vier Wochen eine signifikante Verbesserung von Lebensqualität und Krankheitslast; unerwünschte Ereignisse traten nicht auf.

Großes Interesse an Apps

Auch wenn eine umfassende Evaluation und damit der Status als DiGA im Sinne des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bislang noch fehlen, können digitale Anwendungen aus Sicht der Autoren schon jetzt das Selbstmanagement von Rheumapatienten unterstützen und die Versorgung verbessern.

Die Betroffenen selbst scheinen digitaler Hilfe gegenüber aufgeschlossen zu sein: In einer Befragung mit knapp 250 Rheumapatienten in Deutschland wünschten sich 76 % spezifische Anwendungen; 70 % würden sie auf Nachfrage regelmäßig nutzen (doi: 10.1007/s00393-025-01745-6).

Quelle:
  1. Bychkova I et al., Medizinische Gesundheits-Apps für Psoriasis und Psoriasisarthritis. Z Rheumatol 2025; 84: 780–785.