Wie wichtig ist die frühe therapeutische Intervention für den Therapieerfolg in der Rheumatologie?

Vorrangige Intention bei der Behandlung der rheumatischen Arthritis ist heute nicht mehr die Symptomminderung, sondern ausdrücklich die Eindämmung der Krankheitsprogression. Dieses soll erreicht werden durch ein zielorientiertes und stetig adaptiertes Therapie-Management (treat to target) und die rechtzeitige Gabe von DMARD

Da schon wenige Wochen Behandlungsverzögerung für den Betroffenen einen lebenslang spürbaren Unterschied bedeuten können, plädieren Experten mittlerweile dafür, die Früharthritis explizit als Notfall zu betrachten. Es mehrt sich die Zahl der Praxen und Versorgungseinrichtungen, die vom Hausarzt vorselektierte Patienten mit „Verdacht auf rheumatoide Arthritis/ RA“ terminlich kategorisch vorziehen.

Frühes Zeitfenster nicht verpassen!

Leider sieht es meistens aber anders aus: Nur rund ein Viertel aller Betroffenen erhalten unverzüglich eine krankheitsmodifizierende Therapie und durchschnittlich vergeht bis zur Diagnosestellung ein ganzes Jahr. Letzteres ist sicher nicht nur ein ärztliches Versäumnis... Viele Menschen nehmen erste Gelenk-Symptome zunächst entweder nicht ernst oder sie haben umgekehrt – ggf. durch schwer Rheuma-betroffene ältere Verwandte – ein verfestigtes Negativ-Bild, was Einflussnahme und Prognose dieser Erkrankung betrifft. Dies führt dann eher zu Verdrängung oder stiller Resignation.

In all diesen Fällen sollte der behandelnde Arzt frühzeitig durch angemessene Kommunikation aktiv werden: Auf der einen Seite Ängste nehmen und auf die heute möglichen Behandlungserfolge verweisen, auf der anderen Seite aber auch eindringlich vor den Risiken einer weiteren Verschleppung warnen und die Betroffenen zu einer guten Mitarbeit motivieren. Auf Patienten zugeschnittenes Infomaterial der rheumatologischen Gesellschaften ist hier oft hilfreich.

Aber auch für den Arzt kann es sinnvoll sein, sich die Konsequenzen eines protrahierten Therapie-Starts zu vergegenwärtigen. Als kleine Unterstützung bzw. Argumentationshilfe daher nachfolgend ein paar Auszüge aus leitlinien-relevanten Studien bzw. Metaanalysen:

Was passiert, wenn nichts passiert...

Welche Chance birgt der unmittelbare Therapie-Beginn?

Abschließend sei noch erwähnt, dass natürlich auch eine begleitende Physio-/ Ergotherapie möglichst frühzeitig einsetzen sollte, um Schonhaltung, Fehlbelastung etc. erst gar nicht einreißen zu lassen.

Fazit und Plädoyer:

Fakt ist: Man sollte die autoimmunologischen Prozesse vorzugsweise noch vor ihrer unvermeidlich destruktiven Kettenreaktion stoppen.

Dazu wird in den neusten Leitlinien folgendes empfohlen bzw. gefordert: eine frühestmögliche Diagnosesicherung, eine krankheitsmodifizierende Behandlung – optimalerweise in den ersten 3 Monaten und mit dem Ziel der Remission, regelmäßige Kontrollen z. B. mit dem Standardinstrument DAS28 sowie im Idealfall die Versorgung durch ein multidisziplinäres Team.

Während weiterhin nach verbesserten Therapie-Optionen – verstärkt auch in Richtung „personalisierte Medizin“ – geforscht wird, sollten sich Mediziner bewusst sein, dass sie mit dem Zeitfaktor bereits jetzt entscheidenden Einfluss auf einen der hier wichtigsten Erfolgselemente haben.

Autorin:
Dr. med. Monika Steiner

Quellen:

2015 American College of Rheumatology Guideline for the Treatment of Rheumatoid Arthritis. Singh JA et al. Arthritis Rheumatol. 2016 Jan;68(1):1-26.

Rheumatoid arthritis—early diagnosis and disease management
Schneider, M., Krüger, K. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(27-28): 477-84;

Long-Term Outcomes of Patients With Recent-Onset Rheumatoid Arthritis After 10 Years of Tight Controlled Treatment: A Randomized Trial. Markusse IM et al. Ann Intern Med. 2016 Apr 19;164(8):523-31.

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