Pyelonephritis oft schwerer in COVID-Zeiten

Lange schon vermutet, lieferten UrologInnen um Prof. Haferkamp aus Mainz nun erstmals harte Fakten: In der COVID-Pandemie erleiden auch andere PatientInnen Kollateralschäden. So kamen beispielsweise im vergangenen Jahr weniger PatientInnen mit Pyelonephritis in die Notaufnahmen. Wurden sie schließlich als Notfälle eingeliefert, war die Erkrankung in vielen Fällen bereits weit fortgeschritten, mit einem höheren Risiko für einen ungünstigen Ausgang.

Lange schon vermutet, lieferten UrologInnen um Prof. Haferkamp aus Mainz nun erstmals harte Fakten: In der COVID-Pandemie erleiden auch andere PatientInnen Kollateralschäden. So kamen beispielsweise im vergangenen Jahr weniger PatientInnen mit Pyelonephritis in die Notaufnahmen. Wurden sie schließlich als Notfälle eingeliefert, war die Erkrankung in vielen Fällen bereits weit fortgeschritten, mit einem höheren Risiko für einen ungünstigen Ausgang.

Mit der COVID-19-Pandemie gingen innerhalb des vergangenen Jahres die Notfälle in vielen Kliniken spürbar zurück. Und obgleich sich dieser Trend sowohl in der Kardiologie als auch in der Pädiatrie oder der Urologie zeigte, gab es hierzu bisher keine belastbaren Zahlen.

Eine aktuelle retrospektive, multizentrische Studie aus Deutschland liefert erstmals eine statistische Auswertung für die Pyelonephritis in urologischen Kliniken. Die darin ermittelten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und sind einmal mehr Beweis dafür, dass die Coronavirus-Pandemie zu teils erheblichen Kollateralschäden führt.

Die Menschen vermeiden die Notaufnahmen

Die ForscherInnen um Prof. Haferkamp untersuchten in ihrer Studie 120 PatientInnen mit Pyelonephritis im Zeitraum von März bis April in den Jahren 2019 (vor der Pandemie) und 2020 (in der COVID-19-Pandemie). Ein wichtiges Ergebnis der Arbeit: Die PatientInnen vermieden während der Coronapandemie den Gang in die Notaufnahmen (37% in der Pandemie vs. 63% vor der Pandemie). Dies entsprach einer Reduktion der Notfallkonsultationen um -42% (p=0,003). Dafür gab es im Wesentlichen zwei mögliche Gründe:

Spätere Diagnose in der Klinik und schlechtere Prognose

Haferkamp und KollegInnen beobachteten zudem, dass die PatientInnen mit einer Pyelonephritis nicht nur seltener in die urologische Klinik kamen, sondern vielmehr auch in einem weiter fortgeschrittenen Stadium. Gerade mit Blick auf das Urosepsis-Risiko ist dies eine sehr gefährliche, teils lebensbedrohende Entwicklung, beträgt doch die Mortalität bei Urosepsis zwischen 18% und 28%.

Für PatientInnen ist die Pyelonephritis schwer einzuschätzen und daher sehr gefährlich. Meist kommt es schleichend zu einer Zunahme der Symptomatik, von Fieber und Flankenschmerz über Dysurie bis hin zur Urosepsis bei besonders schwerem Verlauf.

Die bereits weit fortgeschrittene Erkrankung zeigte sich einerseits in den Entzündungswerten im Blut. So war die Zahl der Leukozyten (13,7/µl vs. 11,7/µl) ebenso erhöht wie z. B. der Wert für das C-reaktive Protein (CRP; 83 mg/l vs. 74 mg/l). Andererseits stieg die Zahl derer mit schweren Krankheitsverläufen und nachteiligem Ausgang von 6,6% vor Corona auf 20,5% in der Pandemie.

Was bedeuten diese Daten für die urologische Praxis?

Originalpublikation:
Borgmann H et al.,  Increased Severe Adverse Outcomes and Decreased Emergency Room Visits for Pyelonephritis: First Report of Collateral Damage during COVID-19 Pandemic in Urology. Urol Int 2021; 105: 199–205 

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