Hypo- und Hypercalcämie: Diagnostik und Therapie in der Notaufnahme

Calciumstörungen bleiben wegen ihrer unspezifischen Symptomatik oft unerkannt. Der Schlüssel zur Differenzierung liegt im Parathormon – ein Überblick über die wichtigsten diagnostischen Schritte zur Erkennung der Grunderkrankung.

Calciumstörungen im Überblick:

  • 3-4 % der Patienten in der Notaufnahme weisen eine Hypocalcämie auf, davon liegt bei 11 % eine schwere Form (Ca < 1,9 mmol/l) vor. Eine Hypercalcämie findet sich bei knapp 1 % der Patienten.
  • Calciumstörungen führen häufig zu vielfältigen, unspezifischen Symptomen.
  • Typisch für eine Hypercalcämie sind Abgeschlagenheit, Übelkeit, Verwirrtheit, Durst und Polyurie.
  • Eine Hypocalcämie kann periorales Kribbeln, Tetanie und Krampfanfälle auslösen. Wichtige klinische Hinweise sind Trousseau- und Chvostek-Zeichen.
  • Calciumstörungen stehen häufig in Zusammenhang mit anderen Elektrolytstörungen oder Malignomen und gehen mit einer erhöhten 28-Tage-Mortalität einher.

Diagnostik von Calciumstörungen

Der zentrale Parameter bei Störungen der Calciumhomöostase ist neben Calcium selbst das Parathormon (PTH). Es reguliert den Calciumspiegel im Serum und liefert wichtige Hinweise auf die zugrundeliegende Pathologie.

So lassen sich die beiden häufigsten Ursachen für eine Hypocalcämie mithilfe des PTH unterscheiden:

  • Parathormon erhöht: spricht meist für einen Vitamin-D-Mangel,
  • Parathormon niedrig: spricht meist für Hypoparathyreoidismus (postoperativ, genetisch oder autoimmun).

Auch bei der Hypercalcämie hilft der PTH-Wert weiter. Rund 90 % der Fälle sind auf eine von zwei Ursachen zurückzuführen. Ein erhöhtes (oder inadäquat normales) PTH spricht für einen primären Hyperparathyreoidismus (PTH-abhängig). Ein erniedrigtes PTH hingegen deutet auf ein Malignom hin (PTH-unabhängig).

Eine häufige Ursache für eine schwere Hypercalcämie ist das multiple Myelom. Aber auch andere maligne Erkrankungen, die in den Knochen metastasieren, können eine Hypercalcämie bei niedrigem Parathormon verursachen.

Therapie der Hypercalcämie

Die Therapie richtet sich nach der Grunderkrankung. Bei der Normalisierung des Calciumspiegels sollten Schweregrad, Symptomatik und zeitlicher Verlauf berücksichtigt werden. 

Therapie der Wahl sind bei der Hypercalcämie Hydratation und Bisphosphonate bzw. Denosumab. Überbrückend kann Calcitonin eingesetzt werden, das schneller wirkt und in der Regel gut vertragen wird. Bei hohen Calciumwerten erfolgt oft eine forcierte Diurese, für die es jedoch keine gute Evidenz gibt. So kann Furosemid die Calciurese zwar steigern; der Einsatz beruht jedoch lediglich auf Fallserien aus der Zeit, in der noch keine Bisphosphonate zur Verfügung standen. Als Ultima Ratio dient die Dialyse, die aber selten notwendig ist.

Substitution zusammen mit Vitamin D

Bei der Hypocalcämie wird Calcium substituiert. Akut werden i.v.-Boli unter einem engmaschigen Monitoring verabreicht, ggf. müssen auch andere Elektrolyte wie Magnesium ausgeglichen werden. Für die langfristige Behandlung werden Calcium und Vitamin D3 oral substituiert, verbunden mit einer ausreichenden diätetischen Calciumzufuhr von mindestens 1 g pro Tag.

Gut zu wissen: calciumhaltige Lebensmittel

  • Milch und Milchprodukte
  • Grünkohl, Spinat, Mangold
  • Mohn
  • Tofu
  • Sesamsamen
  • Grapefruit, schwarze Johannisbeeren, Himbeeren

Je nach zugrundeliegender Erkrankung, die ggf. weiter abgeklärt werden muss, kann die Behandlung ambulant durchgeführt werden oder sollte im Rahmen eines stationären Aufenthalts erfolgen. Als Orientierung gilt: 

  • Calciumspiegel > 3,5 mmol/l (schwere Hypercalcämie) und 
  • Calciumspiegel < 1,9 mmol/l (schwere Hypocalcämie) 

sollten stationär behandelt werden.

Quelle:
  1. Schmidt, Julius (Oldenburg): Hyper- und Hypocalcämie: Was ist ein Notfall? Session „Elektrolytstörungen“. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin 2025, Wiesbaden, 03.–06.05.2025.