TENS bei Fibromyalgie: weniger Schmerzen bei Bewegung

Eine große Praxisstudie zeigt, dass TENS die Physiotherapie sinnvoll ergänzen kann – mit relevanter Wirkung auf bewegungsabhängige Schmerzen und Fatigue. Was Sie Ihren Patienten dazu raten können.

Das Wichtigste auf einen Blick

Bewegung gilt beim Fibromyalgiesyndrom als wichtiger therapeutischer Baustein. Genau dort liegt aber oft das Problem: Viele Betroffene brechen die körperliche Aktivität ab, weil Schmerzen und Erschöpfung unter Belastung zunehmen. Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) die Physiotherapie sinnvoll ergänzen könnte. Der Grundgedanke: Die Elektrostimulation kann endogene inhibitorische Mechanismen im zentralen Nervensystem aktivieren und somit die zentrale Erregbarkeit in den schmerzverarbeitenden Bahnen reduzieren. Das Verfahren könnte sich damit günstig auf das Schmerzempfinden der Betroffenen auswirken.

  • TENS plus Physiotherapie reduzierte bewegungsabhängige Schmerzen stärker als Physiotherapie allein.
  • Auch Ruhe-Schmerz, Schmerzbeeinträchtigung im Alltag sowie Fatigue in Ruhe oder unter Bewegung besserten sich unter TENS.
  • Keine signifikanten Vorteile zeigten sich bei körperlicher Aktivität, Angst sowie beim schmerzbezogenen Grübeln und Sorgen.
  • Die stärkste Schmerzreduktion zeigte sich bei regelmäßiger Anwendung.
  • Schwere TENS-assoziierte Nebenwirkungen traten nicht auf.

In der FM-TIPS-Studie wurden insgesamt 459 Personen mit Fibromyalgie untersucht. Die Intervention lief nicht in einem spezialisierten Studienzentrum, sondern in 28 ambulanten Physiotherapie-Praxen. 

Die Praxen arbeiteten entweder mit Physiotherapie plus TENS oder mit Physiotherapie allein. Ausgewertet wurden knapp 400 Patienten: 191 erhielten zusätzlich zur Physiotherapie ein TENS-Gerät, 193 wurden zunächst nur physiotherapeutisch behandelt. Nach 60 Tagen bekam auch die Vergleichsgruppe ein TENS-Gerät.

TENS-Anwendung in der Studie

Die Patienten bekamen ein TENS-Gerät für die Anwendung zu Hause. Die Elektroden wurden am oberen und unteren Rücken angebracht. Die Teilnehmenden sollten das Gerät möglichst zwei Stunden pro Tag tragen, wenn sie aktiv waren. Eine einzelne Anwendung sollte dabei mindestens 30 Minuten dauern.

Eingestellt wurde eine modulierte Frequenz von 2-125 Hz, eine Impulsdauer von 100-180 Mikrosekunden und eine „starke, aber angenehme“ Stimulationsintensität.

Der wichtigste Endpunkt war Schmerz bei einer kleinen Belastungsaufgabe zu Hause: Die Teilnehmenden standen fünfmal hintereinander von einem Stuhl auf und setzten sich wieder hin. Anschließend gaben sie an, wie stark die Schmerzen dabei waren. Zusätzlich wurden Ruhe-Schmerz und Fatigue abgefragt. Um den Akuteffekt zu prüfen, wurde die Aufsteh-Aufgabe nach 30-minütiger TENS-Anwendung (bzw. nach 30 Minuten Ruhe) wiederholt. Darüber hinaus erfassten die Forschenden über den Studienverlauf hinweg die Schmerzbeeinträchtigung, die Fibromyalgie-Belastung, die Aktivität und die Stimmung.

Weniger Schmerz und Fatigue, kein Aktivitätsschub

Nach 60 Tagen schnitt die TENS-Gruppe beim belastungsabhängigen Schmerz besser ab. Der Unterschied zur Physiotherapie allein lag bei 1,2 Punkten auf einer Skala von 0 bis 10. Das ist kein sehr großer Effekt, aber für eine nichtmedikamentöse Zusatztherapie klinisch relevant. Ebenfalls reduziert waren Ruhe-Schmerz, Schmerzbeeinträchtigung, Fatigue bei Bewegung, Fatigue in Ruhe und der Fibromyalgia-Impact-Score.

Auch die Einschätzung der Betroffenen sprach für einen Nutzen. Eine mindestens 30-prozentige Reduktion des belastungsabhängigen Schmerzes erreichten 41 % der TENS-Gruppe, aber nur 13 % unter Physiotherapie allein. Eine subjektive Besserung berichteten 72 % gegenüber 51 %. Schwere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet; leichtere Beschwerden wie Hautirritationen, Juckreiz oder unangenehme Stimulation traten bei 30 % der Teilnehmenden im Verlauf der Studie auf.

Wichtig ist aber: Manche Aspekte verbesserten sich unter TENS nicht signifikant.  Die Elektrostimulation führte nicht dazu, dass Patienten insgesamt körperlich aktiver waren: Weder Ausdauerbewegung noch Kraft- oder Dehnübungen nahmen zu. Keinen signifikanten Effekt hatte TENS zudem auf Schlafqualität, Angst sowie schmerzbezogenes Grübeln und Sorgen.

Nutzung und Effekt

Die Studie zeigt auch: Patienten, die TENS häufig anwendeten, profitierten am stärksten. Wer das Verfahren über die ersten 60 Tage regelmäßig nutzte, hatte die stärkste Reduktion des bewegungsabhängigen Schmerzes; bei geringerer Nutzung fielen die Veränderungen deutlich kleiner aus.

Quelle
  1. Dailey DL, Vance CGT, Van Gorp BJ, et al. Transcutaneous Electrical Nerve Stimulation and Pain With Movement in People With Fibromyalgia: A Cluster Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(3):e262450. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.2450