Wie wichtig ist die frühe therapeutische Intervention für den Therapieerfolg in der Rheumatologie?

Rheumatoide Arthritis, axiale Spondyloarthritis und Psoriasisarthritis sind progressive, chronisch-entzündliche Erkrankungen, die neben den typischen Gelenk- und ggf. Hautbeteiligungen vielfältige systemische Komorbiditäten aufweisen und die Lebensqualität erheblich einschränken können.

„Window of opportunity“ nutzen

Experten gehen heute davon aus, dass es bei den Erkrankungen des rheumatologischen Formenkreises ein recht schmales Zeitfenster gibt, in welchem der Verlauf mithilfe bewährter DMARD (disease-modifying antirheumatic drugs) optimal beeinflusst werden kann. Bei rheumatoider Arthritis beträgt dieses laut internationalen Leitlinien beispielsweise lediglich eine Spanne von 12 Wochen nach Eintritt erster Symptome.
Und auch, wenn es bei späterem Therapiebeginn oft befriedigende Ergebnisse gibt, sollte es das Ziel jedes Hausarztes, Dermatologen, Orthopäden etc. sein, bei erstem Verdacht nicht abzuwarten oder nur schmerzstillend tätig zu werden. Selbst und gerade, weil die Diagnostik in der frühen Phase oft so schwierig ist, muss im Zweifel bald an einen rheumatologischen Spezialisten weiterverwiesen werden.

Frühe Intensivbehandlung erfolgversprechend

Nach heutigen evidenzbasierten Empfehlungen sollte die Therapie dabei nicht nur zügig eingeleitet werden, sondern sie sollte auch ausreichend stark und effizient sein. In der Regel wird mit der Mono- oder Kombinationsbehandlung diverser synthetischer krankheitsmodifizierender Medikamente begonnen, wobei hier Methotrexat (MTX) nach wie vor eine zentrale Bedeutung hat.

Die Entwicklung hocheffektiver biologischer DMARDs hat beim Management der chronisch-inflammatorischen rheumatischen Erkrankungen ganz neue Maßstäbe gesetzt. Insbesondere die zielgerichteten Inhibitoren des Tumor-Nekrose-Faktors-α (TNF-α) wie Infliximab haben sich hier mittlerweile seit vielen Jahren als first-line Biologika bewährt. Sie demonstrierten in vielen Studien nicht nur eine ausgezeichnete Symptomkontrolle, sondern vor allem auch eine nachweisbar verminderte Krankheitsprogression.

Biologika kommen schneller zum Einsatz

Die im Vergleich zu traditionellen DMARDs teilweise deutliche Überlegenheit führte dazu, dass diese – meist auch gut verträglichen – Biologika heute oft nicht erst bei Versagen chemischer Basistherapien zum Zuge kommen. So stellen beispielsweise die Empfehlungen der Expertengruppe GRAPPA (Group for Research and Assessment of Psoriasis and Psoriatic Arthritis) den Einsatz von TNF-α-Blockern nicht nur als Goldstandard ab „Phase 3" heraus. Sie befürworten explizit auch einen beschleunigten Einsatz dieser biologischen Arzneimittel in früheren Stadien – zumindest als Alternativoption. In vielen Fällen wird nach einer solchen Intensivbehandlung zu Beginn eine Remission erreicht, die dann später auch längere therapiefreie Phasen zulässt.

Den Patienten mitnehmen!

Ein häufig unterschätzter Faktor in der erfolgreichen Behandlung von Rheuma-Patienten ist auch die aktive Einbindung des Betroffenen in die Bewältigung seiner Krankheit. Wer sich gut über Symptome, Medikamente und Perspektiven informiert fühlt, Unklarheiten offen ansprechen kann und bei Bedarf auch die passende medizinische, psychosoziale oder praktische Unterstützung erfährt, wird unvermeidbare Durststrecken motivierter durchstehen. Dabei muss nicht alles in Medizinerhand liegen: Auch Selbsthilfegruppen oder Verbände wie die Rheuma-Liga können hier sehr hilfreich sein – Impulsgeber und wichtigster Ansprechpartner sollte aber von Anfang an der behandelnde Arzt sein.

Autorin:
Dr. med. Monika Steiner

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