- Garcia-Lozano C et al., Routine vs Selective Calcium Supplementation After Total Thyroidectomy. A Randomized Clinical Trial. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg 2026, online 19. Februar.
Bei der Therapie einer postoperativen Hypokalzämie werden zwei Hauptstrategien unterschieden:
Die routinemäßige Verabreichung von C+C kann eine Hypokalzämie verhindern, birgt aber zugleich das Risiko einer Übertherapie mit Nebenwirkungen wie gastrointestinalen Symptomen bis hin zum akuten Nierenversagen. Die selektive Strategie beruht dagegen auf dem postoperativen PTH-Wert als Prädiktor für eine Hypokalzämie.
In ihrer multizentrischen, randomisierten klinischen Studie nahmen die Forscher 258 Patienten auf, die sich einer totalen Thyreoidektomie aufgrund einer benignen oder malignen Erkrankung unterzogen. Sie wurden im Verhältnis 1:1 randomisiert und erhielten Calciumcarbonat (1.200 mg alle 8 Stunden) und Calcitriol (0,25 μg alle 12 Stunden):
Der primäre Endpunkt war die Inzidenz symptomatischer Hypokalzämien innerhalb von 15 Tagen nach der Operation, anhand eines validierten Fragebogens zu den Hauptsymptomen eines Hypoparathyreoidismus. Zu den sekundären Endpunkten gehören eine biochemische Hypokalzämie sowie unerwünschte Ereignisse im Zusammenhang mit der Supplementierung.
Eine symptomatische Hypokalzämie trat insgesamt bei 9,3 % der Patienten auf, davon 7,8 % in der PTH-Gruppe und 11,1 % in der C+C-Gruppe. Der Unterschied war jedoch nicht signifikant (Odds Ratio [OR] 0,68; 95 % KI 0,29–1,57; P = 0,36). Eine biochemische Hypokalzämie wurde bei 21,6 % in der PTH-Gruppe und bei 17,6 % in der C+C-Gruppe beobachtet, auch hier ohne statistische Signifikanz (OR 1,29; 95 % KI 0,57–2,93; P = 0,53). Allerdings war eine postoperative Kalziumergänzung in der PTH-Gruppe nur bei etwa einem Drittel der Patienten erforderlich.
Unerwünschte Ereignisse und Komplikationen, die typischerweise mit einer Kalziumergänzung verbunden sind, waren in beiden Gruppen ähnlich und traten insbesondere bei der routinemäßigen Prophylaxe nicht häufiger auf.
Für die Studienautoren sind damit beide Strategien probate Therapieoptionen. Die routinemäßige C+C-Gabe scheine sicher zu sein und das Risiko für Hyperkalzämie-bedingte Symptome nicht zu erhöhen; andererseits könne mit der PTH-gesteuerten Strategie der Bedarf an Supplementierung reduziert werden.
Sie plädieren daher für einen pragmatischen Ansatz: Die Wahl der Strategie solle von der Verfügbarkeit von PTH-Tests, der Durchführbarkeit im Rahmen einer ambulanten Thyreoidektomie und den Präferenzen des Chirurgen abhängig gemacht werden.