- Triantafyllias K, Dapper AK, Schwarting A. Immunoadsorption bei rheumatischen Autoimmunerkrankungen: eine alternative Therapieoption. Z Rheumatol. 2025;84:452-461. doi:10.1007/s00393-025-01677-1
Die Immunadsorption ist ein seit Jahren etabliertes Verfahren in der Rheumatologie. Sie ist bei rheumatoider Arthritis und systemischem Lupus erythematodes zugelassen, wird aber auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen eingesetzt. Zum Einsatz kommt sie vor allem dann, wenn konventionelle Therapien nicht ausreichen, nicht vertragen werden oder vorübergehend nicht infrage kommen.
Das Prinzip: Über einen peripheren oder zentralen Gefäßzugang werden gezielt bestimmte Plasmaproteine aus dem Blut entfernt, darunter vor allem Immunglobuline. Anders als bei einer klassischen Immunsuppression greift man damit nicht breit in das Immunsystem ein, sondern reduziert zirkulierende Bestandteile, die zur Krankheitsaktivität beitragen können.
Die Behandlung erfolgt dabei in der Regel in mehreren Sitzungen, unterbrochen von therapiefreien Tagen.
Welche Rolle die Immunadsorption im klinischen Alltag spielt und wie wirksam und sicher sie ist, zeigt eine retrospektive Analyse aus dem Rheumazentrum Rheinland-Pfalz. Eingeschlossen wurden 31 Patienten mit unterschiedlichen rheumatischen Erkrankungen, überwiegend mit rheumatoider Arthritis. Insgesamt wurden 373 Immunadsorptionsbehandlungen durchgeführt – meist nicht als Monotherapie, sondern ergänzend zu bestehenden medikamentösen Therapien, etwa mit Glukokortikoiden oder Analgetika.
Bei der Patientenversorgung wird die Immunadsorption vor allem als Bridging-Therapie eingesetzt, also zur Überbrückung, bis eine andere medikamentöse Behandlung greift oder wieder aufgenommen werden kann. Sie kommt außerdem bei Kontraindikationen gegen eine Immunsuppression oder als Ultima Ratio bei therapierefraktären Verläufen infrage.
Hauptgründe für den Einsatz waren laut Studie:
Ein klinischer Therapieeffekt wurde bei 48 % der Behandelten beobachtet. Dabei zeigte sich, dass ein Ansprechen nicht zwingend an eine begleitende Glukokortikoidtherapie gebunden war. Das spricht für einen eigenständigen therapeutischen Effekt der Immunadsorption.
Auch laborchemisch bestätigte sich das Wirkprinzip: Die Behandlung führte zu einer deutlichen Reduktion der Immunglobulinspiegel. Besonders ausgeprägt war der Effekt bei IgG, das im Median um etwa 50 % sank. Aber auch IgM und IgA nahmen ab.
Wie oft Behandlungen mit Immunadsorption durchgeführt werden, ist im klinischen Alltag bislang nicht einheitlich festgelegt. Standardisierte Protokolle fehlen weitgehend, sodass die Abstände zwischen den Behandlungen meist individuell gewählt werden. Gerade deshalb ist ein Ergebnis der Studie für die Praxis besonders interessant: Patienten mit kürzeren Behandlungsintervallen profitierten häufiger von der Therapie. Bei ihnen lagen die Abstände typischerweise bei etwa 4–7 Tagen (Median: 5,5 Tage), während sie bei Patienten ohne Ansprechen eher bei 7–14 Tagen (Median: 7 Tage) lagen.
Insgesamt zeigte sich die Immunadsorption in dieser Analyse als gut verträglich. Nebenwirkungen traten bei etwa einem Viertel der Patienten auf, waren jedoch überwiegend mild. Am häufigsten wurden vorübergehende Blutdruckabfälle beobachtet; etwa 20 % der Behandelten waren davon betroffen.
Deutlich seltener kam es zu Kribbeln im Gesicht, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, lokalen Schmerzen oder katheterassoziierten Komplikationen.
Die Immunadsorption ist eine sinnvolle Ergänzung im Management rheumatischer Erkrankungen, wenn Standardtherapien an Grenzen stoßen. Etwa jeder zweite behandelte Patient profitiert klinisch, bei insgesamt recht gutem Sicherheitsprofil. Für die Praxis besonders relevant sind der mögliche eigenständige Effekt der Therapie und der Zusammenhang zwischen kürzeren Behandlungsintervallen und besserem Ansprechen. In komplexen therapeutischen Situationen lohnt es sich daher, diese Option zur Reduktion der Krankheitsaktivität in Betracht zu ziehen.