Das Wichtigste auf einen Blick:
- Die tansarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE) ist ein minimal-invasives Katheterverfahren zur lokalen Behandlung chronischer Gelenkschmerzen.
- Die meiste Erfahrung liegt bisher bei Kniearthrose; diskutiert werden aber auch weitere Einsatzgebiete wie etwa Schulter- oder Fingerarthrose.
- Für die Rheumatologie ist das Verfahren bei therapieresistenter Monarthritis interessant, die Datenlage ist bisher jedoch noch begrenzt.
Was kann TAPE leisten?
Das Prinzip von TAPE ist einfach: Behandelt wird gezielt die krankhaft gesteigerte Durchblutung rund um das schmerzhafte Gelenk. Über einen Mikrokatheter werden dafür sehr selektiv kleine, gelenknahe Arterien embolisiert. Es kommen verschiedene Embolisate zum Einsatz; temporäre Gefäßverschlüsse werden z. B. mit Cilastatin/Imipenem oder resorbierbaren Partikeln erreicht, permanente durch die Injektion von Mikrosphären. Insgesamt dauert der Eingriff etwa 30 Minuten.
TAPE kann als lokale Schmerztherapie bei Arthrose vor allem dann interessant sein, wenn Standardbehandlungen nicht ausreichen oder systemische Analgetika wegen Begleiterkrankungen problematisch sind.
TAPE bei Kniearthrose
Die meiste Erfahrung liegt bei Kniearthrose vor. Die bisher publizierten kleinen Studien sprechen dafür, dass die Schmerzen nach TAPE zurückgehen und die Patienten weniger Analgetika benötigen. Zum Beispiel sank in einer prospektiven Studie an 72 Patienten der WOMAC-Schmerzscore deutlich – von 12,1 zu Studienbeginn auf 2,6 nach 24 Monaten. Auch langfristig zeigte sich ein Effekt: Nach 36 Monaten lag die Erfolgsrate der Embolisation bei 86,3 %.
Weitere Einsatzgebiete
Dass TAPE nicht nur zur Linderung von Kniebeschwerden beitragen könnte, zeigen weitere kleinere Arbeiten und Fallberichte zu Fingerarthrose, Schulterschmerzen und Ellenbogenbeschwerden. Interessant ist u. a. eine kleine Studie zur Rhizarthrose: Hier wurde über 24 Monate eine signifikante Schmerzreduktion bei einer Erfolgsrate von 100 % beschrieben, ohne dass Nebenwirkungen nachgewiesen wurden.
TAPE bei Rheuma
Auch bei rheumatischen Gelenkbeschwerden könnte TAPE von Nutzen sein, wenn trotz systemischer Therapie ein einzelnes Gelenk weiterhin Beschwerden bereitet. Als weitere mögliche Indikation wird die Checkpointinhibitor-assoziierte Arthritis genannt. Der Vorteil eines solchen lokalen Ansatzes könnte darin liegen, die Entzündung gezielt am betroffenen Gelenk zu beeinflussen, ohne dabei die systemische Immunregulation unnötig zu beeinträchtigen.
Sicherheit und Nebenwirkungen
Als mögliche Nebenwirkungen wurden vor allem lokale Begleiterscheinungen beschrieben. Transiente kutane Ödeme traten bei 2,5 % nach Verwendung temporärer Embolisate und bei 12 % nach Verwendung permanenter Embolisate auf. Hämatome im Bereich des Gefäßzugangs wurden bei 10 % beobachtet, plantare sensorische Parästhesien bei 1,1 % der Interventionen. Fieber trat bei 0,55 % der Behandelten auf. Hinzu kommt, dass die Anwendung von Cilastatin/Imipenem im Rahmen der TAPE ein Off-label-Use ist und daher eine besonders sorgfältige Aufklärung erfordert.
Fazit
Der Übersichtsartikel beschreibt TAPE als interessante lokale Option für Patienten mit chronischen Arthroseschmerzen und rheumatischer Monarthritis. Bevor sich der Stellenwert dieser Therapie abschließend beurteilen lässt, sind jedoch qualitativ hochwertige und belastbare Langzeitdaten erforderlich. In diesem Rahmen fordern die Autoren daher randomisierte kontrollierte Studien, auch im Vergleich zum möglichen Konkurrenzverfahren Radiosynoviorthese, sowie Untersuchungen dazu, welches Embolisat je nach behandeltem Gelenk die beste Wirksamkeit aufweist.
- Pfeil, A., Pflug, C., Wolf, G. et al. Transarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE) – Vom Schmerz zur Stille: TAPE als neue lokale Option bei Arthrose und perspektivisch bei entzündlich rheumatischen Gelenkerkrankungen. Z Rheumatol 84, 658–663 (2025). https://doi.org/10.1007/s00393-025-01708-x