SGLT-2-Inhibitoren: Erythrozytose bleibt ohne klinische Relevanz

Können die Stars der Diabetologie womöglich das Thromboserisiko bei Patienten mit Typ-2-Diabetes erhöhen? Zumindest steigen unter SGLT-2-Inhibitoren Hämatokrit und Hämoglobinspiegel an.

Erythrozytose durch SGLT-2-Inhibitoren:

  • SGLT-2i werden erfolgreich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes, Herzinsuffizienz und chronischer Nierenerkrankung eingesetzt und erhöhen nachweislich Hämatokrit und Hämoglobin.
  • Die Behandlung erhöht den Hämatokritwert laut Metaanalysen um 2 bis 5 % und den Hämoglobinspiegel um 0,4 bis 1,0 g/dl im Vergleich zu Placebo.
  • Empagliflozin zeigt insgesamt den höchsten Anstieg des Hämatokritwerts, während die Wirkung bei Dapagliflozin dosisabhängig ist. 
  • Der genaue Mechanismus dahinter ist nach wie vor unklar. Vermutet wird eine SGLT-2i-induzierte Erhöhung der Erythropoietin-Spiegel und der Retikulozytenzahlen, gefolgt von einem Anstieg von Hämoglobin und Hämatokrit und der Entwicklung einer Erythrozytose.

In die retrospektive Kohortenstudie wurden knapp 270.000 Patienten mit Typ-2-Diabetes eingeschlossen, die eine Therapie mit SGLT-2i, DPP-4-Inhibitoren (DPP-4i) oder GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RA) begannen. Es wurden zwei Gruppen gebildet und paarweise miteinander verglichen:

  • SGLT-2i vs. DPP-4i  
  • SGLT-2i vs. GLP-1RA

Endpunkte waren eine Erythrozytose innerhalb eines Jahres nach Beginn der SGLT-2i-Behandlung sowie arterielle und venöse thrombotische Ereignisse bis zum Ende der Nachbeobachtungszeit.

Vor allem Empagliflozin führt zu verstärkter Erythrozytose 

Unter den SGLT-2i-Anwendern stieg die Prävalenz der Erythrozytose in der SGLT-2i- vs. DPP-4i-Kohorte um 5,5 % und in der SGLT-2i- vs. GLP-1RA-Kohorte um 5,8 %. Das Hämoglobin stieg unter SGLT-2i verglichen mit GLP-1RA um 0,37 g/dl und der Hämatokritwert um 1,5 %. Im Vergleich zu DPP-4i betrug der Anstieg 0,35 g/dl und 1,4 %.

Männer und Raucher hatten ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Erythrozytose, ebenso Patienten, die Empagliflozin einnahmen (im Vergleich zu Dapagliflozin).

Diese laborchemischen Befunde blieben jedoch ohne klinische Folgen. Eine neu auftretende Erythrozytose war nicht mit einem erhöhten Risiko für Myokardinfarkt, venöse Thromboembolie oder Schlaganfall verbunden.

SGLT-2i zur gezielten Anämietherapie 

Für die Studienautoren lassen sich daraus differenzierte Empfehlungen für die antidiabetische Therapie ableiten. So wäre etwa bei männlichen Rauchern mit erhöhten Hämatokrit-Ausgangswerten Dapagliflozin gegenüber Empagliflozin zu bevorzugen. Umgekehrt könnte sich bei Patienten mit einer Anämie zu Beginn der Behandlung Empagliflozin als vorteilhaft erweisen. 

Die Idee, SGLT-2i auch zur Prävention oder Korrektur von Anämie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes einzusetzen, wurde bereits in früheren Untersuchungen bestätigt. Darüber hinaus wurden höhere Hämatokrit- und Hämoglobinwerte zum Teil mit günstigeren kardiovaskulären und renalen Ergebnissen in Verbindung gebracht.

Bei der Therapieentscheidung könnte somit auch ein Blick auf die Anämieparameter weiterhelfen. Manche Patienten profitieren möglicherweise sogar von einem gezielten Anstieg von Hämoglobin/Hämatokrit. Ein erhöhtes Thromboserisiko scheint damit nicht verbunden zu sein.

Quelle:
  1. Lewis M et al., Sodium-Glucose Cotransporter 2 Inhibitors, Erythrocytosis, and Thrombosis in Adults With Type 2 Diabetes. JAMA Netw Open 2025; 8(6): e2517086.